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UMTS: Flop für Staat, Telcos und Kunden

Die schöne, neue UMTS-Welt kostet plötzlich nur noch, ohne Gewinn zu versprechen. Keystone Archive

Die Auswertung der UMTS-Auktion zeigt: Der Staat hat zuwenig Geld eingestrichen und die Telekommunikations-Firmen die eine Lizenz ergattert haben, stecken in der Finanzklemme. Das Debakel bezahlen in beiden Fällen die Konsumierenden.

Bei der Versteigerung der dritten Generation des Mobilfunknetzes (UMTS) hatte der Bund im Dezember 2000 statt der erwarteten 4 Milliarden Franken nur 205 Millionen – wenig mehr als den Minimalpreis – eingenommen. So etwas soll nicht mehr vorkommen: Der Bundesrat soll deshalb für kommende Auktionen finanzielle Eckwerte festlegen können und eine Versteigerung unter gewissen Bedingungen auch abbrechen können. Dies schreibt das Kommunikations-Ministerium (UVEK) in einem Bericht an die Finanzdelegation der eidgenössischen Räte.

In andern Ländern waren UMTS-Versteigerungen für den Staat ein hoch lukratives Geschäft: In England bezahlten die Telcos insgesamt 62 Milliarden Franken, in Deutschland schwemmten sechs Lizenzen eine Rekordsumme von fast 80 Milliarden Franken in die Staatskasse.

Finanzklemme der Telekoms

Dieser Milliarden-Poker zeitigt Folgen: Die Telekommunikations-Firmen die eine Auktion ergatterten, stecken jetzt in einer Finanzklemme, welche diese an die Grenzen der Existenz bringen.

Das grösste Problem ist die technologische Umsetzung der UMTS-Technologie. Der Aufbau eines UMTS-Netzes kostet wesentlich mehr als ein herkömmliches GSM-Netz. Doch die Anbieter können nicht sicher sein, dass diese Investitionen innert nützlicher Frist Gewinn abwerfen, denn die Mobilfunkgeräte der dritten Generation existieren erst als Vorzeige-Objekte auf Messen. Ausserdem ist das Angebot für die neuen Geräte weder ausgereift noch marktfähig. Auch stellen sich Marktbeobachter die bange Frage, ob UMTS nicht schon von anderer Technologie überholt wurde.

Die Telcos wollen aber nicht länger warten und subventionieren die getätigten UMTS-Ausgaben mit den herkömmlichen Services – in ihrem globalisierten Markt natürlich auch mit Schweizer Handy-Gebühren für ausländische UMTS-Lizenzen.

Kunden bezahlen den Hype

Als Fazit des UMTS-Irrsinn drängt sich nur eine Erkenntnis auf: Die Konsumierenden müssen die Milliarden-Ausfälle vermutlich doppelt bezahlen. Einerseits als Steuerzahlende an den Staat, andererseits als Kunden an die Telcos.

Philippe Kropf und Agenturen

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