The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter

Flugshow in Altenrhein SG brüskiert Gemeinden in Vorarlberg (A)

Keystone-SDA

Drei Vorarlberger Gemeinden in unmittelbarer Nähe zum Flughafen St. Gallen-Altenrhein haben scharfe Kritik an der für August geplanten Flugshow der Patrouille Suisse geäussert. Sie werfen ihrer Landesregierung vor, sie zugunsten der Schweiz übergangen zu haben.

(Keystone-SDA) Die drei direkt von Fluglärm betroffenen Gemeinden Fussach, Höchst und Gaissau auf der österreichischen Seite ärgern sich über die Vorarlberger Regierung. Diese gab dem Flughafen in Altenrhein vergangene Woche grünes Licht für sein Jubiläumsfest im kommenden Sommer. Es sei befremdlich, dass die Regierung die Bedürfnisse der Schweiz über jene ihrer Bürgerinnen und Bürger stelle. Das schrieb Stefan Überhör, Bürgermeister der Gemeinde Höchst (A), auf Instagram.

Der Ärger der österreichischen Gemeinden am Rheindelta entlädt sich an der Patrouille Suisse. Die Kunstflugstaffel der Schweizer Armee ist für das 100-Jahre-Jubiläum des Flughafens Altenrhein vom 28. bis 30. August angekündigt. Die österreichischen Nachbarn erachten den damit verbundenen Lärm über ihren Siedlungs- und Naturschutzgebieten als unzumutbar.

Das letzte Wort hat Wien

Die Nutzung des Flughafens Altenrhein wurde 1992 in einem Staatsvertrag geregelt. Deshalb braucht es für die Flugshow die Zustimmung der österreichischen Behörden.

Die Vorarlberger Regierung gab zwar ihre Zustimmung, stellte aber gleichzeitig die Bedingung, dass das Programm des Flughafenfestes angepasst werden müsse: Düsenjets dürfen nur zweimal je 30 Minuten fliegen. Zudem ist der Überflug von Siedlungsgebieten «möglichst zu vermeiden», wie es in einer Mitteilung hiess.

Da der Einsatz der Patrouille Suisse einen Staatsvertrag tangiert, entscheidet schliesslich das österreichische Verkehrsministerium in Wien über die Flugshow. Dies geschieht in Abstimmung mit dem Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. Für die Bürgermeister der drei Vorarlberger Gemeinden ist dies der letzte Funken Hoffnung, dass der Überflug der Schweizer Kampfjets über ihr Gemeindegebiet doch noch verhindert werden könnte.

Grüne Vorarlberg schalten sich ein

Schützenhilfe bekommen sie auch von Schweizer Seite. Der Verein «Aktion gegen Fluglärm Altenrhein» zeigte in einer Stellungnahme zwar Verständnis dafür, dass der Flughafen sein Jubiläum mit Flugshows feiern möchte.

Der Lärm und die Umweltbelastung von Vorführungen mit Kampfjets seien aber für Mensch und Tier «unerträglich und schädlich». Dies sei ausserdem pietätlos, «wenn in nächster Nähe Krieg herrscht und auch bei uns Menschen Schutz suchen, welche kriegsgeschädigt sind», schreibt der Verein auf seiner Website.

Eingeschaltet haben sich auch die Grünen im Vorarlberger Landtag. Sie äussern in einer Anfrage an die Regierung «gravierende sicherheitsrelevante Bedenken» durch die Kampfflugzeuge und befürchten weitere Lockerungen der staatsvertraglichen Schutzbestimmungen zulasten der Vorarlberger Bevölkerung.

Patrouille Suisse bewegt die Gemüter

Währenddessen laufen auf der Schweizer Seite des Rheins die Vorbereitungen für das Jubiläumsfest. Gemäss Angaben des Flughafens Altenrhein stehe nach der Zustimmung der Vorarlberger Landesregierung dem Fest nichts mehr im Wege, wie ORF berichtete. Die geplante Show der Patrouille Suisse wäre eine der letzten Einsätze der Kunstflugstaffel überhaupt.

Denn im vergangenen Herbst beschloss das Bundesparlament, die Kampfflugzeuge F-5 «Tiger» auszumustern. Damit besiegelte es das Aus der bisherigen Kunstflugstaffel der Schweizer Luftwaffe bis spätestens Ende 2027.

Gleichzeitig geniesst die Patrouille Suisse grosse Popularität: Die Organisatoren des Flughafenfests in Altenrhein erwarten gemäss ihrer Website bis zu 100’000 Besucherinnen und Besucher. Wie stark die Kunstflugstaffel mit Emotionen verbunden ist, zeigte sich zuletzt beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2025 in Mollis GL. 70 Hassmails erhielt der OK-Präsident, nachdem er die für das «Eidgenössische» traditionelle Vorführung der Patrouille Suisse aus Gründen der Nachhaltigkeit gestrichen hatte. Dies erklärte er in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Ständerat lehnt Kürzungen ab

Nebst dem Widerstand gegen die Flugshow bangt der Flughafen St. Gallen-Altenrhein derzeit um Gelder aus Bern. Er gehört zu den acht Schweizer Regionalflughäfen, denen aufgrund des Sparpakets des Bundes Kürzungen von Beiträgen an die An- und Abflugsicherung drohen. Der Ständerat lehnte diese Massnahme im vergangenen Dezember jedoch ab.

Diesem Entscheid schloss sich auch die Finanzkommission des Nationalrats an. Die grosse Kammer entscheidet voraussichtlich im März über das Sparpaket.

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft