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Doppelte Staatsbürgerschaft: Auslandschweizer erzählen, warum sie ihnen wichtig ist

Mann mit Mütze und rotem Hemd
Auslandschweizer Paul Widmer lebt seit über 15 Jahren in Deutschland und ist mittlerweile Doppelbürger. zVg

Für die einen ist sie ein Zeichen der Verbundenheit mit ihrer neuen Heimat, für andere eine praktische Erleichterung im Alltag. Doch nicht alle können frei entscheiden, ob sie die Staatsbürgerschaft ihres Wohnlandes annehmen. Und eine zweite Staatsangehörigkeit kann auch Nachteile haben.

Drei Viertel der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer sind Doppelbürger und besitzen neben dem Schweizer Pass mindestens eine weitere Staatsangehörigkeit. Zum Vergleich: In der Schweiz trifft dies nur auf rund einen Fünftel der Schweizer Bürgerinnen und Bürger zu.

Einer von ihnen ist Swissinfo-Leser Paul Widmer. Er wanderte vor 15 Jahren nach Deutschland aus. Irgendwann hatte er dort eine Familie gegründet, ein Haus gebaut und einen festen Job gefunden. Da wurde ihm klar: Er wollte nicht nur dort leben, sondern auch die Staatsbürgerschaft seiner neuen Heimat annehmen.

Die deutsche Staatsbürgerschaft war für ihn Ausdruck von «Respekt und Zuneigung zu Deutschland», wie er schreibt.

In Deutschland flammte jedoch in dieser Zeit die Diskussion über eine mögliche Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft wieder auf. Widmer brach das Verfahren ab: «Das hätte sonst zur merkwürdig-komischen Situation geführt, dass ich in meiner Familie der Einzige wäre, der ausschliesslich Deutscher gewesen wäre», schreibt er. Hatten doch seine deutsche Frau durch die Heirat und seine Kinder durch ihn das Schweizer Bürgerrecht erhalten.

Einige Jahre später wurde die doppelte Staatsangehörigkeit in Deutschland wieder möglichExterner Link – und er stellte den Antrag erneut. Heute besitzt er beide Pässe. Und er schätzt vor allem eine Möglichkeit: Er kann sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz wählen und abstimmen. «Was ich ausserordentlich schätze und als grosses Privileg empfinde», schreibt er. Das Schweizer Stimmrecht halte seine Verbundenheit zur alten Heimat besonders aufrecht, sagt er.

Heimat kann mehr als einen Pass haben

Auch andere Auslandschweizerinnen erleben das Leben als Doppelbürger:in als Teil ihrer Identität. Peps Türler schreibt auf Facebook, dass sie 1983 nach Grossbritannien auswanderte und vier Jahre später die britische Staatsbürgerschaft erhielt. Sie habe damit ausdrücken wollen, «dass mein Leben jetzt hier ist». Trotzdem blieb die Schweiz für sie wichtig.

Seit dem Brexit habe sich ihr Verhältnis zu Grossbritannien verändert. Heute fühle sie sich weniger zuhause und die britische Staatsbürgerschaft bedeute ihr nicht mehr viel. «Ich fühle mich in erster Linie als Schweizerin und werde möglicherweise zum Lebensende in die Schweiz zurückkehren», schreibt sie.

Eine Schweizerin, die seit 1971 in Australien lebt, schreibt, dass sie neben der Schweizer und australischen Staatsbürgerschaft durch Heirat auch die italienische besitzt. Ob die drei Staatsangehörigkeiten für sie ein Ausdruck von Heimat seien? Ihre Antwort: «Sicher».

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Wenn der zweite Pass den Alltag einfacher macht

Nicht immer geht es um Gefühle oder Identität. Beat Sieger in Mexiko beantragte die mexikanische Staatsbürgerschaft unter anderem aus «ganz praktischen Gründen». Ohne mexikanischen Pass beziehungsweise die entsprechenden Dokumente sei es schwierig gewesen, bestimmte Dinge zu erledigen – etwa ein Bankkonto zu eröffnen.

Der Weg zum Pass war allerdings sehr zeitaufwendig – und dies, obwohl er ein vereinfachtes Verfahren nutzen konnte, weil sein Sohn in Mexiko geboren wurde. Er musste Schweizer Dokumente übersetzen und beglaubigen lassen, ein zweites Mal heiraten, diesmal in Mexiko, «um zusätzlichen Papierkrieg zu vermeiden» und schliesslich eine mündliche und schriftliche Prüfung zu Sprache, Geschichte und Politik absolvieren.

Thomas Bühlmann aus Australien nennt ebenfalls praktische Gründe, die dazu geführt haben, dass er sich um das australische Bürgerrecht bemühte: «Meine Frau und mein Kind haben die australische Staatsbürgerschaft, und beruflich ist diese vorteilhaft, um mit Behörden zu arbeiten.»

Für Hans Schuster in den USA wiederum war die Einbürgerung auch eine Form der Absicherung. Durch einen Jobtransfer von der Schweiz in die USA erhielt er zunächst eine Greencard. Doch dann sei plötzlich nicht mehr sicher gewesen, ob man als Greencard-Besitzer überhaupt noch eine Krankenkasse abschliessen konnte. Deshalb habe er sich um die amerikanische Staatsbürgerschaft bemüht. «Es war ein mühsamer Weg und in meinen Fall dauerte der Prozess zehn Jahre», so Schuster.

Heute ist er froh, beide Staatsbürgerschaften zu besitzen. Gleichzeitig betont er, dass ihn der Schweizer Pass und insbesondere das Schweizer Stimmrecht weiterhin stark mit der Schweiz verbinden.

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In Argentinien (95%), Chile (92%), Israel (86%) und Italien (85%) ist der Anteil der Schweizer:innen mit mehreren Staatsangehörigkeiten am höchsten. Keystone / Gaetan Bally

Viele Doppelbürger:innen besitzen zwei Pässe seit Geburt

Nicht alle Doppelbürger:innen unter den Auslandschweizer:innen haben sich bewusst für eine zweite Staatsangehörigkeit entschieden. Viele sind bereits mit mehreren Bürgerrechten aufgewachsen – weil ihre Eltern unterschiedliche Staatsangehörigkeiten haben oder weil sie in einem Land geboren wurden, dessen Staatsangehörigkeit sie automatisch erhalten haben.

Für sie ist die zweite Staatsangehörigkeit weniger eine bewusste Entscheidung als vielmehr ein Teil ihrer Biografie. Um das Schweizer Bürgerrecht im Ausland ein Leben lang zu behalten, müssen sich junge Auslandschweizer:innen allerdings bis zum 25. Lebensjahr bei einer Schweizer Vertretung melden.

In der Community erzählen mehrere Auslandschweizer:innen von ihren Kindern, die neben dem Schweizer Pass auch die Staatsangehörigkeit ihres Geburts- oder Wohnlandes besitzen. Eine Schweizerin in Irland etwa schreibt, ihre Kinder hätten das Schweizer und das irische Bürgerrecht, ihre Enkel die Schweizer und die deutsche Staatsangehörigkeit.

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Nicht überall ist die Wahl frei

Ein zweites Bürgerrecht ist nicht für alle Auslandschweizer:innen eine Option. Frieda Alii in Kenia schreibt: «Ich habe bewusst darauf verzichtet.» Die kenianische Staatsbürgerschaft sei zu teuer und bringe ihr zu wenig Vorteile.

Ob jemand Doppelbürger:in werden kann, hängt auch von den Gesetzen des jeweiligen Landes ab. Das zeigt sich nicht nur in der Geschichte von Paul Widmer, sondern auch an den unterschiedlichen Regeln für Einbürgerungen.

Die Schweiz erlaubt Mehrfachstaatsangehörigkeiten seit 1992Externer Link. Andere Länder haben sie dagegen eingeschränkt, manche verlangen bei einer Einbürgerung den Verzicht auf die bisherige Staatsangehörigkeit.

So schreibt auch Cornelia Stransky aus Österreich, dass sie die österreichische Staatsangehörigkeit gerne annehmen würde, aber wegen der rechtlichen Konsequenzen darauf verzichtet. Sie müsste ihren Schweizer Pass abgeben, weil das Land im Allgemeinen keine Doppel- oder Mehrfachstaatsbürgerschaften zulässtExterner Link. Da sie im Alltag kaum Einschränkungen habe, wolle sie das nicht. Ihre Kinder hätten jedoch beide Pässe.

Gemäss Staatssekretariat für Migration (SEM) geben jährlich einige Schweizerinnen und Schweizer ihr Bürgerrecht freiwillig ab. In den letzten fünf Jahren wurden insgesamt 319 Personen aus dem Schweizer Bürgerrecht entlassenExterner Link.

Je nach Land gelten zudem unterschiedliche Regeln für Personen, die eine Staatsangehörigkeit durch Geburt, Abstammung, Heirat oder Einbürgerung erhalten.

Entsprechend unterschiedlich ist je nach Wohnland auch der Anteil der Auslandschweizer:innen. Den höchsten Anteil an Schweizer:innen, die keine andere Staatsangehörigkeit besitzen, gab es Ende 2025 in Thailand. In Argentinien hingegen besitzt fast die gesamte Schweizer Diaspora mehrere Staatsangehörigkeiten.

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Wenn der Schweizer Pass nicht überall schützt

Eine zweite Staatsangehörigkeit kann auch Auswirkungen darauf haben, welche Unterstützung Schweizer:innen im Ausland von der Schweiz erhaltenExterner Link.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) weist darauf hin, dass seine Leistungen für Personen mit mehrfacher Staatsangehörigkeit eingeschränkt sein können. Besitzt eine Schweizer Doppelbürgerin oder ein Schweizer Doppelbürger auch die Staatsangehörigkeit des Aufenthaltsstaates, behandeln die lokalen Behörden die Person grundsätzlich als eigene Staatsangehörige. Die Schweiz kann in diesem Fall konsularischen Schutz leisten, sofern sich der Aufenthaltsstaat nicht dagegenstellt.

Editiert von Balz Rigendinger

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