Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Jede Generation hat ihre eigenen Ausdrücke, um sich voneinander abzugrenzen – und Jugendliche pflegen diese Form der Abgrenzung besonders intensiv. Cool ist, wer «slay» im richtigen Moment sagt. Zumindest war das vor ein paar Jahren so. Und dass ich «cool» schreibe, verrät wohl, dass ich bei den gängigen Ausdrücken auch nicht mehr mithalten kann.
Welche Wörter in der viersprachigen Schweiz von Jugendlichen zu den Jugendwörtern des Jahres gekürt worden sind, erfahren Sie in diesem Briefing.
Gute Lektüre!
In gut einem Monat stimmen die Schweizer Stimmberechtigten unter anderem über die Feuerwerksinitiative ab. Hinter der Vorlage, die laut der ersten SRG-Umfrage in der Bevölkerung eine klare Mehrheit finden könnte, steht der Mitinitiant und Hundetrainier Roman Huber. Ein Blick zurück zeigt, auch Einzelne können in der Schweizer Politik viel bewirken.
«Roman Huber steht in einer Ahnenreihe von Einzelkämpfern, die in den letzten Jahrzehnten mit Volksinitiativen die Schweizer Politik geprägt haben», schreibt die NZZ. Sie verweist etwa auf Franz Weber, der Urheber der Zweitwohnungsinitiative, die 2012 knapp angenommen wurde. Der Unterschied zwischen Weber und Huber: Letzteren kannte vor seiner Feuerwerksinitiative in der Öffentlichkeit kaum jemand, wohingegen der Umweltaktivist bereits vor seiner Initiative bekannt war.
Trotz Webers prominenten Namen mussten Allianzen geschmiedet werden, um der Initiative zum Durchbruch zu verhelfen. Anders erlebte es Franziska Herren. Sie blieb durch den Abstimmungskampf hindurch Einzelkämpferin ohne grosse Allianzen. Sowohl ihre Ernährungsinitiative wie auch die Trinkwasserinitiative scheiterten klar an der Urne.
In der Konstellation «allein gegen alle» siegen, konnte dagegen Thomas Minder mit seiner Abzocker-Initiative, die 2013 von der Stimmbevölkerung angenommen wurde. «Minder gelang dabei das Kunststück, diametral entgegengesetzte politische Lager hinter sich zu scharen», schreibt die NZZ. Ob dies auch bei der Feuerwerksinitiative der Fall sein wird, sehen wir am 29. November.
Durch die Sparmassnahmen des Bundes geraten wichtige IT-Projekte unter Druck. Eines davon ist ein Personenregister des Staatssekretariats für Migration SEM, das dringend erneuert werden muss.
Im Zentralen Migrationsinformationssystem ZEMIS verwaltet das SEM die Daten aller Ausländer:innen, die sich in der Schweiz aufhalten. Es wird von Bund, Kantonen und Gemeinden etwa für Asylverfahren oder Einbürgerungen genutzt.
Die Eidgenössische Finanzkontrolle EFK hat nun festgestellt: Weil das ZEMIS von den Sparmassnahmen des Bundes getroffen werde, drohen Verzögerungen und Mehrkosten. Doch damit nicht genug. Da das SEM die Anforderungen der EU-Verträge im ZEMIS umsetzen muss, entsteht Mehrarbeit, was wiederum zu Verzögerungen führt.
Für Patrick Treichler, Projektprüfer bei der EFK, ist die Ablösung des bisherigen ZEMIS dringlich. «Mit jeder Verzögerung steigen natürlich die Risiken für Systemausfälle, die direkt die Geschäftsfähigkeit des SEM betreffen.»
Doch das ZEMIS-System ist nicht das einzige IT-Projekt, das von den Sparmassnahmen des Bundes betroffen ist. Auch DigiSanté, ein Programm für die digitale Transformation im Gesundheitswesen, musste kürzlich angepasst werden, und es gibt Abstriche bei der KI-Strategie des Bundes. «Die Sparmassnahmen drohen also, den digitalen Wandel auszubremsen», schreibt SRF.
Vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona begann heute der grösste Betrugsprozess der jüngeren Geschichte der SBB. Ein ehemaliger Kadermann soll während 17 Jahren fast neun Millionen Franken aus dem Konzern geschleust haben.
«Juristisch relevant ist am Prozess vor dem Bundesstrafgericht nur gut die Hälfte davon», schreibt der Tages-Anzeiger. Der Grund: Die Betrügereien reichen bis 2007 zurück und es gilt eine 15-jährige Verjährungsfrist. Der einklagbare Schaden liegt laut Bundesanwaltschaft demnach auf rund fünf Millionen Franken. Die SBB ihrerseits haben angekündigt, das Geld «so weit wie möglich» zurückzuverlangen.
Der Beschuldigte legte laut verschiedenen Medien bei der SBB eine Karriere «wie aus dem Bilderbuch» hin, vom Handwerker zum Abteilungsleiter in der Teppichetage. Laut den Ermittlern flossen die SBB-Millionen über ein Firmengeflecht zum grossen Teil in das Privatvermögen des Beschuldigten, womit er sich unter anderem ein Haus im Kanton Solothurn, ein Anwesen in Florida und 13 Fahrzeuge leistete – darunter ein Lamborghini, von dem weltweit nur zwölf Exemplare produziert wurden.
Vor dem Gericht habe sich der Ex-SBB-Manager heute entschuldigt, schreiben die Zeitungen von CH Media. Er habe einen grossen Fehler gemacht: «Ich habe Leute in Mitleidenschaft gezogen.» Grund für sein Betrugssystem sei laut dem Beschuldigten ein finanzieller Engpass gewesen.
Die SBB erklärt das Versagen ihres Kontrollsystems so: «Die Kontrollmechanismen konnten durch eine erhebliche kriminelle Energie und die vier weiteren, nicht bei den SBB angestellten Beschuldigten umgangen werden.»
«Peak», «nöd so deep» oder «wür mi»: Welchen Ausdruck haben Sie als Jugendliche regelmässig verwendet, bei dem ältere Generationen bloss die Stirn runzelten?
Erstmals haben Jugendliche das Schweizer Jugendwort des Jahres gekürt – eines für jede Landessprache. In der Deutschschweiz schaffte es «wür mi» auf den ersten Podestplatz, eine Kurzform von «das würde mich nerven.» In der französischsprachigen Schweiz fiel die Wahl auf «goumin» (Liebeskummer), in der italienischsprachigen Schweiz wurde «aura» (Charisma einer Person) gekürt und im Rätoromanischen «bursa» (ironisch für Trottel).
Die Wörter wurden keineswegs von Erwachsenen ohne Ahnung gewählt; für jede Landessprache gab es eine eigene Jury aus Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 19 Jahren. Organisiert hat die Wahl die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), die seit 2017 auch die Wahl des Schweizer Wortes des Jahres verantwortet.
Wer sich nun wundert, warum das Jugendwort kein Anglizismus ist, darf beruhigt sein: Auf den Plätzen zwei und drei finden auch diese ihre Ehrung, wie «nöd so deep» oder «chill». Doch zum Beispiel der deutschsprachigen Jury war ein Schweiz-Bezug des Jugendwortes ein Anliegen: «‹Würd mi› hat keine Chance, das deutsche Jugendwort des Jahres zu werden. Deshalb ist es wirklich cool, dass wir ein schweizerdeutsches Wort gewählt haben», sagt ein Jury-Mitglied.
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