The Swiss voice in the world since 1935

Werden in Genf die Killerroboter verboten? 

Dorian Burkhalter

Liebe Leserin, lieber Leser

Letzte Woche hat die UNO-Regierungsexpertengruppe zu autonomen Waffen in Genf ihre dreijährige Arbeit zu den sogenannten Killerroboter abgeschlossen. Nach heftigen Diskussionen gelang es den 128 Mitgliedstaaten, sich auf eine Definition dieser Waffen zu einigen und bestimmte Grundprinzipien festzulegen.

Autonome Waffen, die ohne menschliches Eingreifen Menschen ins Visier nehmen können, bereiten der UNO und dem IKRK seit Jahren Sorge, weshalb sie deren Kontrolle fordern. Ihrer Ansicht nach könnten diese Systeme möglicherweise nicht in der Lage sein, in Echtzeit einen Kämpfer von einer völkerrechtlich geschützten Person – beispielsweise einem verwundeten Soldaten – zu unterscheiden.

Im vergangenen Monat konnten UNO und IKRK bei einer Pressekonferenz im Palais des Nations nicht bestätigen, ob solche Waffen bereits eingesetzt worden seien. Medien haben zwar über Fälle von mit KI ausgestatteten ukrainischen Drohnen berichtet, und die USA sollen KI zur Identifizierung von Zielen im Nahen Osten eingesetzt haben, doch schliesst dies eine menschliche Kontrolle nicht aus. Sicher ist, dass die Entwicklung solcher Waffen voranschreitet und ihr Einsatz nur eine Frage der Zeit ist.

Alle Augen richten sich nun auf die nächste Überprüfungskonferenz der zuständigen Konvention, die alle fünf Jahre stattfindet und Ende November in Genf abgehalten wird. Die Staaten werden Gelegenheit haben, formelle Verhandlungen über einen künftigen internationalen Vertrag zur Regulierung dieser Waffen aufzunehmen. Werden sie dies tun? Wie weit werden sie bereit sein zu gehen? Werden sie sich bereit erklären, Verbote einzuführen? Die Frage bleibt offen.

Es geht um mehr als nur um Killerroboter. Mehrere humanitäre Abrüstungsverträge haben in den letzten Jahren an Bedeutung verloren, erwähnt sei etwa der Austritt mehrerer Länder aus dem Übereinkommen zum Verbot von Antipersonenminen. Vor diesem Hintergrund würde die Aufnahme von Verhandlungen ein starkes Signal senden, dass es trotz geopolitischer Spannungen weiterhin möglich ist, sich auf Regeln zur Einschränkung bestimmter Waffen zu einigen.

Gibt es Themen, die Sie interessieren und die wir aufgreifen sollen? Sie können mir schreiben an: dorianvalere.burkhalter@swissinfo.ch

Mit freundlichen Grüssen,

Dorian Burkhalter

P.S. Wenn Sie den Newsletter nützlich finden, können Sie ihn gerne an Interessierte weiterleiten – hier kann man ihn abonnieren.

Die neuesten Beiträge zu geopolitischen Themen

Während einer Aufklärungsveranstaltung.

Mehr

Aussenpolitik

«Man glaubt nicht an die Existenz von Ebola»

Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht Der Arzt Pierre-Olivier Ngadjole von der Schweizer NGO Medair, die im Osten der Demokratischen Republik Kongo tätig ist, gibt Einblick in einen der schwersten Ebola-Ausbrüche der Geschichte.

Mehr «Man glaubt nicht an die Existenz von Ebola»
Alain Werner

Mehr

Internationales Genf

Alain Werner: ein Kämpfer gegen die Straflosigkeit

Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht Der Genfer Rechtsanwalt Alain Werner begleitet seit mehr als zwanzig Jahren Opfer von Kriegsverbrechen bei ihrer Suche nach Gerechtigkeit. Ein Porträt.

Mehr Alain Werner: ein Kämpfer gegen die Straflosigkeit

Hier geht es zu unserer Übersichtsseite zur Geopolitik.

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

Swissinfo bei Google bevorzugen

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft