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«Ich hätte nicht gedacht, dass es mir ohne Alkohol so gut gehen würde»

Alkohol spielt an Partys nach wie vor eine Rolle, allerdings nicht für alle Jugendlichen.
Alkohol spielt an Partys nach wie vor eine Rolle, allerdings nicht für alle Jugendlichen. RTS / Aurèle Cuttat

In der Schweiz sind schätzungsgemäss 300'000 Menschen alkoholabhängig. Eine beunruhigende Feststellung, die im Gegensatz zu einem grundlegenden Trend steht: Der durchschnittliche Alkoholkonsum im Land ist rückläufig. Dieser Rückgang lässt sich durch Aktionen wie den «Dry January» und durch eine neue Generation erklären, die teilweise den Verzicht auf Alkohol bevorzugt.

Sie haben die Samstagnacht-Saufgelage gegen intensive Lauftrainings eingetauscht. David und Bertrand, die seit 30 Jahren befreundet sind, erinnern sich lachend an «den Höflichkeitsrausch» und erzählen von den Runden, die Freunde bezahlt haben, von den Gläsern, die man nicht ablehnen darf, und von den Abenden, die aus dem Ruder laufen.

«Wir haben uns wie in einem Saloon geprügelt», erzählt Bertrand. Heute scheint diese Zeit vorbei zu sein, und ihre Abstinenz hat ihre Freundschaft verändert.

Der TV-Bericht von «Mise au point» (Franz):

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Auch Nicole in Freiburg hat dem Alkohol den Rücken gekehrt. Da sie sich, wie sie sagt, im «breiten Spektrum der Alkoholprobleme» befand, beschloss sie aufzuhören, bevor sie Gefahr lief, ganz abzurutschen.

«Ich hätte nicht gedacht, dass es mir ohne Alkohol so gut gehen würde», vertraut sie uns an und schildert einen Alltag ohne verpasste Tage und ohne Reue am nächsten Morgen.

Vorbeugen statt erdulden

Die Grenze zwischen einem Glas zu viel und einer echten Abhängigkeit ist weniger klar, als es scheint. Für Professor Jean-Bernard Daeppen, Leiter der Abteilung für Suchtmedizin am Unispital CHUV in Lausanne, sind die Zahlen in der Schweiz schwindelerregend: Das Äquivalent von zwei Gläsern pro Tag bei den über 15-Jährigen, alle Bevölkerungsgruppen zusammengenommen.

«Es handelt sich um eine krebserregende psychotrope Substanz, der sich fast die gesamte Bevölkerung aussetzt, und zwar mit einem durchschnittlichen Konsum, der alles andere als vernachlässigbar ist», nämlich 7,6 Liter reinen Alkohols pro Person über 15 Jahren, laut dem Bundesamt für Gesundheit.

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Daeppen rät zur Vorausschau: «Man muss sich vor jedem Wochenende oder jedem Abend fragen, wie man sich in Bezug auf Alkohol verhalten will, sonst lässt man sich ziemlich leicht mitreissen.»

«Kaum hat man ein Glas ausgetrunken, wartet man schon auf das nächste»

Genau in dieser Dynamik fühlte sich Alexandre gefangen. Bis 2024 hatte der Neuenburger ständig grosse Alkoholvorräte zu Hause.

An Abenden, an denen er nur ein einziges Glas trinken durfte – zum Beispiel, weil er noch fahren musste –, wurde das zu einer Obsession: «Ich dachte mir: Hoffentlich kommen wir bald nach Hause, damit ich trinken kann.»

Hören Sie die Sendung «On en parle», die sich mit Vorurteilen über Alkoholprobleme befasst (Franz):

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In seinem Bericht beschreibt Alexandre einen exponentiellen Konsum und hartnäckige Gewohnheiten: «Kaum hatte ich ein Glas ausgetrunken, wartete ich schon auf das nächste. Das ist nicht gesund.»

Der Wendepunkt kam während seines Militärdiensts, kurz nach der Corona-Pandemie, als er an einem Freitag allein zu Hause war. «Ich habe schon am Morgen angefangen, Bier zu trinken, nur aus Langeweile. Da stimmte etwas nicht», sagte er sich damals.

Um seine Abstinenz einzuleiten, vereinbarte er einen Termin bei Addictions Neuchâtel, ging den restlichen Weg zur Abstinenz jedoch allein.

Seine langen Apéro-Abende hat er an seiner Werkbank neu erfunden, wo er Abend für Abend elektronische Geräte repariert. Ein neu gestaltetes Leben, das es ihm, wie er verrät, ermöglicht, voll und ganz präsent zu sein, um seine beiden Töchter aufwachsen zu sehen.

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