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Mit Hotlines gegen Milzbrand-Hysterie

Wer sich wegen Milzbrand sorgt, kann auf eine der zahlreichen Hotlines anrufen - beispielsweise auf diejenige des Spiezer AC-Labors (033/228'16'29). Keystone

In der Schweiz häufen sich die Zwischenfälle mit möglichen Milzbrand-Sendungen. Die Behörden ergreifen Massnahmen gegen die Verunsicherung in der Bevölkerung.

Vier Milzbrand-Erkrankungen in den USA haben weltweit Angst vor neuen Terrorattacken ausgelöst. In Europa und Asien ist offenbar ein Heer von Trittbrettfahrern daran, der Bevölkerung Schrecken einzujagen.

Das allerdings ist strafbar: In der Schweiz zum Beispiel gibt es bis zu drei Jahre Zuchthaus für das Versenden von Post, die eine drohende Wirkung beim Empfänger erzeugen kann.

Erste Verdachts-Fälle in Basel

Nach den ersten Verdachten wurden in Basel-Stadt am Montag und am Dienstag insgesamt 12 ominöse Post-Sendungen gemeldet. In den meisten Fällen konnte bereits nach ersten Abklärungen Entwarnung gegeben werden. Auch im Baselbiet gingen Meldungen ein. Auch hier stellten sich die meisten der suspekten Couverts bereits als unverdächtig heraus.

In Stäfa (ZH) bekam ein Ehepaar einen Schmähbrief, der ein weisses Pulver enthielt. In Dübendorf (ZH) entdeckte ein Postangestellter ein verdächtiges Säcklein im Briefeinwurf der Post. Daraufhin wurde das Postgebäude evakuiert und abgesperrt. Inzwischen wurde in beiden Fällen Entwarnung gegeben. Die Zürcher Behörden haben eine Task Force eingerichtet.

In Flawil (SG) tauchte am Dienstagmorgen im Briefkasten der Poststelle ein Couvert mit einer herausrieselnden weissen Substanz auf. Das Couvert wurde von Spezialisten sichergestellt. Die Substanz wird untersucht.

Warnung vor Juxbriefen

Auch die Waadtländer Behörden ergriffen Massnahmen, um die Milzbrand-Hysterie unter der Bevölkerung einzudämmen. Seit Dienstag gibt eine Hotline Auskunft über medizinische Fragen. Die Alarmzentrale der Kantonspolizei hat allein am Dienstag fünf Anrufe wegen verdächtiger Postsendungen erhalten.

Im Kanton Tessin wurde nach einer Sitzung der Verantwortlichen eine Hotline eingerichtet. Die Behörden von mehreren Kantonen wiesen darauf hin, dass Missbräuche bestraft würden. Es sei jetzt nicht der Zeitpunkt für Juxsendungen.

Die Post hat am Dienstag aufgrund der Verunsicherung alle Poststellen informiert, wie Post-Sprecher Hubert Staffelbach eine Meldung von Schweizer Radio DRS bestätigte. Verdächtige Sendungen dürften nicht weiter verarbeitet werden. Es sei Kontakt mit der postinternen Sicherheits-Stelle aufzunehmen.

Nachahmungs-Taten

Es müsse von Nachahmungs-Taten ausgegangen werden, sagte Hansueli Indermühle vom AC-Labor Spiez (BE) in einem Interview mit der «Berner Zeitung». Indermühle geht davon davon aus, dass sich der Verdacht auf Milzbrand-Bakterien nicht erhärten werde. Jeder einzelne Verdacht müsse jedoch ernst genommen werden, betonten BAG-Sprecher Lorenz Hess und Indermühle.

In Basel hatte der Pharma-Konzern Novartis letzten Dienstag einen Brief mit verdächtigem Inhalt erhalten. Zudem wurde die Basler Polizei am Montag alarmiert, weil ein Brief mit einer undefinierbaren Substanz an einen Privat-Haushalt geschickt worden war.

Weil es in der Schweiz noch kein standardisiertes Testverfahren gebe, dauere es drei Tage, bis Milzbrand-Bakterien nachgewiesen werden könnten, sagte Paul Vogt, Stellvertretender Kantonsarzt von Basel.

Verdächtige Substanzen fest verschliessen

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) warnt auf seiner Internetseite vor Panik. Wer eine verdächtige Substanz erhält, soll diese in einem verschliessbaren Behältnis aufbewahren, den Raum verlassen, Fenster und Türen geschlossen halten und andere am Betreten des Raums hindern.

Die betroffene Person soll sich die Hände mit Wasser und Seife waschen. Anschliessend soll der nächste Polizeiposten informiert werden.

swissinfo und Agenturen

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