Hochschulreform nach anglo-amerikanischem Vorbild
Der europäische "Bologna"-Hochschul-Reformprozess, der die Bachelor- und Master-Studiengänge einführt, bedeutet für die Schweiz zugleich Chance und Herausforderung. Die Schweizer Hochschulen wollen die Reformen eigenständig und kreativ umsetzen.
Die Universitäts-Rektorenkonferenz (CRUS) hat am Mittwoch (27.06.) in Bern eine Konferenz mit etwa 200 Universitäts-, Fachhochschul-, Studenten- und Bundesvertretern organisiert, an der die schweizerische Teilnahme an der Gestaltung eines gemeinsamen europäischen Hochschul-Raumes diskutiert wurde.
Harmonisierung in Europa angestrebt
Dieser Reformprozess, der 1999 mit der «Erklärung von Bologna» begonnen hatte, zielt auf eine Harmonisierung des Hochschulwesens in Europa, auf vergleichbare Studienstrukturen und Ausbildungs-Standards sowie auf erleichterte Mobilität der Lehrenden und Lernenden ab. Über Landesgrenzen hinweg soll den Studien-Absolventen der Einstieg ins Berufsleben erleichtert werden.
Insgesamt 32 europäische Länder nehmen am Reformprozess teil. Kern dieser Reformen ist gemäss Konrad Osterwalder, Rektor der ETH Zürich, der Übergang vom bisherigen einstufigen Studiensystem (mit Abschluss Lizenziat oder Diplom) zum zweistufigen System nach anglo-amerikanischem Vorbild (drei Jahre für Bachelor, dann ein bis zwei Jahre für den Master).
Die Studienleistungen sollen ferner künftig mit einem eurokompatiblen Leistungs- und Kreditsystem (ECTS) angerechnet werden. Schliesslich sollen Studien-Absolventen zu ihrem Diplom ein erläuterndes Zusatzdokument erhalten, welches Arbeitgebern einen raschen Überblick über ihre Ausbildung ermöglicht. Auch an den Fach-Hochschulen soll das Bachelor-Master-System eingeführt werden.
Pionierrolle der HSG
An der Tagung wurden verschiedene Pilot-Studiengänge präsentiert, die diesen Herbst an den Universitäten von St. Gallen, Basel, Luzern, Tessin und voraussichtlich auch Bern sowie an der ETH Zürich beginnen sollen. Sie zeigen laut Presse-Mitteilung der CRUS, wie kreativ die einzelnen Hochschulen bei der Umsetzung der Reformen vorgehen. Die Hochschule St. Gallen geht voran und will ihr gesamtes Studiensystem reformieren.
Kritik von den Mittelschulen
Vor einem Monat hatte der Mittelschul-Lehrerverband Zürich (MVZ) gewarnt, die angestrebte Reform könnte eine Verkürzung der Gymnasialzeit, eine Verlagerung von Bildungsinhalten der Gymnasien ins Studium und einen Substanzverlust der Mittelschulen nach sich ziehen.
swissinfo und Agenturen
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