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UNO fordert Untersuchung gegen Glencore wegen Irak-Öllieferung

Keystone

Die UNO hat die Schweiz aufgefordert, eine Untersuchung gegen den Zuger Rohwarenkonzern Glencore wegen Verstössen gegen die Bestimmungen des Programms "Öl-für-Nahrungsmittel" mit Irak einzuleiten.

Das UNO-Programm «Erdöl für Nahrungsmittel» erlaubt Irak den begrenzten Verkauf von Öl. Glencore International hatte nach Angaben von UNO-Beamten in New York im vergangenen Februar im Zuge dieses Programms Irak eine Million Fass Rohöl abgekauft, dieses aber statt in die USA nach Kroatien geliefert.

Der in Baar (ZG) ansässige Rohwarenhandels-Konzern erzielte durch diese Transaktionen einen zusätzlichen Erlös von drei Mio. Dollar, die nicht in das Öl-für-Nahrungsmittel-Programm flossen, wie ein UN-Beamter sagte.

Im April erklärte sich Glencore bereit, die drei Mio. Dollar den Vereinten Nationen zurückzuerstatten. Der UNO-Sanktionsausschuss forderte die Schweiz nun diese Woche auf, eine Untersuchung über den Vorfall einzuleiten. Die Schweiz hatte das UNO-Embargo autonom nachvollzogen.

Frankreich hat überdies die französische Glencore-Niederlassung inzwischen von der Liste von rund 20 Firmen gestrichen, die unter dem UNO-Programm zu Ölkäufen in Irak berechtigt sind. Die französische UNO-Mission informierte den Sanktionsausschuss, der das Irak-Embargo überwacht, über den entsprechenden Schritt. Laut einem UNO-Diplomaten hat Frankreich auch Spanien aufgefordert, die dortige Glencore-Filiale von der Liste der zugelassenen Käufer zu streichen. Der UNO-Sanktionsausschuss bewilligte Glencore International anderseits gleichzeitig, einen Kaufvertrag für irakisches Öl um zwei auf 13 Mio. Fass zu erhöhen, wie es am UNO-Hauptsitz in New York hiess.

Glencore International wollte keine Stellungnahme zu der Angelegenheit abgeben. Dem Vernehmen nach hatte das Unternehmen bereits im April an den Sanktionsausschuss geschrieben, um sich gegen die Vorwürfe zu wehren. Bei den für den Vollzug des Embargos zuständigen Bundesbehörden in Bern war ebenfalls keine Stellungnahme zum Fall erhältlich.

Glencore gehört zu den international führenden Rohwarenhandels-Konzernen. Die Firma war von Marc Rich gegründet und 1994 verkauft worden. In der Schweiz hatte das Unternehmen unter anderem deshalb für Aufsehen gesorgt, weil es zusammen mit Marc Rich zu jenen Rohwarenhändlern gehörte, die sich gegen eine Unterstellung unter das Geldwäschereigesetz wehren. In dieser Frage ist nach wie vor ein Entscheid der Eidgenössischen Finanzverwaltung ausstehend.

Swissinfo und Agenturen

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