Das Schweizer Shoah-Mahnmal-Projekt wurde ohne die ASO präsentiert
In Bern wurde in Anwesenheit von Bundesrat Ignazio Cassis das Siegerprojekt für das künftige Schweizer Mahnmal für die Opfer der Shoah und des Nationalsozialismus vorgestellt – der letzte Schritt vor der Realisierung des Mahnmals. Die Auslandschweizer-Organisation (ASO) begrüsst dies, auch wenn keines ihrer Mitglieder zu der Veranstaltung eingeladen war.
In einem Saal mit Blick auf den Platz, an dem das Mahnmal errichtet werden soll, enthüllten Ignazio Cassis, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), die Berner Stadtpräsidentin Marieke Kruit und Jury-Präsidentin Madeleine Schuppli das Siegerprojekt des im Jahr 2025 ausgeschriebenen internationalen Wettbewerbs.
Das unter dem Namen «Unfolded Minute»Externer Link bekannte Projekt wird im Herzen Berns, in der Nähe des Bundeshauses, entstehen. Es soll bis Ende 2027 realisiert werden.
Für Cassis soll dieser Gedenkort der Schweiz ermöglichen, «ihrer Vergangenheit ins Gesicht zu sehen» und Lehren für die Gegenwart daraus zu ziehen. Der Aussenminister erinnerte daran, dass das Mahnmal den Opfern der Shoah und den vom NS-Regime verfolgten Personen gewidmet ist, deren Schicksal mit der Schweiz verbunden ist – darunter auch Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer.
Am Ursprung des Projekts, und trotzdem nicht eingeladen
Die Präsentation am Dienstag markierte den Abschluss der Vorbereitungen für die Umsetzung des Projekts. «Ich freue mich über dieses Ergebnis, aber es hat seine Zeit gebraucht», sagt Remo Gysin, ehemaliger Präsident der Auslandschweizer-Organisation und Initiator der Bemühungen, die zur Schaffung des Mahnmals geführt haben.
Obwohl er über die Veranstaltung informiert worden sei, erklärt er, keine Einladung erhalten zu haben. Dasselbe gilt für die aktuellen Mitglieder der ASO: Weder Präsident Filippo Lombardi, Gysins Nachfolger, noch Direktor Daniel Hunziker waren zu der Veranstaltung eingeladen.
«Nein, wir wurden nicht eingeladen», bestätigt Lombardi. Der ehemalige Ständerat präzisiert jedoch, dass der Organisation bekannt war, dass dieser Schritt in Kürze bevorstehen würde.
«Wir sind froh, dass die Dinge vorankommen. Wir haben dieses Projekt von Anfang an stark unterstützt», betont er. «Wir hoffen, zur Einweihung 2027 eingeladen zu werden.»
Auf Anfrage versichert das EDA, dass die ASO regelmässig über den Stand des Dossiers informiert und zu projektbezogenen Veranstaltungen eingeladen werde.
Das Departement präzisiert, dass die ASO Teil der anfänglichen Arbeitsgruppe war, bis das Dossier an den Bundesrat übermittelt und 2021 vom Parlament entschieden wurde. Seither gehöre die ASO nicht mehr zu den Steuerungsgremien.
Warum ein Mahnmal?
Das Engagement der ASO reicht mehrere Jahre zurück. Anlässlich des Auslandschweizer-Kongresses in Visp im Jahr 2018 beschloss der Auslandschweizer-Rat, die Schaffung eines offiziellen Mahnmals für die Schweizer Opfer des NS-Regimes auf seine Agenda zu setzen.
Der Impuls dazu kam von seinem damaligen Präsidenten Remo Gysin, der einen Artikel über in NS-Lagern internierte Schweizerinnen und Schweizer gelesen hatte. «Ursprünglich ging es um die rund tausend Schweizer Opfer der NS-Zeit», sagte er damals.
Das Projekt wurde jedoch später zu einem Mahnmal für alle Opfer des Nationalsozialismus mit Bezug zur Schweiz erweitert. Bis dahin hatte das Land kein Denkmal von nationaler Bedeutung.
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Eine Arbeitsgruppe, der unter anderem die ASO, Historikerinnen und Historiker, das Archiv für Zeitgeschichte (AFZ) der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) sowie der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) angehörten, erarbeitete daraufhin ein Konzept, das dem Bundesrat im Jahr 2021 übergeben wurde.
Dieses Engagement mündete im März 2022 in die Annahme von zwei Motionen durch das Parlament. Diese forderten einen «Schweizer Gedenkort für die Opfer des Nationalsozialismus» und erteilten dem Bundesrat damit den Auftrag, das Projekt zu konkretisieren.
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Für Lombardi ist dieses Mahnmal untrennbar mit den Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern verbunden: «Wenn man von den Opfern des Nationalsozialismus spricht, dann war ein grosser Teil davon Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer. Es war nicht in der Schweiz, wo diese Menschen verfolgt wurden.»
Auf die Frage nach der Bedeutung der Thematik der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer im Wettbewerb betont Jury-Präsidentin Madeleine Schuppli, dass diese während des gesamten Reflexionsprozesses präsent war.
«Wenn man die Geschichte betrachtet, gerieten viele im Ausland lebende Schweizerinnen und Schweizer in die Fänge des NS-Regimes. Es war also inhaltlich ein sehr wichtiges Thema», sagt sie.
Schuppli erinnert auch an das Schicksal bestimmter Schweizerinnen, die nach der Heirat mit einem Ausländer ihre Staatsbürgerschaft verloren und für welche die Schweizer Behörden anschliessend nicht mehr intervenierten.
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Von der ASO sass niemand in der Jury für das Mahnmal. Das EDA gibt an, dass die Jury im Februar 2025 mit Vertretenden der derzeit am Projektsteuerung beteiligten Institutionen (EDA, Bundesamt für Kultur, Stadt Bern, SIG und AFZ) sowie einer Mehrheit unabhängiger Fachleute aus den Bereichen Kunst, Geschichte und Architektur zusammengestellt worden sei.
Editiert von Pauline Turuban, Übertragung aus dem Französischen: Christian Raaflaub
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