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Swissair im Fadenkreuz

Der französische Arbeitgeberpräsident und Marine-Wendel-Chef attackiert Swissair. Keystone Archive

Ernest-Antoine Seillière, der französische Arbeitgeberpräsident, hat am Samstag (16.06.) die Swissair und Frankreichs Transportminister Jean-Claude Gayssot scharf kritisiert. Er warf ihnen vor, das Debakel bei AOM/Air Liberté provoziert und beschleunigt zu haben.

Am Tag nach dem Konkursantrag der französischen Fluggesellschaften AOM und Air Liberté, an denen die Swissair Group 49,5 % des Kapitals besitzt, hat Seillière an einer Pressekonferenz in Paris das Vorgehen der Swissair als «einer grossen Gesellschaft unwürdig» bezeichnet.

Der Chef der Finanzgesellschaft Marine-Wendel, die mit einem Anteil von 50,5 %zweite Haupaktionärin der AOM/Air Liberté ist, attackierte auch den französischen Transportminister Gayssot. Dieser habe ihn für das Debakel verantwortlich gemacht und ihn in einer ungerechtfertigten Kampagne als «Baron» diffamiert, sagte Seillière.

Er zeigte sich zuversichtlich, dass nun die Gerichte die Dinge wieder richtig stellen würden.

Swissair weist Vorwürfe zurück

Swissair-Sprecher Siro Barino wies Seillières Vorwürfe als «unbegründet» zurück. «Marine-Wendel hat alle strategischen Entscheidungen mitgetragen und AOM/Air Liberté zusammen mit der Swissair geführt», sagte er auf Anfrage.

Die Finanzgesellschaft habe über ihre Tochter Tatibout Antibes immerhin drei von sieben Verwaltungsratssitzen inne gehabt, die Swissair dagegen nur zwei.

Barino rief in Erinnerung, dass die Swissiar sich bereit erklärt hatte, zwei Mrd.französische Francs (rund 480 Mio. Fr.) für eine Restrukturierung der nur noch unter dem Namen Air Liberté operierenden Fluggesellschaften zu zahlen. Dies allerdings unter der Bedingung, dass Marine-Wendel ihrerseits mit einer Mrd. französischen Francs für die Sanierung aufkommme. Dies hatte die Finanzgesellschaft abgelehnt.

Weil sich bis zum Freitag offenbar keine ernsthafte Lösung durch eine Übernahme abzeichnete, hat Marc Rochet, der Verwaltungsratspräsident von AOM/Air Liberté, bei einem Handelsgericht um Nachlass-Stundung ersucht. Ziel sei es, Lösungen für eine Restrukturierung der Gruppe zu finden.

Gericht sucht Lösung

Das Handelsgericht von Créteil wird voraussichtlich am Dienstag einen juristischen Verwalter ernennen. Dieser wird prüfen ob und wie die Gesellschaften überleben können.

Auch kann er entscheiden, ob die Schulden ganz oder nur teilweise zurückgezahlt werden müssen. Das Gericht kann zudem einen Käufer für die Gesellschaft suchen.

«Ich hoffe, dass neue Kaufangebote eine konstruktive Lösung bringen werden», erklärte Marine-Wendel-Chef Seillière weiter. Am Freitag hatte die britische Billigfluglinie EasyJet ihr Interesse an Teilen der französischen Gesellschaft bekundet. Damit könne die Präsenz auf dem Pariser Flughafen Orly verstärkt werden, teilte sie mit.

Am Samstag bekräftigte auch die britische Beratergruppe AITI Holding ihr Angebot vom Juni, AOM/Air Liberté für drei Mrd. französische Francs (700 Mio. Fr.) zu übernehmen.

Jean Immediato von der Pilotengewerkschaft SNPL hatte am Freitag ebenfalls mitgeteilt, dass seine Gewerkschaft an einer Alternative arbeite, die erfolgsversprechend aussehe. Nähere Angaben dazu machte er nicht.

swissinfo und Agenturen

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