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Coronavirus Auslandschweizer-Community zeigt sich kritisch gegenüber Bundesrat

des hommes qui marchent

Einige Schweizerinnen und Schweizer im Ausland sind nicht zufrieden mit dem Bundesrat. Hier Ueli Maurer und Guy Parmelin vor der Pressekonferenz am 20. März 2020. 

(Keystone / Peter Klaunzer)

Die Fünfte Schweiz beobachtet aus der Ferne, wie die Regierung ihres Heimatlandes mit der Coronavirus-Krise umgeht. Während die einen nachsichtig sind, stehen die anderen dem Aktionsplan kritisch gegenüber. Vielen dauert es zu langsam. Wir haben einige Stimmen aus der Ausland-Community zusammengefasst, die uns auf verschiedenen Kanälen erreicht haben.

Italien war das erste Land in Europa, das vom Coronavirus heimgesucht wurde. Die Schweiz verzeichnete ihren ersten Fall am 25. Februar 2020. Die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer haben von ihren Wahlheimaten aus beobachtet, welche Massnahmen die Kantone und der Bundesrat anschliessend ergriffen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Die Community vergleicht die Bewältigung der Krise in der Schweiz mit dem Vorgehen in ihrem jeweiligen Land und ist mit ihrem Heimatland nicht zufrieden.

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Es haben uns sogar Warnrufe erreicht, wie man den Kommentaren auf unserer Facebook-Seite entnehmen kann. Aus Griechenland heisst es etwa: "Bleiben Sie, wo immer Sie sind, es ist sicherer als in der ins Schleudern gekommenen Schweiz." Aus Spanien: "Die Reaktion der Behörden finde ich alarmierend. Der Bundesrat kam zusammen und hat keinen Beschluss gefasst. Es ist erstaunlich, unverständlich, unerhört. Aus gesundheitlicher Sicht ist es eine Katastrophe."

Aus Tunesien erreicht uns folgender Kommentar: "Tunesien verlassen, das aktuell in der Phase 2 der Pandemie steckt und die strengen Regeln der Phase 4 anwendet und finanzielle Unterstützung durch den Staat und die Reichen zusichert. Um in die Schweiz zu gehen, die in einer unbekannten Phase steht, nicht weit von derjenigen in Italien und die laschen Regeln der Phase 2 anwendet? Da müsste man schon sehr dumm sein." Aus dem Senegal: "Die Schweiz braucht zu lange, um die Ausgangssperre umzusetzen. Sie ist zu langsam!"

Sicherer im Ausland

Tatsache ist: Während der Bund derzeit die grösste Rückführung seiner Geschichte organisiert, um vor allem Schweizer Touristen bei der Heimreise zu unterstützen, fühlen sich die meisten Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer, die sich auf den Kanälen von SWI swissinfo.ch zu Wort gemeldet haben, in ihrer Wahlheimat weitgehend sicherer. 

In Panama zum Beispiel sieht René Müller keinen Grund, sich "unnötig in Gefahr zu begeben". Im mittelamerikanischen Land werde nicht ewig diskutiert wie in der Schweiz, sondern gehandelt. Dasselbe gelte für die Vereinigten Arabischen Emirate. Obwohl weitgehend die gleichen Massnahmen wie in Europa ergriffen wurden, ist Nicole Loppacher-Abi der Meinung, dass "die Vereinigten Arabischen Emirate gut gerüstet sind und es keine Panik gibt". 

Marcel Iseli ist der Meinung, dass sich die Kantone zu Beginn nicht ausreichend koordiniert hätten: "Jeder macht, was er will. Österreich hat es vorgemacht, wie man die Ausbreitung in den Griff bekommt. Es hat nicht einmal die Hälfte der Anzahl Toten der Schweiz."

Martine Elisabeth Hug-Simon, die sich derzeit in der Schweiz aufhält, ist hin und her gerissen. Ihr Hausarzt sei zwar da für sie, aber im Übrigen bedauere sie die mangelnde Reaktion ihrer Gemeinde. "Niemand fragt wie es uns geht oder ob wir etwas brauchen." Sie glaubt, dass bei ihr zu Hause in Spanien die Leute der Gemeinde schon längst vorbeigekommen wären. Hug-Simon hat es eilig, nach Spanien zurückzukehren. Die in der Nähe von Barcelona lebende Claire zeigt sich ebenfalls kritisch: "Ich bin mir nicht sicher, ob ich in der Schweiz sicherer bin als in Katalonien. Aber leider gehe ich davon aus, dass wir alle davon betroffen sein werden."

Vorbildliches Griechenland

Ohne die Schweiz direkt zu kritisieren, heben viele der Leserinnen und Leser das Verhalten der Behörden ihrer Wahlheimat im Umgang mit der Gesundheitskrise hervor. Nicolas Walter ist beispielsweise der Meinung, dass "die Situation in Indien, wie auch anderswo, nicht einfach ist. Aber für eine Nation mit 1,3 Milliarden Einwohnern, die aus 29 Staaten und acht Territorien besteht, waren die Massnahmen (und die Art und Weise, wie sie ergriffen wurden) recht vernünftig".

Laut Jean-Louis Simard ist Griechenland "ausnahmsweise einmal ein gutes Beispiel" und Joëlle Chytiris-Mazzocato schreibt "seit Beginn der Krise hat Griechenland drastische Massnahmen ergriffen, die bereits Früchte tragen". "Das Geheimnis? Strikte Massnahmen, die 12 Tage vor Frankreich und Deutschland ergriffen wurden und Ausgangssperren, die mit Polizeikontrolle und hohen Geldstrafen durchgesetzt werden."

Dasselbe gelte für Rumänien, von wo Dominique-Pierre Martin schreibt: "Das Land ist relativ verschont geblieben, aber alle sind eingesperrt und die Armee hält Wache." Anne Auger weist darauf hin, dass im kanadischen Quebec die Regierung täglich aktiv informiere und Massnahmen ergreife, damit alles so reibungslos wie möglich ablaufe, auch für Selbstständige. Sie habe niemals vor, in die Schweiz zurückzukehren. Sie geht sogar noch weiter: "Welcher vernünftige Mensch, der in einem anderen Land lebt, macht sich jetzt auf, um in die Schweiz zu reisen?"

In Frankreich, das Land mit den meisten Auslandschweizern, sind die Meinungen geteilt. Olivier Laigle lebt im Norden Frankreichs. Er glaubt, dass es in der Schweiz immer besser sei als in Frankreich. Michèle Rouff schreibt aus Paris: "Frankreich liegt hinter allen anderen." Lila Castillo hingegen fühle sich in Frankreich sicherer, da die Massnahmen viel strenger seien als in der Schweiz. Und Anita fühlt sich in der Ardèche "wohl, ohne allzu grosse Panik", wie sie berichtet.

Zwischen Kritik und Lob sind auch nachsichtigere Stimmen zu hören. Wie diejenige von Adrienne Guntern, die daran erinnert, dass "jedes Land mit seinen – sehr ungleichen – organisatorischen und finanziellen Kapazitäten und entsprechenden menschlichen Prioritäten sein Bestes tut".

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Übersetzt aus dem Französischen von Melanie Eichenberger

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