Schützt Käse wirklich vor Demenz?
Eine aktuelle schwedische Studie legt nahe, dass der regelmässige Verzehr von fettreichem Käse mit einem verringerten Demenzrisiko verbunden sein könnte. Doch die Ergebnisse sind mit Vorsicht zu geniessen.
Käse hat in der Schweiz eine lange Tradition: Über 200’000 Tonnen werden jährlich produziert, rund 23 Kilogramm pro Person konsumiert.
Vor diesem Hintergrund sorgte eine schwedische Langzeitstudie für Aufmerksamkeit, die einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Konsum von fettreichem Käse und einem geringeren Demenzrisiko beschreibt.
Die im Fachjournal Neurology Externer Linkveröffentlichte Studie begleitete fast 28’000 Menschen über rund 25 Jahre bei ihrem Käsekonsum. Personen mit hohem Konsum von fettreichem Käse hatten dabei ein um 13 Prozent niedrigeres Demenzrisiko als jene mit geringem Konsum.
Diese Ergebnisse sind jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, denn die Forschenden arbeiteten mit Beobachtungsdaten. Sie erlauben statistische Aussagen, aber keinen Nachweis eines ursächlichen Effekts.
Eine Vermutung, kein formeller Beweis
Darauf weist auch Professor Giovanni Frisoni vom Universitätsspital Genf hin. «Solche Studien als Grundlage für Lebensstilentscheidungen zu verwenden, ist in etwa so, als würde man sein Geld aufgrund der neuesten Gerüchte investieren», sagt er gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS.
Eine einzelne Untersuchung dürfe daher nicht als Basis für Ernährungsänderungen dienen. Faktoren wie Bewegung, soziale Bedingungen oder andere Ernährungsgewohnheiten könnten das Ergebnis ebenfalls beeinflussen.
In der Schweiz leben derzeit rund 161’100 Menschen mit Demenz. Prognosen von Alzheimer Schweiz gehen davon aus, dass diese Zahl bis 2050 auf knapp 300’000 Betroffene ansteigen wird.
Zusätzliche Komplexität bringt ein genetischer Aspekt der Studie: Der beobachtete Effekt trat nur bei Personen ohne den «APOE‑e4»-Genotyp auf. Frisoni bezeichnet dieses Gen als «der wichtigste Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit».
Gleichzeitig betont er, dass die vermutete Wechselwirkung zwischen Ernährung und Genetik «rein hypothetisch» sei. Klare Schlussfolgerungen seien daher nicht möglich.
Käse – eher eine «bessere Wahl» als ein Superfood
Trotz dieser Einschränkungen liefert die Studie Hinweise darauf, wie Ernährungsentscheidungen eingeordnet werden könnten. Denn die Studie zeigte auch, dass der Austausch von rotem oder verarbeitetem Fleisch durch Käse mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden war.
Dies deutet weniger auf eine Schutzwirkung des Käses hin, sondern vielmehr darauf, dass er im Vergleich zu bekannten Risikolebensmitteln die bessere Wahl ist.
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Diese Einordnung passt zu einer breiteren Veränderung in der Ernährungsempfehlung. Obwohl Käse reich an gesättigten Fettsäuren ist, rücken die Schweizer Empfehlungen seit 2024 von einer klaren Bevorzugung fettarmer Milchprodukte ab. «Die Verteufelung des Fetts war eine Vereinfachung», sagt Sylvie Borloz, Diätetikerin vom Universitätsspital Waadt.
Neuere Studien konnten keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen gesättigten Milchfetten und einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko zeigen.
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