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Wachsende Abhängigkeiten in der Chemie-Branche

Die Clariant-Anlage in Muttenz Keystone

Chemie-Unternehmen Clariant nimmt eine geplante Anlage zur Produktion einer Spezialchemikalie in Muttenz (BL) nicht in Betrieb, wie letzte Woche bekannt wurde. 57 Stellen gehen verloren. Der Schritt wurde mit dem Ausstieg des einzigen Kunden begründet. Die Frage nach der wachsenden Abhängigkeit der Chemiebranche gewinnt an Bedeutung.

Laut Angaben von Clariant sind Entlassungen unvermeidbar. Die Zahl der Kündigungen soll aber so gering wie möglich gehalten werden. Als spezifische Massnahmen zur Abfederung des Stellenabbaus sind Versetzungen, gezielte Frühpensionierungen und die Besetzung von zurückgestellten Vakanzen vorgesehen, wie Clariant schreibt. Daneben werde für die betroffenen Mitarbeiter ein Sozialplan erstellt und eine Stellenbörse ins Leben gerufen.

Clariant hatte im Herbst 1999 mit dem Bau der Produktionsanlage in Muttenz begonnen. Die Anlage hätte diesen Sommer in Betrieb genommen werden können. Nun habe aber der Kunde den Liefervertrag gekündigt, der Clariant die Lieferung einer Spezialchemikalie ermöglicht hätte. Das Investitionsvolumen von rund 100 Mio. Franken sei vertraglich abgesichert. Clariant wollte den Namen des Kunden aus Gründen der Vertraulichkeit der Kundenbeziehungen nicht bekannt geben. Laut der Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI) handelt es sich um das amerikanische Unternehmen Procter & Gamble.

«Die Enttäuschung ist allgemein riesengross», schreibt die Gewerkschaft in einer Reaktion von Ende letzter Woche. Sie will aber für Clariant die Unschuldsvermutung gelten lassen. Der Stellenabbau sei nicht dem Unternehmen selber anzulasten. Die GBI stellte aber fest, dass die unter dem Stichwort Fokussierung betriebene Neuausrichtung in der Chemiebranche zu gefährlichen Abhängigkeiten von Grosskunden geführt hat. Einige Unternehmen betrieben eine eigentliche «Kundenchemie-Produktion». Diese Entwicklung sei bedenklich, da zuletzt die Arbeitnehmer das Risiko zu tragen hätten. Auch die Baselbieter Regierung bedauerte in einer Stellungnahme den Rückschlag bei Clariant. Sie will den von einer Kündigung betroffenen Mitarbeitern bei der Vermittlung eines neuen Arbeitsplatzes behilflich sein.

swissinfo und Agenturen

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