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Die Pandemie hilft den Senioren, am Ball zu bleiben

Ein Grossvater skypt mit seinem Enkel: Eine Studie zeigt, dass 74 % der Menschen im Alter von 65 Jahren und älter das Internet nutzen. Vor zehn Jahren waren es nur halb soviel. Westend61 / Uwe Umstätter

Rentnerinnen und Rentner sind digital immer fitter. In der Coronavirus-Pandemie sind viele der Einsamkeit durch Whatsapp-Chats oder Videoanrufe entkommen. In der Schweiz hat sich ihre Internetnutzung im letzten Jahrzehnt verdoppelt. Der Trend zeigt sich weltweit.

Dieser Inhalt wurde am 19. November 2020 - 13:00 publiziert

"Digitale Angebote werden von der Generation der über 65-Jährigen sehr geschätzt", schreibt die Schweizer Alters-Organisation Pro Senectute und beobachtet, dass junge Senioren bei der Nutzung der Telekommunikationstechnologien aufholen. Die digitale Kluft verschiebe sich in Richtung der 80-Jährigen.

Die Studie Digitale Senioren, von Pro Senectute in Auftrag gegeben, zeigt, dass 74% der Personen ab 65 Jahren das Internet nutzen: ein Sprung von 38% gegenüber 2009, als die erste Umfrage durchgeführt wurde. Gegenüber einer Befragung von 2014 zeigt sich auch, dass die Nutzung des Internets mittels Handy oder Tablet von 31% auf 68% gestiegen ist.

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Neben E-Mails und Websuchen – laut Studie eindeutig die wichtigsten Motive der Senioren – nutzen diese auch eine breite Palette von Möglichkeiten, etwa Einkäufe und Medienkonsum, was sich gerade im Lockdown als besonders beliebt erwiesen habe.

Tatjana Kistler, Sprecherin von Pro Senectute, sagt dazu: "Die Coronavirus-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig digitale Kommunikationskanäle für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben sind. Viele Familien haben begonnen, Anwendungen wie Facetime, Zoom oder Whatsapp mit ihren Grosseltern zu nutzen, um trotz räumlicher Distanz Blickkontakt zu halten."

Kistler unterstreicht die Bedeutung des sozialen Kontakts, insbesondere für Senioren mit eingeschränkter Mobilität, und die positiven Auswirkungen auf das physische und psychische Wohlbefinden.

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"In der Schweiz gibt es immer noch 400'000 ältere Menschen, die das Internet nicht nutzen", sagt Tatjana Kistler. Es liege in unserer Verantwortung, diese Menschen zu unterstützen, damit sie an einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft teilhaben können und nicht ausgegrenzt werden."

In der 2019 durchgeführten Umfrage gaben 26% der Befragten an, dass sie das Internet nicht nutzen.

Den Abstinenten droht die Isolation

Auch wenn bereits viele das Internet nutzen, es gibt auch jene, die "offline" bleiben. Web-Angebote sind für sie unzugänglich. Ihnen droht die Abkopplung von der Gesellschaft, und diese muss verhindert werden, warnen die Autoren der Studie Digitale Senioren 2020. So ist zum Beispiel der Kauf von Bahnfahrkarten zu einem reduzierten Preis nur online möglich und die SwissCovid Tracking-Anwendung erfordert den Besitz eines Smartphones.

Das Phänomen ist nicht nur in der Schweiz zu finden: In vielen Ländern müssen Verwaltungsverfahren online abgewickelt werden, Taxiunternehmen arbeiten mancherorts ausschliesslich über eine App, und der Kauf und die Heimlieferung verschiedener Produkte erfolgt über das Internet.

"Die Entscheidung einiger älterer Menschen, keine digitalisierten Dienste und technologischen Innovationen zu nutzen, muss respektiert werden", schreiben die Autoren der Studie und empfehlen, herkömmliche Angebote wie Bank- und Bahnhofsschalter beizubehalten.

Andererseits betonen sie, die Bedeutung von Kursen. Es bleibe wichtig, deren Vorteile zu erläutern, weil sie auch zur Erweiterung der Autonomie beitragen – und damit zur Möglichkeit, länger zu Hause zu wohnen, was älteren Menschen oft wichtig ist.

Die Hauptgründe, die von den Senioren für ihre digitale Abstinenz angegeben werden, sind: Komplexität (77%), Sicherheitsbedenken (74%) und anstrengendes Lernen (65%). Mehr als 60 % der Personen, die das Internet nicht nutzen, geben an, dass eine andere Person nach den von ihr benötigten Informationen sucht. Und 61 % sagen, sie brauchen das Internet schlicht nicht.

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Logischerweise werden die neuen Kommunikationstechnologien umso weniger genutzt, je älter man wird. Dennoch gibt es auch in der Schweiz und in anderen Ländern Benutzerinnen und Benutzer über 80 Jahren. swissinfo.ch sprach mit einer eifrigen Anhängerin der neuen Technologien: eine Japanerin, die im Alter von 82 Jahren eine App für Smartphones entwickelt hat. Sie fördert den Einsatz neuer Technologien, um die Unabhängigkeit älterer Menschen zu erhalten.

Diese jüngste – und dritte – Umfrage von Pro Senectute befasste sich auch digitalisierten Dienstleistungen, die heute weit verbreitet sind: Selbstbedienungskassen in Supermärkten, Gesundheitsüberwachung durch Mess-Armbänder oder Onlinetools zum Ausfüllen der Steuererklärung.

Die Forscher stellten fest, dass sich bezüglich Präferenzen gegenüber den vorherigen Umfragen wenig getan hat: die allgemeine Informationssuche sowie das Senden und Empfangen von Nachrichten lagen weiterhin an erster Stelle, gefolgt von Chats, Telefongesprächen, dem Durchsuchen und Abfragen von Fahrplänen und Reiseinformationen.

Diesmal befragte Digitale Senioren aber auch nach der Einstellung der Befragten zum technologischen Wandel.

57% der Ansicht, dass "der technologische Fortschritt ständig weitergehen muss" und dass "sie sich ein Leben ohne technologische Mittel nicht mehr vorstellen können". 39% sagten, dass sie Schwierigkeiten haben, mit technologischen Mitteln umzugehen.

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