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die zusammenarbeit beginnt im dorf

Schweizer Entwicklungshilfe konzentriert sich oft auf landwirtschaftliche Strukturen (wie in Kirghistan, Bild). Keystone

Die Stärke der Entwicklungs- Zusammenarbeit der Schweiz liegt in der Arbeit mit den Gemeinschaften an der Basis. Auch ohne viel Eigenmittel setzt sie auf Qualität.

Sie lebt dem chinesischen Sprichwort nach: Statt einem Menschen einen Fisch zu geben, bringt sie ihm das Fischen bei oder hilft ihm, seine eigenen Fischereimethoden zu verbessern.

Richtig Aufschwung bekam die Entwicklungshilfe nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Aufgabe, den Ärmsten zu helfen, von den Missionen an Nichtregierungs- Organisationen (NGO) und danach an die Staaten überging.

Helvetas als «Pionierin»

1955 wurde das «Schweizerische Hilfswerk für aussereuropäische Gebiete» gegründet. Eine neuartige Idee zu einer Zeit, als der vom Krieg 1939-1945 verwüstete Alte Kontinent kaum wieder aufgebaut war.

Die spätere Helvetas war eine Pionierin und ist heute die grösste Nichtregierungs- Organisation der Schweiz, mit rund 600 Mitarbeitenden, 150 Projekten in

22 Ländern und einem Jahresbudget von 60 Mio. Franken. Fünf Jahre später folgte der Dienst für technische Zusammenarbeit, der Vorgänger der heutigen Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA).

Zu jener Zeit leistete der Bund bereits seit gut zehn Jahren Entwicklungshilfe, im Wesentlichen aber durch Geldüberweisungen an Unterorganisationen der Vereinten Nationen.

Zusammenarbeit an Basis

1961 spricht das Parlament, das sich bis dahin wenig für diese Fragen interessierte, einen Dreijahreskredit von 60 Mio. Franken für den neuen Dienst. Die Maschine ist angeworfen.

Heute verfügt die DEZA über ein Jahresbudget von nahezu 1,3 Mrd. Franken. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) seinerseits setzt rund 170 Millionen für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung ein.

Die DEZA ist dem Aussenministerium angegliedert und richtet sich nach den Prinzipien der Aussenpolitik des Landes. Sie setzt sich ein für die Bekämpfung der Armut, für Frieden, Demokratie, Menschenrechte und den Schutz der natürlichen Ressourcen, ohne dabei die Interessen der Schweiz zu vernachlässigen.

Und 1976 wird die Entwicklungshilfe offiziell zur Entwicklungs- Zusammenarbeit. Der Sinn dieses Begriffs wird vor allem im Feld deutlich, wo die DEZA ganz einfach

mit den Gemeinschaften der Basis zusammenarbeitet. Wo andere mit fertigen Modellen ankommen, unterstützt die Schweiz mit ihrer Zusammenarbeit lokale Initiativen und lokales Wissen und hilft wo nötig, diese zu verbessern.

Schweizer Art

«Es ist auch eine kulturelle Frage», erklärt der frühere Journalist Bernard Weissbrodt, der sich in der Entwicklungs-Zusammenarbeit auskennt. «Die Schweizer haben die Dezentralisierung quasi im Blut, anders als zum Beispiel die Franzosen. Sie fangen also immer unten an.»

Die DEZA begnügt sich nicht damit, ihren Partnern Geld zu verteilen. Die Programme, die sie unterstützt,

überprüft sie regelmässig und vertieft. Und wenn sie findet, dass die lokalen Fähigkeiten ausreichen, um allein weiterzumachen, zieht sie sich schrittweise zurück, um anderswo helfen zu können.

Zudem versucht die Schweizer Zusammenarbeit immer, ihr Personal vor Ort zu rekrutieren und ihr Material auf lokalen Märkten zu beschaffen. Diese Methoden verhalfen ihr zu einem guten Ruf in der ganzen Welt.

Respekt von Partnern

Sie hat den Respekt ihrer Partnerorganisationen und trägt zur Definition der guten internationalen Praktiken in diesem Bereich bei, wie dem Bericht 2005 des Entwicklungshilfe- Ausschusses

der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu entnehmen ist.

Im gleichen Bericht ist auch zu lesen, dass die Schweizer Zusammenarbeit auf technisch gesunden Grundlagen steht und loyalen und kompetenten Personen anvertraut ist, die sich um hohe Integrität bemühen.

Weitere Anstrengungen

Das gleich gute Image scheint die Zusammenarbeit auch in der Schweizer Öffentlichkeit zu haben. Dies zeigen Umfragen, aber auch der Erfolg der Geldsammlungen bei grossen Katastrophen wie dem Tsunami Ende 2004. In der Politik dagegen sind die Budgets der Zusammenarbeit immer wieder

Gegenstand von Auseinandersetzungen zwischen denen, die finden, es werde nicht genug getan, und jenen, die denken, es sei schon zu viel.

Ziel der Vereinten Nationen ist es, dass die reichen Länder 0,7% des Bruttovolkseinkommens für die öffentliche Entwicklungshilfe aufwenden sollen. 2005 lag die Schweiz noch bei 0,44%, womit sie unter den Industriestaaten auf Rang 11 steht.

Und um dieses Ziel zu erreichen, hat die Regierung jene Beträge mit einbezogen, die für Hilfe an Asylsuchende ihrem ersten Aufenthaltsjahr in der Schweiz ausgegeben werden, ebenso den Schuldenerlass an den Irak, Kongo und Nigeria.

Was natürlich auf Kritik stiess. Einige NGOs sahen darin nichts anderes als einen Buchhaltertrick.

swissinfo, Marc-André Miserez (Übertragung aus dem Französischen: Charlotte Egger)

2005 setzte die Schweiz 2,206 Mrd. Franken für die öffentliche Entwicklungshilfe ein.
In dieser Zahl sind nicht nur die Budgets von DEZA und seco enthalten, sondern auch die internationalen Friedeneinsätze der Armee, die direkten Beiträge der Schweiz an UNO-Agenturen und, unter anderem, die Einsätze von Kantonen und Gemeinden.
Um auf dieses Total zu kommen, rechnet die Regierung auch die Rückkehrhilfe und die Unterstützungskosten für das erste Aufenthaltsjahr von Asylsuchenden in der Schweiz mit ein (178 Mio. Franken) sowie den im Rahmen des Clubs von Paris international ausgehandelten Schuldenerlass (279 Millionen).

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) ist die Schweizer Agentur für öffentliche Entwicklungshilfe. Sie setzt jedes Jahr rund eine Mrd. Franken für die Zusammenarbeit und 300 Mio. für humanitäre Hilfe (in Notsituationen) ein.

Auch das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) verfügt über ein Budget für Entwicklungszusammenarbeit, das sich auf rund 170 Mio. Franken pro Jahr beläuft.

Zusammen konzentrieren DEZA und seco ihre Hilfe auf gut dreissig Länder, vor allem in Afrika und Osteuropa.

Ausserdem sind etwa 400 kleinere oder grössere Schweizer NGOs in der Entwicklungshilfe aktiv. Die grössten erhalten einen Teil ihres Budgets von der DEZA oder dem seco, die insgesamt über 200 Mio. pro Jahr an sie weiterleiten.

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