Blatter wehrt Angriffe ab
Die gezielte Attacke des Europäischen Fussball-Verbandes UEFA gegen FIFA-Präsident Joseph Blatter hat sich zunächst als Sturm im Wasserglas entpuppt. Von einem Misstrauens-Votum sei nicht die Rede, so Blatter.
Durch die ISL-Pleite entstand für die FIFA ein Marketing-Verlust von 51 Mio. Franken. Dazu hatte Blatter einen ganzen Katalog Fragen von UEFA-Präsident Lennart Johansson zu beantworten. Dennoch ging schliesslich der 65 Jahre alte Schweizer gestärkt aus der ausserordentlichen Exekutivsitzung am Mittwoch (13.06.) in Zürich hervor.
«Es gab überhaupt kein Misstrauensvotum. Ich bin optimistisch, denn mein Gefühl sagt mir, dass beim FIFA-Kongress ein besseres Verständnis da sein wird», erklärte Blatter nach dem fünfstündigen Treffen der Exekutive, an dem Johansson aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen konnte.
Die finanzielle Situation der FIFA sei trotz des Finanzlochs von 51 Mio. Franken «komfortabel», betonte Blatter. Für die WM 2006 in Deutschland geht die FIFA im Marketingbereich von einem Gewinn in Höhe von 276 Mio. Franken aus.
Das bestehende Minus will der FIFA-Boss bis zur WM 2002 in Südkorea und Japan ausgleichen. Mit dieser Ankündigung eröffnete er geschickt den Wahlkampf für die im kommenden Jahr anstehenden Präsidiums-Wahlen. «Ich habe mir das Ziel gesetzt, die Summe bis zum FIFA-Kongress in Seoul auf Null zu reduzieren oder sogar schwarze Zahlen zu schreiben», kündigte Blatter an.
Mit den Unternehmen NTT und Fuji Xerox für die WM 2002 sowie Toshiba und Avaja für die WM 2002 und 2006 hat die neu gegründete FIFA-Marketing AG bereits vier neue Sponsoren akquiriert. «Wir sehen keine Notwendigkeit, mit einer grossen Marketingagentur zusammen zu gehen», meinte Blatter. Trotz der nicht dramatischen Lage erteilte der Schweizer dem Wunsch des in finanziellen Nöten befindlichen Organisationskomitees der WM 2002 nach einer Vorauszahlung in Höhe von jeweils 100 Mio. Dollar eine Absage. «Das Geld wird wie vereinbart nach Ende der WM gezahlt», sagte Blatter.
Obwohl der FIFA-Chef aus der Auseinandersetzung mit der UEFA zunächst als Punktsieger hervor ging, darf er sich noch lange nicht in Sicherheit wiegen. «Es ist ein Imageschaden für die FIFA, dass der UEFA-Brief öffentlich gemacht wurde», kritisierte Blatter. «Ich möchte keinen persönlich angreifen, aber irgendwo gab es eine Panne.»
Er werde diesen Stil nicht pflegen und Johansson seine Antworten bei einem persönlichen Treffen oder schriftlich per Kurier übermitteln. «Es ist unüblich, dass man einen Präsidenten eines Weltverbandes mit Fragen beschäftigt, die zur Hälfte durch Dokumente beantwortet werden, die den Exekutivmitgliedern zwischen dem 14. März und 28. Mai zugestellt wurden», landete Blatter einen verbalen Seitenhieb gegen den Schweden.
Die UEFA betrachtet die Angelegenheit indes noch nicht als ausreichend geklärt. «Wir warten die schriftliche Antwort des Präsidenten ab, bevor wir uns ein abschliessendes Urteil bilden und über weitere Schritte entscheiden», kündigte UEFA-Generalsekretär Gerhard Aigner an.
Das Klima zwischen UEFA und FIFA ist auf jeden Fall rauer geworden, auch wenn Blatter appellierte: «Wir müssen keine Freunde sein, aber Kameraden, die das gleiche Ziel verfolgen.» Der Einladung des FIFA-Präsidenten zum Essen waren Europas Fussball-Vertreter am Dienstagabend demonstrativ fern geblieben.
swissinfo und Agenturen
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