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Die Ruhe nach dem Sturm

Aufräumen ist angesagt. Keystone

Der alte Kellner im Bistro du Pont in Goumois hat Zeit für ein Glas Wein im Schatten des grossen Baumes. Nach drei hektischen Tagen im Zeichen der acht in der Höhle eingeschlossenen Schweizer kehrt Goumois zur Normalität zurück.

In der Nacht auf Samstag war der alte Kellner, der eigentlich nur aushalf, bis fünf Uhr auf den Beinen. 150 Menüs und 400 Sandwiches hatte das Bistro den hunderten Helfern und Journalistinnen bereitet, die mit dem Höhlen-Drama beschäftigt waren.

Am Sonntag verirren sich nur noch vereinzelte Töfffahrer in Lederkluft und andere Sonntagsausflügler auf die sonnige Terrasse des Bistros, das nur einige Meter von der schweizerisch-französischen Grenze entfernt ist.

Diese Grenze überschreitet ein älterer Herr, der seit 60 Jahren im Schweizer Teil von Goumois wohnt. Leicht hinkend betritt er das Bistro, um sich einen Aperitif zu genehmigen. Dafür fehlte ihm in den letzten drei Tagen die Musse.

Geduldige Zaungäste

Er hatte die Tage an der Absperrung verbracht, welche die Journalisten vom Ort des Geschehens trennte. Zusammen mit seinen Freunden vom Dorf wartete der Herr geduldig darauf, dass sich etwas ereignen würde, die Rettung womöglich, und dass er einen Blick auf die Geretteten erhaschen könnte.

Am Sonntag steht er nicht mehr dort, auch die Absperrung nicht und die Journalisten mit ihren Kameras, Mikrofonen, Fotoapparaten und Natels nicht. Übrig geblieben sind einige Dutzend Rettungskräfte, die mit den Aufräumarbeiten beschäftigt sind.

Konzentriertes Aufräumen

Sie evakuieren die Pumpen aus der Grotte und ziehen sie den steilen Hang hoch auf die Strasse. Sie spritzen das verdreckte Material und sich selbst mit dem Feuerwehrschlauch ab. Sie arbeiten immer noch voller Konzentration.

Laut waren sie nur einmal geworden: Als sie nach der Rettung, von Kopf bis Fuss voller Schlamm, johlend die Strasse zu ihren Autos hinunterhüpften.

Mitten drin in den Aufräumarbeiten steht Konsul Peter Oberhänsli. «Ich bin dabei, die ganzen Eindrücke zu verarbeiten», sagt er. «Die letzten Tage war ich ja unter einer ständigen Anspannung.»

Felssturz im Innern

Immer noch werden seine Augen feucht, wenn er sich an den Moment erinnert, als die Eingeschlossenen lebend gefunden wurden. «Wir haben uns umarmt, wir waren eine Familie.» Mehr als ein Felsbrocken sei ihm vom Herzen gefallen. «Die Erfahrung will ich nicht nochmals machen, aber ich will sie auch nicht missen.»

Nach dem Wochenende werden die Strasse geräumt, die Pumpen gesäubert, die Höhlenforscher an ihre üblichen Arbeitsplätze und die Geretteten in den Schoss ihrer Familien zurückgekehrt sein. Goumois und sein Bistro wird vor sich hindösen, Konsul Oberhänsli wird seinen Bericht verfassen und einige werden sich noch mit den Kosten und Verantwortlichkeiten herumschlagen müssen.

Vor Ort wird nur etwas anders sein vorher: Bürgermeisterin Jeanne-Marie Taillard wird ein Schild vor die Grotte gestellt haben mit der Aufforderung, sich vorsichtig zu verhalten.

Corinne Dobler (sda)

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