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Die Oberwalliser Partei Neo trennt sich von der Mitte

Keystone-SDA

Die Oberwalliser Partei Neo gehört nicht mehr zur Mitte Schweiz. Die sozial-liberale Partei aus dem Oberwallis beschloss diesen "entscheidenden Wendepunkt" in ihrer Geschichte an der ordentlichen Generalversammlung am Donnerstagabend in Visp.

(Keystone-SDA) «Diese Entscheidung ist einfach die logische Antwort auf die neue politische Realität in unserem Kanton», sagte Philipp Loretan, interimistischer Präsident der Partei, am Freitag zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Sie markiert einen entscheidenden Wendepunkt: Es ist der Weg in eine Zukunft, die von politischer Klarheit und echter Selbstbestimmung geprägt ist.»

Die Parteimitglieder bestätigten die Änderung der Statuten, mit der die formelle Zugehörigkeit zur nationalen Mitte-Partei «mit grosser Mehrheit» aufgehoben wurde. Diese «strategische Neuausrichtung» sei «ein weiterer Schritt in Richtung Unabhängigkeit», teilte Neo weiter mit.

Über mehrere Monate gereifte Entscheidung

Der Vorstand der Partei hatte den Wunsch zur Abspaltung von der Mitte Anfang Januar bekannt gegeben. «Die Analyse der letzten Monate hat gezeigt, dass die derzeitige Zusammenarbeit auf kantonaler und nationaler Ebene nicht mehr den Anforderungen der Basis entspricht», hiess es weiter.

Zu den von einigen Beobachtenden hervorgehobenen Spannungsfeldern gehörte beispielsweise die Tatsache, dass Franziska Biner bei den Wahlen 2025 Roberto Schmidt im Staatsrat, der Walliser Kantonsregierung, abgelöst hatte.

Mit rund 25 Prozent Stimmenanteil im Oberwallis sei Neo eine der prägenden politischen Kräfte im Oberwallis, teilte die Partei weiter mit. «Künftig wird die Partei auf gleichberechtigte Partnerschaften und die Freiheit setzen, Bündnisse zu suchen, wo sie inhaltlich sinnvoll sind», wie es weiter hiess.

Sieben Abgeordnete im Grossen Rat

Parallel zur Neuausrichtung bestätigte die Partei ihre Interimsführung: Philipp Loretan, Gerhard Kiechler, Philipp Schnyder und Willy Loretan sollen die Partei bis zur nächsten ordentlichen Versammlung am 29. April leiten. Als zweitstärkste politische Kraft im Oberwallis verfügt die sozialliberale Partei über sieben Abgeordnete im Grossen Rat des Kantons Wallis.

Abspaltungen von kantonalen Mitte-Ablegern wie die aktuelle von Neo gibt es in der Schweiz mehrfach. Meist entstehen sie dort, wo sich ein linker, sozialer oder ein rechter, wertkonservativer Flügel dauerhaft nicht mehr in der Mutterpartei wiederfindet.

Ein Beispiel ist etwa die Partei Mitte-Links Freiburg im gleichnamigen Kanton. Sie spaltete sich 2001 von der damaligen CVP ab. Ein weiteres Beispiel ist die Abspaltung der Jurassischen Parti chrétien-social indépendant (PCSI) von der CVP Jura im Jahr 1957.

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