Legaler Cannabis-Verkauf in Apotheken fördert schadensarmen Konsum
Der Verkauf von Cannabis in Berner, Bieler und Luzerner Apotheken begünstigt einen risikoärmeren Konsum. Das zeigt eine wissenschaftliche Zwischenauswertung des laufenden Pilotprojekts, die am Montag in Bern präsentiert wurde.
(Keystone-SDA) An der Script-Studie der Universitäten Bern und Luzern nehmen 1177 Personen aus allen Altersgruppen ab 18 Jahren teil. In den neun beteiligten Apotheken informieren Fachkräfte die Kundschaft über schadensminimierende Konsumformen wie das Verdampfen oder einen Mundspray statt des Rauchens.
Ein 70-jähriger Studienteilnehmer sagte vor den Medien, dem E-Joint gehe zwar die Sinnlichkeit ab, die das Drehen eines klassischen Joints mit sich bringe. Das «Vapen» habe aber gesundheitliche Vorteile. Zudem sei der E-Joint schneller verfügbar, und er könne zum Beispiel vor einem Konzert noch «schnell einen Zug» nehmen.
Eine orale Einnahme sei für ihn weniger geeignet. Hier lasse sich die konsumierte Menge weniger gut dosieren, weil es länger dauere als beim Vapen oder Rauchen, bis die Wirkung einsetze. Darauf wies auch Studienleiter Reto Auer hin. Generell biete man Alternativen an, weil das Rauchen von Cannabis «keine gute Idee» sei.
Konsum nahm nicht zu
Die Ergebnisse deuten weiter darauf hin, dass ein regulierter Zugang den Konsum nicht erhöht. Im Gegenteil: Laut Studie gibt es sogar leichte Abwärtstendenzen. «Das entkräftet eine der zentralen Sorgen in der politischen Debatte», sagte Auer.
Die Preise liegen leicht über dem Schwarzmarkt, denn sie enthalten eine Abgabe, die unter anderem die Beratung in den Apotheken finanziert. Während Ältere die Preise akzeptieren, reagieren 18- bis 25-Jährige empfindlicher. Die Studienleitung sieht darin eine wirksame Massnahme zum Jugendschutz.
Zudem gibt es praktisch keine Vorfälle wie etwa Weiterverkäufe an Dritte. Studienleiter Auer erwähnte einen einzigen Fall, bei dem die Polizei Cannabis aus dem Pilotprojekt konfiszierte. Der Studienteilnehmer, der die Droge weitergegeben hatte, wurde verwarnt und wird im Wiederholungsfall ausgeschlossen.
Städte begrüssen Gesetzesentwurf
Das Pilotprojekt der drei Städte läuft seit 2024 und wurde vom Bund zuletzt bis Oktober 2028 verlängert. Die vorliegenden Erkenntnisse stützen aus Sicht der Städte die Arbeiten an einem eidgenössischen Gesetz für den geregelten Zugang zu Cannabis. Zurzeit wird der Entwurf von einer Subkommission des Nationalrats beraten.
Die interurbane Arbeitsgruppe, der auch Bern, Biel und Luzern angehören, begrüsse den Entwurf in seiner Stossrichtung, sagte die Berner Sozialdirektorin Ursina Anderegg (Grünes Bündnis). Der Entwurf setze – wie von den Städten empfohlen – konsequent auf Gesundheits- und Jugendschutz.
Cannabis-Pilotprojekte laufen zurzeit auch in Zürich, Basel, Lausanne, Genf und in den Kantonen St. Gallen und Baselland. Die «Übungsanlagen» und die Laufzeiten sind unterschiedlich.