Wahrzeichen des Schweizer Trickfilms: Pingu wird 40 Jahre alt
Pingu kann dieses Jahr sein 40-Jahre-Jubiläum feiern. Als Schöpfung des Schweizer Fernsehens hat der berühmteste aller Pinguine mehrere Generationen geprägt. Die Filmhistorikerin Chloé Hofmann blickt auf die Erfolgsgeschichte zurück.
2024 kündigte das Unternehmen Mattel, bekannt für Spielzeuge wie Barbie oder Uno, gemeinsam mit den Aardman Studios – unter anderem bekannt für «Wallace & Gromit» – eine neue Serie über die Abenteuer von Pingu an.
Interview mit Filmhistorikerin Chloé Hofmann in der Radiosendung «Forum» (auf Französisch):
Die Ankündigung weckte bei vielen Fans Kindheitserinnerungen, darunter auch bei Chloé Hofmann, Filmhistorikerin mit Schwerpunkt Animation an der Universität Lausanne. «Ich bin mit Pingu aufgewachsen», sagt sie in der Sendung «Forum» von RTS.
Besonders fasziniert habe sie jedoch, dass es trotz der Bedeutung der Figur kaum wissenschaftliche Arbeiten zu Pingu gebe. «Ein Teil der lokalen Kulturgeschichte, der lange nicht beachtet wurde und mehr Aufmerksamkeit verdient», sagt sie. Ihre Studie zeichnet erstmals die Hintergründe der Entstehung von Pingu nach.
Internationaler Erfolg
Obwohl Pingu in der Schweiz entstand, überschritt die Serie rasch die Landesgrenzen. In den 1990er-Jahren wurde sie auf mehr als 2200 Fernsehsendern in 140 Ländern ausgestrahlt.
Einer der Schlüssel zum internationalen Erfolg liegt laut Hofmann in der Sprache der Figur, gesprochen vom italienischen Schauspieler Carlo Bonomi. «Diese universelle Sprache ermöglichte eine weltweite Verbreitung, ohne dass Übersetzungen nötig waren, die für Fernsehsender normalerweise hohe Kosten verursachen», sagt sie.
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Auch die Geschichten rund um Alltagssituationen und universelle Emotionen wie Freude, Eifersucht oder Wut hätten zum Erfolg beigetragen. «Die Serie hält uns einen Spiegel vor und ermöglicht es vielen Menschen, sich mit Pingu zu identifizieren», so die Historikerin.
Kulturelles und kommerzielles Phänomen
Pingu entstand Ende der 1980er-Jahre – in einer Zeit, in der Inhalte für Kinder zunehmend an Bedeutung gewannen. Die Figur kam zudem während des Umbruchs im europäischen Fernsehmarkt auf. In der Schweiz hatte die SRG bis 1983 ein Monopol, danach wurde der Markt für private Sender geöffnet.
Dank seiner universellen Sprache hatte Pingu weltweit Erfolg:
«Die drei nationalen Sender der SRG gerieten dadurch in Konkurrenz zu lokalen und ausländischen Angeboten. Um ihre Position zu behaupten, passten sie ihre Programme stärker an die Erwartungen des Publikums an», sagt Hofmann.
Von Beginn an war Pingu auch als Lizenzfigur konzipiert. Die Migros vermarktete zahlreiche Merchandising-Produkte – von Ravioli über Eistee bis hin zu Pingu-Shampoo. Die erste Staffel brachte der SRG Einnahmen von 243’000 Franken ein. Als noch lukrativer erwiesen sich jedoch die Merchandising-Produkte.
Übertragung aus dem Französischen mit der Hilfe von KI: Janine Gloor
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