Inlandgemüse wird rar und teuer
Die anhaltenden Niederschläge und die Kälte-Einbrüche haben viele Gemüse-Kulturen zerstört und Felder unter Wasser gesetzt. Die Inland-Produktion hat massive Verluste eingesteckt. Einige Gemüsebauern stehen kurz vor dem Aus.
Mit 20% Umsatz-Einbussen – rund 80 Mio. Franken – und 30% Mengen-Einbussen haben die Gemüse-Produzenten den anhaltenden Regen zu spüren bekommen, sagt Thomas Wieland vom Schweizerischen Gemüse-Produzenten-Verband (VSGP). Vor allem das Seeland, aber auch immer mehr Regionen Richtung Osten, sind mittlerweile betroffen.
Schäden von Versicherungen nicht gedeckt
Die so genannte Staunässe wird laut Wieland von den Versicherungen nicht gedeckt. Der Schaden geht damit grösstenteils zu Lasten der Produzenten. Einige Gemüsebauern stünden wegen Liquiditäts-Engpässen kurz vor dem Aus. Der VSGP führt zur Zeit Gespräche mit dem Bundesamt für Landwirtschaft, um mittels Betriebshilfe-Fonds solche Härtefälle zu unterstützen.
Probleme bei Inlandversorgung
Die Importanträge aus dem Handel haben in den letzten Wochen massiv zugenommen, sagt Jürg Lüthi von der Schweizerischen Zentralstelle für Gemüsebau. Die Inlandversorgung bei fast allen Gemüsearten sei zur Zeit miserabel.
Der Import zieht aber weitere Probleme mit sich: Die ausländischen Händler sind für die erhöhte Nachfrage nicht gewappnet, da sich die Schweiz zu dieser Jahreszeit im Normalfall selbst voll versorgen kann.
Kommt hinzu, dass wegen zu langen Transport-Wegen in gewissen Fällen vom Import abgesehen werden muss. Gemäss Lüthi ist eine Unterversorgung auf dem Gemüsemarkt in der Schweiz nicht auszuschliessen, da auch einige umliegende Länder vom schlechten Wetter betroffen seien und gar nicht exportieren könnten. Die VSGP rechnet mit einer Erholung nicht vor Mitte Juni.
Steigende Preise
Das importierte Gemüse ist zu einem grossen Teil in Gewächs-Häusern herangewachsen. Diese Produktion ist wesentlich teurer als der Freilandbau. Damit sind die Preise des ausländischen Gemüses laut Wieland vom VSGP generell eher hoch.
Dies wirke sich zur Zeit vorteilhaft auf die Preise des Schweizer Gemüses aus: Sie haben vorerst angehoben werden können. So liessen sich die mit dem Schlechtwetter verbundenen Mehrkosten wenigstens teilweise wettmachen.
Für die Konsumenten bedeutet dies, dass sie vorerst für Salat tiefer in die Tasche greifen und mit importiertem Gemüse Vorlieb nehmen müssen. Mit Sonderangeboten ist laut VSGP bis auf weiteres nicht zu rechnen.
Mehr Arbeit, mehr Kosten
Die Gemüsebauern haben noch gegen eine weitere Folge der Niederschläge zu kämpfen: Die Felder können nicht mehr mit Maschinen bestellt werden, was die Düngung erschwert. Diese sei dringend, da die Nährstoffe im Boden ausgewaschen wurden, sagt ein betroffener Gemüse-Produzent.
swissinfo und Agenturen
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