Mit PC-Rechenleistung gegen die Malaria
2000 private PC-Besitzer beteiligen sich in der Schweiz an einem Forschungsprojekt zur Entwicklung neuer Strategien im Kampf gegen die Infektionskrankheit Malaria in Afrika.
Die so gewonnene Rechenleistung wird vom Tropen-institut (STI) in Basel genutzt, um Simulationsmodelle für die Ausbreitung und Wirkung der Krankheit zu entwickeln, an der jedes Jahr über eine Million Menschen sterben.
Das Projekt ist aus einer Partnerschaft (afrika@home) zwischen dem STI, der Universität Genf, der Europäischen Organisation für die Kernforschung (CERN) und Nichtregierungs-Organisationen (NGO) wie «Informatiker ohne Grenzen» entstanden.
Das Rechenprogramm des Basler STI und des Genfer CERN simuliert die Ausbreitung der Malaria und die Auswirkungen der Krankheit auf die Menschen in Afrika. Je mehr Simulationen ausgeführt werden, desto aussagekräftiger sind die Resultate.
Weil solche mathematische Modelle enorme Rechenleistungen erfordern, kamen die Forscher auf die Idee, das brach liegende Potenzial in privaten Haushalten anzuzapfen.
Interessierte Personen können die Software auf ihren Heimcomputer laden. Das Programm arbeitet typischerweise im Hintergrund als Bildschirmschoner und benutzt Rechenleistungen des Computers, die vom Anwender gerade nicht gebraucht werden. Jeder PC-Besitzer kann selbst entscheiden, wie viel Rechenleistung er zur Verfügung stellen will.
2000 private PC-Besitzer beteiligt
Die Resultate werden in regelmässigen Abständen auf einen Server in Genf geladen, wo sie von den Forschern ausgewertet werden. Bis jetzt beteiligen sich 2000 Personen an dem Projekt.
«Zahlreiche Freiwillige wollen das Forschungsprogramm unterstützen und sind bereit, die Rechenleistung ihrer PCs zur Verfügung zu stellen», sagt Nicolas Maire, Forscher am STI, gegenüber swissinfo. «Wir sind sehr erfreut über die rege Beteiligung.»
Maire betonte, dass die Forscher keinen Zugang zu privaten Daten der Beteiligten hätten. Der PC selbst stelle den Kontakt mit dem Server der Universität Genf her.
Ausbreitung der Krankheit erforschen
In Afrika sterben Jahr für Jahr rund eine Million Menschen an Malaria. Bei Kindern unter fünf Jahren ist die Krankheit hier gar Todesursache Nummer eins.
Mathematische Modelle, wie jenes beim Projekt des Tropeninstituts und des CERN, sind wichtig, um die Ausbreitung der Krankheit zu erforschen. Sie können Hinweise darauf geben, welche Strategien zur Bekämpfung der Krankheit besonders erfolgversprechend sind.
swissinfo, Adam Beaumont und Agenturen
90% der Todesfälle durch Malaria geschehen in Afrika.
Die Krankheit kostet Afrika jedes Jahr über 15 Mrd. Franken.
Weltweit gibt es jährlich 300 Millionen akute Malaria-Fälle. Eine Million Menschen sterben jährlich an der Krankheit.
Das Schweizerische Tropeninstitut in Basel (STI) ist längst nicht die einzige Organisation, die auf das Potential von privaten PCs zurückgreift.
Die Rechenleistung aus einem Netz von privaten PC-Besitzern wird für verschiedene Zwecke benutzt, etwa in der Krebsforschung.
Das bekannteste Projekt ist wohl das SETI-Programm (Search for Extra-Terrestrial Intelligence). Es hat zum Ziel, die Daten des weltweit grössten Radio-Teleskops in Arecibo zu studieren, um eine allfällige ausserirdische Zivilisation nachzuweisen.
Bereits über 3 Mio. Personen in 226 Ländern beteiligen sich an SETI. Das Programm wurde an der Universität Berkeley in den USA entwickelt.
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