Deshalb erneuert die Schweiz ihre Banknoten so häufig
Die Schweizerische Nationalbank zeigt, wie die neuen Banknoten aussehen werden. Dabei gelten die aktuellen Noten erst wenige Jahre.
Wer bar und in Schweizer Franken bezahlen möchte, wird ab Anfang der 2030er-Jahre neue Banknoten in der Hand halten. Farblich wird man sich nicht umgewöhnen müssen. Aber was die Motive angeht, schon: Heimische Pflanzen vorne, Berge und Gebäude hinten, meistens menschenleer.
Das ist die neue Banknotenserie
Damit werden mit dieser 10. Serie nach 12 bis 15 Jahren bereits wieder neue Franken-Noten gelten. Die aktuelle Serie hatte die SNB zwischen 2016 und 2019 eingeführt.
Das ist ein eher kurzer Zyklus, verglichen etwa mit den Euro-Banknoten. Sie gelten noch immer, seitdem die Gemeinschaftswährung 2002 eingeführt worden ist.
Schweizer Banknotenserien der SNB
Als Grund für den häufigen Wechsel führt die SNB stets die Sicherheit an. «Es ist uns wichtig, dass die Schweizer Banknoten sehr sicher bleiben, damit sie nicht zu leicht zu fälschen sind», sagt Antoine Martin, Vizedirektor der Schweizerischen Nationalbank. «Um neue Sicherheitselemente zu integrieren, dauert es eine gewisse Zeit. Deshalb ist es wichtig, heute damit anzufangen.»
Man wolle anderen Währungen voraus sein. Welche Elemente sie in den neuen Noten genau optimiert, will die SNB nicht präzisieren.
Einen zweiten Punkt nennt Michael Zagorowski, Numismatiker bei der Zürcher Münzenhandlung Erwin Dietrich AG: der gestalterische Anspruch der Schweizerischen Nationalbank. «Die Schweizer Banknoten gelten international als Massstab für grafische und inhaltliche Qualität. Dieser Anspruch erfordert eine periodische Erneuerung, die über blosse technische Aktualisierungen hinausgeht und das kulturelle Selbstverständnis des Landes sichtbar macht.»
Eine Reihe von Profiteuren
Von neuen Banknoten profitiert eine ganze Reihe von Akteuren. Michael Zagorowski nennt neben dem Detailhandel, den Finanzinstituten und der Öffentlichkeit, die ein Interesse an fälschungssicheren Noten hätten, auch die Realwirtschaft: «Die Druckereien und Zulieferer von Sicherheitstechnologien profitieren unmittelbar von neuen Aufträgen und nutzen jede Serie als Möglichkeit, innovative Technologien zu etablieren und weiterzuentwickeln.»
Schliesslich stellten neuen Serien auch für seine eigene Zunft «stets eine begehrte Ergänzung für Sammlungen» dar.
Kosten von 50 Millionen Franken
Ein weiterer bedeutender Akteur stand heute im Rampenlicht. Die Agentur Emphase mit Sitz in Lausanne und Bern hat sich im Wettbewerb durchgesetzt und wird für die kommenden rund fünf Jahre damit beschäftigt sein, die Banknoten sozusagen zur Marktreife zu bringen.
Co-Gründerin Fabienne Kilchör sagt hinsichtlich der Sicherheitselemente: «Die Banknote ist eigentlich ein relativ kleines Format. Und gleichzeitig gehen wir in die Mikrogestaltung und haben plötzlich ein Fussballfeld vor uns.»
SNB-Vizedirektor Antoine Martin rechnet damit, dass die Entwicklung der neuen Banknoten die SNB rund 50 Millionen Franken kosten werde.
Im Euroraum sind seit der Einführung der Gemeinschaftswährung 2002 dieselben Banknoten im Umlauf, also seit 24 Jahren. Zwar gibt es eine zweite Serie (ohne 500er-Note), mit der die erste nach und nach ersetzt wird, aber die Ursprungsserie ist weiterhin gültig.
Die Europäische Zentralbank (EZB) arbeitet derzeit an einer neuen Serie. Über das Design entscheidet der EZB-Rat voraussichtlich Ende 2026. Ein Datum der Einführung ist noch nicht in Sicht.
Für Numismatiker Michael Zagorowski ist dieser längere Zyklus keine Überraschung: «Im Euroraum erschwert die schiere Grösse des Währungsgebiets einen häufigen Wechsel erheblich. Eine neue Serie muss in zahlreichen Ländern gleichzeitig eingeführt, kommuniziert und logistisch bewältigt werden, was den Prozess langwierig und kostspielig macht.» Ungleich grösser wäre der Aufwand beim US-Dollar, der breit über die ganze Welt verteilt ist.
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch