für eine sauberere industrie in südafrika
In Pretoria half die Schweiz beim Lancieren eines Büros für Unternehmens-Beratung für umweltfreundliche Produktion.
Das heute staatliche National Cleaner Production Centre (NCPC) erhält immer noch, über die UNO, die Unterstützung eines Basler Experten. Und weiss, dass es vor einer grossen Aufgabe steht.
«Wir haben sehr moderne Umweltgesetze», hält der Direktor des NCPC, Ndivhuho Raphulu, fest. «Das Problem liegt bei der Umsetzung. Für Menschen, die vor allem um ihr Überleben kämpfen, steht nachhaltige Entwicklung nicht zuoberst auf der Prioritätenliste.»
So kann zwar die Umweltpolizei Südafrikas einen Fabrikdirektor vor Gericht bringen. Das ist auch schon vorgekommen. Das NCPC dagegen kann dies nicht.
«Unser Job ist es, in den Unternehmen das Bewusstsein für die Umwelt zu wecken, ihnen zu zeigen, dass saubere Produktion oft auch billiger ist, zum Beispiel, wenn man damit Verschwendungen vermeiden kann», fügt Vedika Singh,
die Stellvertreterin des Direktors bei.
Die NCPC sind aus dem Erdgipfel von Johannesburg im Jahr 2002 hervorgegangen. Unterstützt werden sie insbesondere von der UNIDO (Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung). Heute gibt es weltweit gut dreissig davon, in Lateinamerika, Asien, Afrika und Osteuropa.
Büros neben Labors
In Pretoria ist das Zentrum auf dem grossen Campus des Rats für wissenschaftliche und industrielle Forschung untergebracht. Die Büros liegen neben den Labors der besten Forscher des Landes.
Vor zehn Jahren noch hätte man hier ausser dem Dienstpersonal keinen einzigen Menschen dunkler Hautfarbe angetroffen. «Es stimmt, wir haben Chancen, die unsere Eltern nicht hatten», meint Vedika Singh, Inderin der vierten Generation.
Konkret verbreitet das NCPC Informationen, organisiert Seminare und führt Fallstudien für Unternehmen durch, die dies beantragen. Gut dreissig waren es bisher, so zum Beispiel jene der Nationalen Union der Bierbrauereien.
Dank dieser Studie gelang es den zehn Fabriken der Gruppe, ihren Wasserverbrauch um 14% zu verringern. Durch neue Einfülldüsen konnten auch die Verluste
reduziert werden, die durch übermässige Schaumbildung beim Einfüllen des Biers in die Fässer entstanden.
Während der ersten beiden Jahre seiner Aktivitäten vertraute das NCPC seine Fallstudien Studierenden der Technischen Hochschulen an. Damit sollte der akademische Nachwuchs für Umweltfragen sensibilisiert werden.
Fachwissen verloren
2005 wurde diese Praxis aufgegeben. «Es funktionierte nicht gut», erklärt Thomas Bürki von der Universität Basel, UNIDO-Berater für Pretoria. «Die Studierenden verfügten nicht über das nötige Know-how, und was sie hier lernen, geht verloren, wenn sie anderswo
arbeiten.» Ausserdem ist das NCPC, das heute ein Regierungsbüro ist, nicht allein auf dem Markt. In Südafrika gibt es gut dreissig Umweltberatungsbüros. Das Zentrum darf deren Geschäfte nicht beeinträchtigen. Deshalb vermittelt es ihnen Kundschaft.
«Wir haben die kleinen und mittleren Unternehmen im Visier», erklärt Ndivhuho Raphulu. «Wir haben zwar auch eine Fallstudie für Nestlé durchgeführt, aber die hier niedergelassenen Multis sind bereits relativ ’sauber‘. Sie verfügen über Mittel, die unsere Unternehmen nicht haben.»
Aber auch das NCPC hat nicht viel mehr Mittel. Sechs Mitarbeitende und ein Jahresbudget von umgerechnet rund 500’000 Franken
(die Hälfte davon für die Löhne), das scheint wenig für diese grosse Aufgabe.
Anfang 2006 hat CTELC ein ähnliches Büro am Kap eröffnet, das im Textilbereich aktiv ist. Diese für Südafrika wichtige Branche kämpft angesichts der von der WTO angestrebten Marktöffnung schwer ums Überleben. Da hat die Umwelt keinen hohen Stellenwert.
Eine Frage des Interesses
Singh findet, die Regierung müsste mehr tun. «Wenn ich sehe, dass ein föderalistisches Land wie Indien die Abgaskontrolle für Autos einführen konnte, frage ich mich, worauf man hier wartet, um etwas zu tun», wettert sie. Raphulu ist etwas moderater, räumt aber ein,
dass man nur schrittweise vorgehen kann. Aber er hofft, dass es längerfristig gelingt, «die Konsumbedürfnisse und jene der Umwelt unter einen Hut zu bringen.»
Thomas Bürki seinerseits ist eindeutig zynischer – oder realistischer. «Es überall das gleiche, ob in Südafrika, der Schweiz oder sonst wo», meint der Basler Experte. «Die Unternehmen setzen sich nur dann für nachhaltige Entwicklung ein, wenn es ihnen etwas bringt.»
swissinfo, Marc-André Miserez in Pretoria (Übertragung aus dem Englischen: Charlotte Egger)
Die öffentliche Entwicklungshilfe der Schweiz für die Länder im südlichen Afrika beläuft sich auf rund 12 Mio. Franken pro Jahr. 9 Mio. kommen von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und 3 Mio. vom Staatssekretariat für Wirtschaft (seco).
Das Seco finanzierte die laufenden Kosten des NCPC für die ersten drei Jahre mit, zusammen mit Österreich und Südafrika.
Südafrika ist der wichtigste Wirtschaftspartner der Schweiz in Afrika. Sie exportierte 2005 für rund 651 Mio. Franken pro Jahr dorthin und importierte für 1,08 Mrd.
Die Schweiz ist die sechstgrösste ausländische Investorin in Südafrika. Über 100 Schweizer Unternehmen sind in diesem Land aktiv, und sie beschäftigen 28’000 Personen.
Seit dem Ende der Apartheid weist Südafrika jährliche Wachstumsraten von 3 bis 4% auf.Das Land allein hat einen Viertel des BIP des ganzen Kontinents realisiert.
Das Durchschnittseinkommen pro Einwohner liegt bei 3600 Schweizer Franken pro Jahr. Im Kaufkraftvergleich entspricht dies 10’700 Dollar in den USA.Das Land weist aber weltweit nach wie vor fast am meisten soziale Ungleichheiten auf.
Rund 15% der Bevölkerung weisen einen westlichen Lebensstandard auf, während über die Hälfte unter der Armutsgrenze lebt.
Die Arbeitslosenrate liegt offiziell bei 28%, doch viele NGOs schätzen sie auf nahezu 40%.
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