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«swiss made» auf dem prüfstand

Laut Kar-Friedrich Scheufele brauchen Schweizer Luxusuhren einen besseren Markenschutz. (Chopard) source: Chopard

Was bedeutet eigentlich das "Swiss made" auf Schweizer Uhren? Der Gebrauch dieser Bezeichnung ist umstritten und soll neu definiert werden.

swissinfo hat mit Karl-Friedrich Scheufele gesprochen. Der Vize-Präsident der Luxusuhren- Firma Chopard spricht sich dafür aus, das Markenzeichen mit strengeren Normen zu schützen.

Gemäss geltender Gesetzgebung kann eine Uhr das Markenzeichen «Swiss made» führen, auch wenn etliche Bestandteile wie Zifferblatt oder Armband in Asien produziert werden.

Diese Situation widerstrebt etlichen Exponenten der Uhrenindustrie.

Sie fordern einen strengeren Umgang mit dem Markenzeichen. Auch Karl-Friedrich Scheufele gehört zu den Befürwortern schärferer Regeln.

swissinfo: Warum sollten Ihrer Meinung nach die Regeln zur Verwendung des Labels «Swiss made» geändert werden?

Karl-Friedrich Scheufele: Wenn wir den eingeschlagenen Weg

weitergehen, wird das Label bald bedeutungslos und inhaltsleer sein. Die Folge ist, dass einzelne Marken am Ende wichtiger sind als das gemeinsame Qualitätssiegel.

Teilweise hat diese Entwicklung schon eingesetzt.

Es gibt wirklich starke Unternehmungen, deren Produkte für «Swiss made»» stehen.

Trotzdem ist es schade, wenn das nationale Markenzeichen an Bedeutung verliert.

Die heutigen Regeln stammen aus einer Bundesverordnung von 1972 und sind meines Erachtens nicht mehr zeitgemäss.

Firmen, die ihre Uhren zu 100% in

der Schweiz herstellen, werden nicht genügend geschützt.

swissinfo: Anscheinend arbeiten die geltenden Regeln Opportunisten in die Hände. Sie exportieren ihr Wissen in kommende Konkurrenzländer.

K.F.S.: Sicher. Es ist klar, dass Know-how exportiert wird, wenn Firmen einen Teil ihrer Komponenten im Ausland fertigen lassen.

Und es ist auch klar, dass sich diese Strategie eines Tages negativ auf das Uhrmachergewerbe in der Schweiz auswirken wird.

swissinfo: Wie könnte das Qualitätssiegel «Made in Switzerland» wieder bedeutungsvoller werden?

K.F.S.: In der Schweiz gibt es zwei Arten von Uhrmachern. Einerseits gibt es Fabrikanten, die günstige Uhren vertreiben, die praktisch alle im Ausland hergestellt werden und nur die Minimalbedingungen für das Label erfüllen.

Andererseits gibt es einen Bereich mit Luxusuhren, die vollständig in der Schweiz gefertigt werden.

Meiner Meinung nach müsste man ein neues Label einführen, das diese beiden Arten von Produkten klar unterscheidet. Dies könnte beispielsweise durch eine Ursprungsbezeichnung wie beim Wein oder anderen Lebensmitteln (AOC) passieren.

Diese Bezeichnung würde dem Konsumenten garantieren, dass

das erworbene Produkt wirklich in der Schweiz hergestellt ist.

swissinfo: Der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie hat bereits entschieden, die Möglichkeit zu einer Revision der Verordnung zum Gütesiegel «Swiss made» zu prüfen. Doch der Verband scheint gespalten.

K.F.S.: Sicherlich, denn im Verband sind die unterschiedlichen Produzenten vertreten.

Deshalb divergieren die jeweiligen Interessen sehr. Ich bin der Ansicht, dass die Chancen auf eine Einigung nicht sehr gut stehen.

swissinfo: Trotzdem läuft das Geschäft mit Uhren gerade im Luxussegment besonders gut.

K.F.S.: Wir sind tatsächlich sehr zufrieden. Aber das kann sich schnell ändern. Sollte jedoch keine allzu negativen politischen oder wirtschaftlichen Ereignisse eintreten, sind die Perspektiven für die Luxusgüterindustrie sehr gut. Unsere Verkaufszahlen werden dann noch steigen.

swissinfo-Interview: Marzio Pescia (Übertragung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)

Jedes Jahr werden rund 100 Fälle von Missbrauch mit der Marke «Swiss made» aufgedeckt.
Einige Fälle betreffen auch Schweizer Produzenten.
Die Qualitätsmarke «Swiss made» ist hauptsächlich ein Argument der Werbung.

Das Label «Swiss made» ist in einer Bundesverordnung aus dem Jahr 1972 geregelt.

Eine Uhr wird als Schweizer Uhr bezeichnet, wenn das Uhrwerk aus der Schweiz stammt und das fertige Produkt in der Schweiz zusammengebaut und kontrolliert wurde.

Das Uhrwerk wird als schweizerisch bezeichnet, wenn es in der Schweiz hergestellt und kontrolliert und mindestens 50% seiner Komponenten in der Schweiz gefertigt wurden.

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