Geflohener Nazi-Kollaborateur Papon war letzte Woche in der Schweiz
Der französische Nazi-Kollaborateur Maurice Papon, der vor einer zehnjährigen Haftstrafe geflohen ist, hielt sich offenbar vom 11.- 15. Oktober in Martigny (VS) auf. Dies schreibt die französische Zeitung 'Libération' in ihrer neusten Ausgabe.
Der französische Nazi-Kollaborateur Maurice Papon (Archivbild), der vor einer zehnjährigen Haftstrafe geflohen ist, hielt sich offenbar vom 11.- 15. Oktober in Martigny (VS) auf. Dies schreibt die französische Zeitung ‚Libération‘ in ihrer neusten Ausgabe vom Donnerstag (21.10.).
Gemäss diesem Artikel wurde Papon vom Besitzer des Hotels, in dem er vier Tage verbracht haben soll, am Mittwoch (20.10.) auf einem Foto wieder erkannt. Der 89-Jährige habe am Freitag (15.10.) das Hotel mit unbekanntem Ziel wieder verlassen, schreibt die ‚Libération‘ weiter.
Eine Papon nahestehende Person habe die Reise bestätigt. Papon wollte demnach eine Anwaltskanzlei aufsuchen, um die Strategie vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof auf den Punkt zu bringen.
Wie das Bundesamt für Polizeiwesen am Mittwoch mitteilte, verhängten die Schweizer Behörden am 14. Oktober ein Einreiseverbot für Papon. Als Grund für diese Massnahme gab der Informationschef des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten EDA, Ruedi Christen, allfällige Probleme mit der gegenseitigen Strafbarkeit von Delikten an, die als Bedingung für eine Auslieferung gelte. Die Schweiz kenne die Beschuldigung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht, und deshalb könnte es schwierig werden, Papon wieder auszuweisen.
Maurice Papon war im April 1998 für schuldig befunden worden, als hoher Beamter des mit den Deutschen kollaborierenden Vichy- Regimes Anfang der 40er Jahre für die Deportation von 1’600 Juden verantwortlich gewesen zu sein. Der Berufungsprozess Papons gegen die zehnjährige Haftstrafe hätte am Donnerstag (21.10.) vor dem Kassationshof in Paris beginnen sollen.
SRI und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch