Das Podest sah die Schweiz nicht!
Ehrenmeldungen aber kein Podestplatz für die Alpinen: Cuche auf Platz sechs in Kitzbühel. Nef Vierte und Rey-Bellet Fünfte in Berchtesgaden.
24 Stunden nach dem Super-G gewann Stephan Eberharter in Kitzbühel auch die Abfahrt. Didier Cuche wurde als bester Schweizer Sechster. Trotz der guten Resultate von Ambrosi Hoffmann (12.) und Rolf von Weissenfluh (13.) fiel die Schweizer Bilanz durchzogen aus.
Cuche: «Ich war übermotiviert»
Für Didier Cuche bildete der 6. Platz in der Hahnenkamm-Abfahrt, die er im Training so gut im Griff hatte, weniger eine Enttäuschung als eine Grenzwert-Erfahrung: «Wenn ich so gefahren wäre wie im Training, hätte ich unter die ersten drei kommen müssen. Ich war aber im Rennen übermotiviert. Der Kopf war zu stark auf Angriff eingestellt, darunter litt die Konzentration. Wenn man zu viel will, stimmen die natürlichen Mechanismen nicht mehr.»
Keine Erklärung für seine mittelmässige Leistung fand der schwer enttäuschte Bruno Kernen. «Es ist für einen Abfahrer der grösste Alptraum, wenn du glaubst, gut gefahren zu sein – und am Ziel liegst du 1,82 Sekunden zurück.»
Ursprünglich wollte Kernen in dieser Woche bei den Europacup-Abfahrten in St. Moritz als Vorfahrer starteten, «doch», so Kernen, «jetzt frage ich mich, ob es nicht vielleicht besser ist, eine Woche lang gar keinen Ski mehr zu berühren.»
Cavegn Nummer 3 der Welt – trotz 21. Rang
Auch Franco Cavegn will die Hahnenkamm-Abfahrt 2002 möglichst schnell vergessen: Wie in den beiden letzten Trainings verlor er auch im Rennen rund zweieinhalb Sekunden auf die besten. Trotz des 21. Ranges stiess er in der Weltrangliste hinter Eberharter und Fritz Strobl vom 4. auf den 3. Rang vor!
Die Lichtblicke bildeten Ambrosi Hoffmann und Rolf von Weissenfluh. «Mit dem Rang sei er zufrieden», meinte der Bündner, «aber nicht mit der Zeit.»
Sonja Nef unzufrieden
Mit den Plätzen 4 bis 6 sorgten Sonja Nef, Corinne Rey-Bellet und Fränzi Aufdenblatten beim Weltcup-Riesenslalom in Berchtesgaden (De) für ein hervorragendes Schweizer Teamergebnis. Überlegene Siegerin wurde die Österreicherin Michaela Dorfmeister.
Mit ihrem 4. Platz, ihrer schlechtesten Rangierung in ihrer Spezialdisziplin seit Oktober 2000 in Sölden (15.), war Sonja Nef nicht zufrieden. Die 29-jährige Riesenslalom-Weltmeisterin, die technisch anspruchsvolle Läufe bevorzugt, konnte sich mit dem flachen und wenig selektiven Hang in Berchtesgaden nicht anfreunden.
«Wir sind die weltbesten Fahrerinnen, doch hier wurden wir nichts gefordert», meinte Nef. Obwohl auch im zweiten Durchgang nur die sechstschnellste Zeit herausschaute, verbesserte sich die Appenzellerin noch um vier Plätze und verpasste Rang 3 nur um 12 Hundertstel.
Fränzi Aufdenblatten
Gleich hinter Nef erreichte Corinne Rey-Bellet als Fünfte ihr bestes Saisonergebnis in dieser Disziplin. Die Walliserin war nach dem ersten Lauf knapp zwei Zehntel hinter Dorfmeister sogar noch Zweite, brachte dieses Resultat aber nicht ins Ziel.
Als überraschende Sechste rundete Fränzi Aufdenblatten den Schweizer Block hinter dem Podest ab. Die B-Kader-Fahrerin aus Zermatt fuhr im zweiten Lauf nur eine Hundertstelsekunde langsamer als Dorfmeister und überholte gleich 15 Konkurrentinnen.
swissinfo und Richard Hegglin/Valentin Oetterli (sda)
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