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Belgien will Rechtsschritte gegen Swissair einleiten

Für die Swissair ist die Zukunft von Sabena "zunehmend zweifelhaft". Keystone Archive

Der belgische Staat will via Brüsseler Handelsgericht von der Swissair rund 800 Mio. Franken für 2001 und 2002. Die Sabena will sich der Klage anschliessen. Die Regierung hat einen jüngsten Swissair-Vorschlag zur Rettung von Sabena klar abgelehnt. Die Swissair bezeichnet sich als "nicht einklagbar".

Die belgische Regierung habe sich nach einer Analyse des Swissair-Vorschlags zu rechtlichen Schritten entschlossen, sagte eine regierungsnahe Quelle am Dienstag in Brüssel: «Auf der Grundlage eines Vorschlags, der nicht vernünftig ist, kann man nicht vernünftig verhandeln.»

Verkehrsminister Rik Daems sagte an einer Pressekonferenz in Brüssel, Belgien werde die Swissair Group wegen Vertragsbruch als Hauptaktionär der Sabena vor Gericht bringen. Belgien werde zusätzlich Schadenersatz in der Höhe von 354 Mio. Euro (rund 540 Mio. Franken) verlangen, sagte Daems. Auch die Sabena erwäge, gegen die Swissair Group Klage einzureichen.

Swissair reagiert «harsch»

Die Swissair hat harsch auf die angedrohten juristischen Schritte aus Belgien reagiert: Swissair-Sprecher Rainer Meier sagte, er halte sie für ein Ablenkungsmanöver.

Dieses solle davon ablenken, dass der belgische Staat nicht gemeinsam mit Swissair die Sabena finanzieren wolle. «Im Moment sind wir nicht einklagbar», sagte Meier.

Die belgische Regierung war am Dienstagmorgen zusammengetreten, um den jüngsten Swissair-Vorschlag vom Montagabend zu analysieren. Swissair gab darauf in einem Communiqué bekannt, «mit Erstaunen» von der belgischen Regierung «den knappen Bescheid über die Ablehnung» des Vorschlags erhalten zu haben.

Ausstieg im Visier

Laut Swissair-Chef Mario Corti war der Vorschlag «nicht einmal mit den betroffenen Parteien diskutiert» worden. Nach der Ablehnung erscheine aber die Zukunft von Sabena «jetzt zunehmend zweifelhaft»: Die Swissair Group sei «nicht bereit, Verlust machende Fluggesellschaften unbegrenzt zu finanzieren.»

Swissair hatte am Montagabend vorgeschlagen, dass die beiden Hauptaktionäre 275 Mio. Euro (418 Mio. Franken) frisches Kapital in die Sabena einschiessen. Zudem soll Sabena von der Swissair ein nachrangiges Darlehen in Höhe von 30 Mio. Euro erhalten.

Der Vorschlag war von Swissair jedoch an die Bedingung geknüpft worden, dass sie von der Verpflichtung entbunden wird, ihren Anteil an Sabena auf 85% aufzustocken. Ausserdem wollte der Schweizer Flugkonzern sich sämtlicher weiterer finanzieller Verpflichtungen entledigen.Swissair hält 49,5% und der belgische Staat 50,5% an Sabena.

Aktie unter Druck

Am Dienstag gab die Swissair-Aktie massiv nach. 5,24% tiefer schloss das Papier auf 99.50 Franken. Auch die Börse denkt, dass der Ausstieg aus der Sabena schwieriger als erwartet zu bewerkstelligen sein könnte.

swissinfo und Agenturen

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