Epstein-Skandal: Britische Polizei prüft Ermittlungsoptionen
Die britische Polizei prüft an mehreren Stellen die Eröffnung von weiteren Ermittlungsverfahren im Kontext des Skandals um Jeffrey Epstein.
(Keystone-SDA) Die Polizei in Surrey geht mutmasslichen Hinweisen aus den Epstein-Akten auf Menschenhandel und sexuelle Übergriffe auf eine minderjährige Person nach. Die Essex Police untersucht, ob der US-Sexualstraftäter den Flughafen London-Stansted als Drehkreuz für das Schleusen von Missbrauchsopfern nutzen liess.
Im Zentrum der Epstein-Affäre in Grossbritannien stehen bislang der frühere Prinz Andrew sowie Ex-Minister Peter Mandelson, gegen den die Londoner Polizei wegen des Verdachts der Weitergabe von sensible Informationen an den US-Finanzier ermittelt. Im Fall Andrew prüfen die Beamten jetzt auch Hinweise, die nahelegen, dass dessen frühere Personenschützer mutmassliche Verbrechen nicht gemeldet haben könnten.
Andrew, der wegen des Skandals bereits sämtliche Titel und Ehren verloren hatte, hat die Vorwürfe gegen ihn immer zurückgewiesen. Finanzministerin Rachel Reeves forderte den jüngeren Bruder von König Charles III. auf, sein Wissen zu teilen. Er schulde es den Opfern von Epstein, sich zu melden und umfassendere Informationen darüber zu geben, was er über den Umgang mit jungen Frauen und Mädchen wusste, sagte Reeves der Nachrichtenagentur PA zufolge.
Hinweise auf weitere Verbrechen
Die Surrey Police rief mögliche Zeugen von den mutmasslichen Verbrechen in den 1990er Jahren auf, sich zu melden. Die Beamten seien nach der Veröffentlichung der Dokumente aus den Epstein-Akten im Dezember auf einen geschwärzten Bericht aufmerksam geworden, in dem die Vorwürfe erhoben werden. «Wir nehmen alle Meldungen über Kindesmissbrauch und sexuelle Übergriffe sehr ernst», hiess es in einer Mitteilung.
Am Flughafen Stansted nordöstlich von London geht es um verdächtige Flüge mit Privatmaschinen, die dort angekommen und abgeflogen seien. Das berichtet unter anderem die BBC. Der frühere Premierminister Gordon Brown hatte in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung «New Statesman» geschrieben, in den Akten enthaltenen E-Mails sei klar zu entnehmen, dass Epstein junge Frauen und Mädchen («girls») aus Lettland, Litauen und Russland über Stansted einfliegen liess.
Mindestens eines der Opfer habe demnach eine Verbindung zum damaligen Prinzen Andrew gehabt. Auch Britinnen seien an Bord der «Lolita-Express» genannten Maschinen gewesen. Über die Jahre seien Recherchen der BBC zufolge rund 90 solcher Schleuserflüge von britischen Flughäfen aus gestartet, schrieb Brown.