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Die Korallen im Golf von Aqaba sind besonders robust. Für die Experimente sammelte Doktorandin Jessica Bellworthy einige Exemplare.

EPFL / Itamar Grinberg

(sda-ats)

Korallen im Roten Meer sind erstaunlich robust gegenüber Auswirkungen des Klimawandels. Davon berichten Forschende aus Israel und der Schweiz. Eventuell könnten sie dazu dienen, abgestorbene Korallenriffe wieder aufzuforsten.

Das australische Great Barrier Reef hat in jüngster Zeit zwei schwere Korallenbleichen erlebt. Nur noch ein Drittel des grössten Korallenriffs der Erde ist noch nicht betroffen. Aber auch andere Korallenriffe rund um den Globus leiden unter steigenden Wassertemperaturen und drohen abzusterben.

Nun berichten Forscher der Universität und der ETH Lausanne (EPFL) gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Israel von einem Hoffnungsschimmer: Korallen im Golf von Aqaba im nördlichen Roten Meer sind besonders widerstandsfähig gegen die Auswirkungen steigender Temperaturen und der Versauerung der Ozeane. Davon schreiben sie in einem Fachartikel im Magazin "Open Science" der britischen Royal Society.

Von diesen Korallen erhoffen sich die Forschenden Erkenntnisse, wie diese Temperaturresistenz zustande kommt und warum andere Korallen im Vergleich dazu so anfällig sind. Ausserdem bestehe Hoffnung, dass man die Korallen aus dem Golf von Aqaba nutzen könnte, um abgestorbene Korallenriffe im Roten Meer oder vielleicht sogar anderswo auf der Welt wieder aufzuforsten, teilte die EPFL mit.

Gedeihen unter warmen Bedingungen

Die Forschenden untersuchten die Korallen eingehend, nachdem sie diese während sechs Wochen Bedingungen wie in einem künftig wärmeren Ozean ausgesetzt hatten. "Unter diesen Bedingungen würden die meisten Korallen weltweit wahrscheinlich bleichen und eine hohe Sterblichkeit aufweisen", liess sich EPFL-Wissenschaftler Thomas Krueger in der Mitteilung zitieren.

Nicht so die Korallen vom Golf von Aqaba. Tatsächlich schienen ihre physiologischen Funktionen - wie ihr Energiehaushalt und der Nährstoffaustausch zwischen den Korallen und den mit ihnen zusammen lebenden Algen - unter den veränderten Bedingungen nicht nur nicht zu leiden. Sie schienen sich sogar zu verbessern, sagte Krueger. Das deute darauf hin, dass diese Korallen momentan bei suboptimalen Temperaturen lebten und besser für eine künftige Erwärmung der Ozeane aufgestellt seien.

Erstaunlicherweise sind Vertreter der gleichen Korallenspezies (Stylophora pistillata) in anderen Weltregionen nicht unbedingt temperaturresistent. Warum ausgerechnet die Individuen im Golf von Aqaba so widerstandsfähig sind, sei bisher unklar, schrieb die EPFL. Allerdings haben die Forschenden die Vermutung, dass dies mit der jüngeren Geschichte und speziellen Geografie des Roten Meeres zusammenhängt.

Selektion für die Wärme

Am Ende der letzten Eiszeit besiedelten Korallen das Rote Meer vom Süden her neu, von einer Verbindung zum Indischen Ozean her. Weil die Wassertemperaturen an diesem Zugang im Sommer 30 bis 32 Grad betrugen, konnten nur sehr temperaturresistente Individuen nach Norden vordringen. Diese Gründerpopulation fand im Golf von Aqaba ironischerweise wiederum kühlere Temperaturen vor.

Obwohl diese Korallen somit gute Chancen haben, die Auswirkungen des Klimawandels zu überstehen, sind sie doch empfindlich gegenüber Umweltverschmutzung. Lokale Störungen wie Ölverschmutzung, Nährstoffe aus Fischfarmen oder Pflanzenschutzmittel, die ins Wasser gelangten, könnten die Widerstandskraft der Korallen herabsetzen, warnte Studienautor Maoz Fine von der israelischen Bar Ilan University und dem InterUniversity Institute of Marine Sciences gemäss der EPFL-Mitteilung.

"Dieses Riff sollte international als Naturstandort von grosser Bedeutung anerkannt werden", sagte Anders Meibom von EPFL und Uni Lausanne. Denn es könnte sehr wohl das letzte überlebende Korallenriff am Ende des Jahrhunderts sein. Die Forschenden rufen daher die Anreinerstaaten auf, ein Schutzprogramm für dieses besondere Korallenriff zu lancieren, um es vor zunehmender Umweltverschmutzung zu bewahren.

Riffe unter Druck

Korallen sind Nesseltiere, die mit Algen in einer Symbiose, also einer Gemeinschaft zum gegenseitigen Nutzen leben. Bei hohen Temperaturen werden die Algen giftig, die Korallen stossen sie ab und verlieren ihre Farbe. Sie können sich davon zwar mitunter erholen, indem sich die Algen wieder ansiedeln, brauchen aber Jahre dafür. Kehren die Algen nicht zurück, sterben die Korallen ab.

Wenn es künftig, wie Experten befürchten, zu regelmässigen Korallenbleichen während der warmen Jahreszeit kommt, haben die Korallen keine Chance, sich zu erholen.

http://rsos.royalsocietypublishing.org/lookup/doi/10.1098/rsos.170038

SDA-ATS

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