Fall Borodin:Bertossa gibt nicht auf
Der Genfer Staatsanwalt Bernard Bertossa will trotz der Rückkehr des früheren Kreml-Stabschefs Pawel Borodin nach Moskau die Untersuchungen weiterführen. Als Beschuldigter werde Borodin den Vorladungen nach Genf folgen müssen, sagte Bertossa.
In einem am Samstag (14.04.) veröffentlichten Interview im «Tages-Anzeiger» kritisierte Bertossa den Entscheid der Genfer Anklagekammer, Borodin gegen Kaution freizulassen. Es sei «seltsam», jemanden auf freien Fuss zu setzen, bevor er ein erstes Mal befragt worden sei. Ein solcher Entscheid behindere den Verlauf einer Untersuchung und stelle ein weiteres Hindernis im Verfahren gegen Borodin dar, sagte Bertossa gegenüber der Westschweizer Tageszeitung «Le Temps».
Der Sinn einer Strafverfolgung erschöpfe sich aber nicht darin, ein Urteil zu erhalten. Es gehe um die Botschaft, dass der Finanzplatz Genf kein sicherer Hafen für Geldwäscherei sei. Diese Botschaft habe präventiven Charakter.
Bezahlen muss das russische Volk
Die Freilassung Borodins werde nichts an der Entschlossenheit der Staatsanwaltschaft ändern, das Verfahren weiterzuführen, betonte Bertossa. Man müsse nun abwarten, ob Borodin den Vorladungen folge.
Falls die Kaution von fünf Millionen Franken wegen Borodins Nicht-Erscheinen verfalle und damit das russische Volk letztlich für Borodin bezahle, sei das nicht sein Problem.
Es sei am russischen Volk, dagegen zu protestieren, dass seine Behörden Leuten wie Borodin freien Lauf liessen. Als Schweizer Richter werde er weiterhin alles ahnden, was sich die russische Nomenklatura an Verstössen gegen Gesetze in der Schweiz leiste.
swissinfo und Agenturen
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