Schweizer Verhandlungs-Erfolg
In den Nuba-Bergen im Sudan sollen bis Dienstag die Waffen verstummen. Darauf einigten sich die Konfliktparteien auf dem Bürgenstock im Kanton Nidwalden.
Der Waffenstillstand zwischen der sudanesischen Regierung und der «Sudanesischen Befreiungs-Bewegung» (SPLM ) kam auf Initiative der USA zustande. Er gilt vorerst für sechs Monate und ist erneuerbar.
Regulierung und Überwachung erfolgen durch eine Kommission. An ihr sind neben den Kriegsparteien auch ausländische Überwacher beteiligt. In Frage kommen Leute aus den USA, aus Kanada und aus westeuropäischen Ländern – inklusive der Schweiz.
«Gute Dienste» wiederbelebt
Für die Schweiz bot sich auf dem Bürgenstock die Gelegenheit, wieder einmal ihre so genannten «Guten Dienste» zur Anwendung zu bringen, also eine Plattform für die Lösung von Konflikten zur Verfügung zu stellen.
«Die Schweiz kennt die ‚Guten Dienste‘ seit über fünfzig Jahren. Seit dem Ende des Kalten Krieges haben sie jedoch ihre einstige Bedeutung weitgehend verloren», sagte Kurt Spillmann, Professor für Sicherheitspolitik und Konfliktforschung an der ETH Zürich, gegenüber swissinfo. «Die Einigung in Nidwalden bildet da eher eine Ausnahme.»
Grösste Schwierigkeiten stehen erst bevor
Der Schweizer Sonderbotschafter für Konfliktbearbeitung, Josef Bucher, leitete die Verhandlungen auf dem Bürgenstock. Er sprach nach dem erfolgreichen Verhandlungs-Abschluss von einem wichtigen Tag für den Sudan und seine Bevölkerung. Das Abkommen bilde den ersten Schritt zu einem umfassenden Frieden.
Der Leiter der Delegation der sudanesischen Regierung, Staatsminister Mutrif Siddig, sprach von einem Meilenstein auf dem Weg zu einem dauerhaften Frieden. SPLM-Delegationschef Abdulaziz A Elhilu nannte das Abkommen einen Eckstein für den Frieden.
Trotz sichtlicher Genugtuung fehlten auf dem Bürgenstock warnende Stimmen nicht. Es sei nicht leicht gewesen, zu einer Einigung zu kommen, erklärte Bucher. Er mahnte, der nächste Schritt – die Umsetzung des Abkommens – sei noch viel schwieriger.
Das Interesse der Amerikaner
«Die Amerikaner fördern den Friedensprozess aus strategischen Gründen: Im Sudan wird neuerdings Erdöl produziert – im letzten Jahr immerhin im Wert von rund 1 Mrd. Dollar», sagte Kurt Spillmann. «Überdies geht es den Amerikanern darum, ihre ‚Allianz gegen den Terror‘ auszuweiten.»
Tatsächlich bemühte sich die Bush-Regierung schon vor dem 11. September um eine Beendigung des Krieges. Nach den Terroranschlägen verstärkte sie jedoch den Druck massiv.
Die Regierung des Sudan nutzte die Gunst der Stunde. Sie wollte nicht weiter als Regime gelten, das den Terror unterstützt. Dieses Image hatte sie, weil Osama Bin Laden von 1991 bis 1996 in dem Land lebte.
Seit 19 Jahren Krieg
Im Sudan kämpft die Regierung seit 19 Jahren gegen christlich-animistische Rebellen im Süden. Die Bevölkerung der zentralsudanesischen Nuba-Berge – das Gebiet ist zwei Mal so gross wie die Schweiz – leidet besonders stark unter dem Krieg. Dennoch blieb das Gebiet den Hilfsorganisationen verschlossen.
Felix Münger und Agenturen
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