Die Schweiz und die Niederlande setzen auf die Bahn
Die Schweiz und die Niederlande wollen die Bahn im europäischen Nord-Süd-Güterverkehr stärken. Darauf einigten sich Bundespräsident Moritz Leuenberger und Verkehrsministerin Tineke Netelenbos am Montag (14.05.) in einem "Memorandum of Unterstanding".
Bis November soll eine Arbeitsgruppe aus schweizerischen, niederländischen und später allenfalls deutschen sowie italienischen Experten Lösungsvorschläge zur Verbesserung des internationalen Bahn-Güterverkehrs erarbeiten. Dazu sollen die Transportkapazität, Schwierigkeiten bei Grenzübertritten oder Unterschiede bei den technischen Vorschriften analysiert werden.
Beeindruckt vom Verlagerungs-Modell
Die niederländische Verkehrsministerin Tineke Netelenbos zeigte sich am Montag bei einem Besuch auf der Neat-Baustelle in Sedrun GR beeindruckt vom schweizerischen Verlagerungs-Modell. Auch Holland will das wachsende Verkehrsaufkommen nach dem Grundsatz der Nachhaltigkeit bewältigen.
Die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Bahnen wollen die Niederlande unter anderem mit dem Bau der neuen Hochleistungs-Strecke «Betuweline» zwischen Rotterdam und Zevenaar verbessern. Beide Minister gaben sich überzeugt, dass eine nachhaltige Verkehrspolitik nur in enger europäischer Kooperation umgesetzt werden kann.
Grosses Interesse an der LSVA
Der Besuch der holländischen Verkehrsministerin Netelenbos und Bundespräsident Leuenberger auf der Neat-Baustelle in Sedrun diente hauptsächlich dem Informations-Austausch über die Bahn-Infrastrukturprojekte beider Länder. Schweizer Fachleute erklärten den Stand der Bauarbeiten der Neat-Tunnels am Gotthard und Lötschberg.
Im Zusammenhang mit den Finanzierungs-Modalitäten stiess beim holländischen Gast die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) auf grosses Interesse. Die LSVA ist ein zentrales Element der Schweizer Verkehrspolitik. Sie wurde gleichzeitig mit der Erhöhung des Maximalgewichts für Lastwagen auf 34 Tonnen Anfang Jahr eingeführt.
Weitere Eckpfeiler der Verlagerungspolitik sind die Inbetriebnahme der Rollenden Landstrasse (RoLA) am Lötschberg im Juni, die Verbilligung der Trassen-Preise im Schienengüterverkehr sowie die Erhöhung der Betriebsbeiträge an den Bahngüterverkehr.
Für rasche Ratifizierung der Bilateralen
Neben dem Schienengüterverkehr erörterten Netelenbos und Leuenberger den Wettbewerb in der Binnenschifffahrt sowie Vollzugsfragen im Zusammenhang mit dem Landverkehrs-Abkommen zwischen der Schweiz und der EU.
Bundespräsident Leuenberger sprach sich gegenüber der holländischen Verkehrsministerin für eine rasche Ratifizierung der sieben bilateralen Verträge aus. Damit könne der im Landverkehrs-Abkommen vereinbarte erleichterte Marktzugang im Strassen- und Schienenverkehr rasch umgesetzt werden.
swissinfo und Agenturen
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