«Ich stimme immer ab, schon wegen meiner Kinder»
Valerie Page lebt in Holland und nimmt an jeder Schweizer Abstimmung teil. Im Ausland wurde ihr dies noch wichtiger – als Zeichen der Verbundenheit mit der Schweiz.
«Ich bin in Holland zuhause. Ausgewandert bin ich vor 17 Jahren. Zuerst ging es nach Irland, wo ich meinen Mann kennenlernte. Seit sieben Jahren lebe hier, in Leiden, und arbeite bei einer Kleidungsfirma als Logistikmanagerin.
Wenn ich die Stimmunterlagen aus der Schweiz erhalte, stimme ich jedes Mal ab. Ich finde es beeindruckend, dass ich meine Stimme abgeben kann, obwohl ich im Ausland lebe. Der Hauptgrund aber sind meine Kinder. Wer weiss, ob sie einmal in der Schweiz leben möchten. Darum möchte ich ihnen eine gute Schweiz hinterlassen.
Interessante Themen
Ich finde die Abstimmungsthemen interessant. Man muss sich damit auseinandersetzen, um sich ein Bild zu machen. Doch wenn es kompliziert wird, dann nehme ich das als Herausforderung und sage mir: Das will ich jetzt wissen, da mache ich mich schlau.
Das rote Abstimmungsbüchlein ist bei den Stimmunterlagen immer dabei. Manchmal habe ich zu Beginn keine Ahnung, dann lese ich das. Die Vorlagen sind darin gut erklärt. Mir hat es bis jetzt immer gereicht, um zu meinem Abstimmungsentscheid zu kommen. Etwas Anderes brauche ich nicht. Meistens hat man ja schon eine Meinung zu den Themen.
Mein Rat: Gleich am Anfang registrieren
Anderen Auswanderern würde ich auf jeden Fall raten, direkt beim Anmelden im neuen Land auch den Eintrag ins Stimmregister vorzunehmen. Gemacht ist gemacht, und je länger man im Ausland ist, desto eher verliert man sonst den Draht oder das Interesse an der Heimat.
Wenn man aber in Stimmregister eingetragen ist, kommt regelmässig Abstimmungspost – und diese hält uns Auslandschweizer:innen auch informiert über das Geschehen in der Schweiz. Dabei ist klar, dass nicht alle Auslandschweizer:innen die Abstimmungscouverts rechtzeitig oder regelmässig erhalten. Aber in Holland kennen wir dieses Problem nicht.
Jede Stimme zählt – auch meine
Ich habe den Eindruck, dass ich seit meiner Auswanderung sogar aktiver und häufiger an Abstimmungen teilnehme, als in meiner Zeit in der Schweiz. Die Partizipation an der Schweizer Demokratie ist für mich etwas geworden, das mich mit der Schweiz verbindet.
Klar könnte man sagen, dass die Schweizer Demokratie auch ohne mich funktionieren würde. Auch mir geht manchmal durch den Kopf, dass die Politiker:innen ja sowieso machen, was sie wollen. Aber so zu denken, ist mir zu bequem, und man könnte das in jedem Land sagen. Ich bin überzeugt: Jede Stimme zählt – auch meine.
Mein Mannn aus Irland ist übrigens jedes Mal beeindruckt, was in der Schweiz alles zur Abstimmung gelangt.»
Aufgezeichnet von Balz Rigendinger
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch