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Ende gut alles gut

Während die Geretteten zu Hause in der Stube sitzen, räumen die Retter in Goumois auf. Keystone

Müde, aber sehr glücklich - so kletterten die in einer Höhle im französischen Jura eingeschlossenen Schweizer nach über 70 Stunden ans Tageslicht. Nach einer Nacht im Spital sind sie wieder nach Hause zurückgekehrt. Die Kritik am Organisator der Expedition hält an.

Mit schlammverschmierten Gesichtern und in Decken gehüllt, traten die jungen Leute am Samstagabend (19.05.) ins Freie, empfangen vom Jubel der Retter. «Ich danke Ihnen allen, das ist grossartig, was sie für uns getan haben», waren die ersten Worte eines der Studenten vor dem Eingang der Goumois-Höhle.

Rund drei Tage lang hatten die Studenten, Teilnehmer eines Kurses «Erlebnispädagogik», in der überfluteten Höhle ausharren müssen. Retter und Angehörige hatten zwischenzeitlich um das Leben der unerfahrenen Wanderern gefürchtet.

Erst Mal Ruhe

Nach ihrer glücklichen Rettung am Samstagabend wurden die drei Frauen und fünf Männer sofort in eine Krankenstation am Unfallort gebracht. Dort begrüssten sie ihre Familien, abgeschirmt von neugierigen Blicken. «Jetzt ist endlich alles vorbei. Hoffentlich wird man die Lehren daraus ziehen», sagte die Schwester eines der Studenten.

Noch am Abend kehrten die Geretteten in die Schweiz zurück. Mit einem Hupkonzert und begleitet von Freudenrufen der Bewohner verliess die Auto-Karawane das kleine Dorf Goumois an der schweizerisch-französischen Grenze.

Im Delsberg (JU) wurden sie ein zweites Mal untersucht. Die drei Frauen und fünf Männer seien physisch und psychisch in Ordnung, sagte ein Sprecher des Krankenhauses. Noch am Sonntag durften sie nach Hause zurückkehren.

Singen, Aerobic und Spielen

Eine der geretteten Studentinnen erzählte, sie hätten die Stunden unter Tag mit Spielen, Singen und Aerobic überstanden. Die Zeit sei sehr hart gewesen, weil die meisten nur für höchstens eine Stunde Schlaf gefunden hätten.

Ein anderer Student sagte dem Schweizer Fernsehen DRS, die Gruppe habe sich zurzeit des Wassereinbruchs in der Goumois-Höhle bereits auf dem Rückweg befunden. Sie hätten dann auf einer trockenen Stelle Zuflucht gesucht.

Am Freitag hatten Taucher die Gruppe aufgespürt. Die Bergung verzögerte sich aber Stunde um Stunde, weil das reissende Hochwasser trotz Pumparbeiten nicht absinken wollte. Dann ging plötzlich alles sehr schnell. «Die Kombination aus Sprengung, Pumparbeiten und trockenem Wetter hat den Höhlengang sehr rasch trockengelegt», sagte der Präfekt der Region. Zur Erleichterung der Retter blieb den Amateuren ein riskanter Tauchgang erspart.

Was war passiert?

Die Studenten und ihre Gruppenleiterin waren am Mittwoch in die Höhle abgestiegen und wurden dort von einem plötzlichen Wasseranstieg überrascht. Bei dem Kurs «Erlebnispädagogik» sollte es darum gehen, Grenzen kennen zu lernen und Gruppenverhalten einzuüben. Ursprünglich sollte der Ausflug in die Höhle vier Stunden dauern.

Noch am Mittwochvormittag hatte eine andere Gruppe einen problemlosen Ausflug in die Höhle unternommen. Einige Stunden vor dem Abstieg der Zürcher Gruppe ging in der Region ein schwerer Gewitterregen nieder.

Kritik wächst

Schweizer Zeitungen kritisierten am Wochenende den Veranstalter der Erlebnistour, die Basler Firma «Altamira». Rettungskräftesprachen nach Angaben des «SonntagsBlick» von «grobfahrlässigem Leichtsinn», weil die 32-jährige Gruppenführerin offensichtlich auf Drängen des Geschäftsführers nach dem Gewitter noch am Mittwochabend in die Höhle eingestiegen war.

Der Gruppenleiterin wurde von den Rettungskräften eine ruhige und umsichtige Betreuung der Studenten attestiert. Sie hatte die unerfahrenen Wanderer zu einem Hohlraum geführt.

Aufräumarbeiten beginnen

Für die bis zu 200 Retter, die in Wechselschichten rund um die Uhr im Einsatz waren, war die Arbeit am Sonntag noch längst nicht beendet. Sie mussten die 18 Pumpen aus dem schlammigen und rutschigen Untergrund wieder hinaufholen.

Die Kosten für derartige Rettungsaktionen trägt normalerweise die Gemeinde, in der der Unfall geschehen ist. Eine ähnliche Höhlen-Rettung von sieben Eingeschlossenen im vergangenen November im Zentralmassiv hat 840’000 Francs (210’000 Franken) gekostet.

swissinfo und Agenturen

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