Forschende warnen vor Fehldeutung brauner Blätter im Wald
Klimamodelle könnten die Widerstandskraft der Wälder überschätzen. Denn vorzeitige Braunfärbungen werden oft nicht danach unterschieden, ob sie auf kontrollierte Blattalterung oder auf Hitze- und Dürreschäden zurückgehen.
(Keystone-SDA) Davor warnen Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in einem Kommentar im Fachjournal «Nature Climate Change». Was aus der Distanz ähnlich aussieht, kann für den Baum sehr unterschiedliche Folgen haben, wie die WSL am Donnerstag in einer Mitteilung schreibt.
Bei kontrollierter Blattalterung baut der Baum seine Blätter geordnet ab und zieht dabei wertvolle Nährstoffe zurück. Bei sogenannten Blattverbrennungen durch Hitze und Trockenheit ist das Blattgewebe dagegen irreversibel geschädigt. Dann verliert der Baum Nährstoffe, bevor er sie sichern kann.
Unterschied ist erheblich
Aus dem All erscheinen beide Prozesse ähnlich: Der Wald wird brauner. Biologisch aber ist der Unterschied erheblich. Werden Hitzeschäden als kontrollierte Blattalterung interpretiert, könnte die Widerstandskraft der Wälder gegen Klimaextreme überschätzt werden.
Wie trügerisch der erste Eindruck sein kann, zeigte sich laut WSL im Hitzesommer 2018. Damals hatten Buchen im Raum Schaffhausen bereits Mitte August braune Kronen. Im folgenden Jahr trieben viele von ihnen schlecht aus – ein Hinweis darauf, dass sie tatsächlich geschädigt waren.
Mit der Klimaerwärmung dürften solche Fälle häufiger werden. Die Forschenden fordern deshalb kontrollierte Experimente, um die Schwellen zwischen angepasster Blattalterung und irreversiblen Schäden genauer zu bestimmen.