Schweizer auf Reisen unterschätzen Gefahren
Schweizer Reisende messen dem Aspekt Sicherheit oft zu wenig Bedeutung bei. Dies die Ansicht von Botschafter Walter Thurnherr, Chef der Abteilung "Schweizer im Ausland" des EDA. Zudem seien sich die Reisenden über die Rechtslage häufig im Unklaren.
In einem Interview mit der Aargauer Zeitung empfahl Thurnherr gewisse Regionen ganz zu meiden und illustrierte diese Empfehlung mit dem Fall von Schweizer Motorradtouristen, die in einem kolumbianischen Rebellengebiet entführt wurden.
Ausserdem sollten Reisende, vor allem allein reisende Frauen, bei Bekannten ihre Routen hinterlegen, sagte der Vertreter des Aussenministeriums (EDA) weiter. «Wie eine junge Frau etwa ganz alleine Südamerika durchtrampen kann, verstehe ich nicht», sagte Thurnherr.
In einem gravierenden Fall von Entführung sei eine Schweizerin im Kongo mehrere Monate von Rebellen festgehalten worden. Sie sei gezwungen worden, ihnen auf Gewaltmärschen zu folgen. «Man kann in diesem Fall von Versklavung sprechen», sagte der Botschafter.
Über Präsidenten geschimpft: Mehrere Monate Haft
Weiter wies Thurnherr auf die starken Unterschiede bei der Rechtslage im Ausland hin. So könnten Drogendelikte, die in der Schweiz mit geringen Strafen geahndet würden, in Ländern Asiens zu Haftstrafen von 20 oder sogar 40 Jahren führen. «Wir haben solche Fälle», mahnte er.
In einigen Ländern riskiere auch eine Haftstrafe, wer das Staatsoberhaupt beleidigt oder Staatssymbole diskreditiert. In einem westafrikanischen Land habe ein Schweizer zum Beispiel eine mehrmonatige Haftstrafe erhalten, weil er öffentlich über den Präsidenten geschimpft habe.
In mehreren US-Bundesstaaten werde bestraft, wer seine Kinder unbeaufsichtigt lässt. In diversen arabischen Ländern sei wiederum Alkoholkonsum und -handel verboten.
swissinfo und Agenturen
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