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Freiwillige Kirchensteuer treibt Berner Kirchgemeinden ins Defizit

Keystone-SDA

Wenn die Kirchensteuer für Unternehmen im Kanton Bern freiwillig wird, vervierfacht sich die Zahl der defizitären Kirchgemeinden. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Regierungsrats hervor.

(Keystone-SDA) Die Kirchgemeinden müssten sich auf Mindereinnahmen von insgesamt 39,8 Millionen Franken einstellen, heisst es in dem Bericht. Der Regierungsrat stützt sich dabei auf Erfahrungen des Kantons Neuenburg, der schon heute eine fakultative Kirchensteuer kennt. Nur fünf Prozent der Firmen leisten dort eine freiwillige Zuwendung.

Im Kanton Bern gibt es 210 Kirchgemeinden. In den letzten Jahren wiesen durchschnittlich 22 von ihnen ein Defizit aus. Bei einer freiwilligen Kirchensteuer für juristische Personen wären es künftig 84, schreibt der Regierungsrat unter Berufung auf Modellrechnungen. In den Regionen Emmental-Oberaargau und Berner Jura würde sogar jede zweite Kirchgemeinde rote Zahlen schreiben.

Besonders betroffen wären Kirchgemeinden mit hohem Anteil an Kirchensteuern von Unternehmen. Genannt werden in dem Bericht die Gesamtkirchgemeinden Bern und Biel sowie kleinere Kirchgemeinden wie Guttannen und St-Imier.

Der Bericht geht auf ein Postulat von Carlos Reinhard (FDP) zurück, der eine Diskussion über die künftige Ausgestaltung der Kirchensteuer juristischer Personen forderte. Der Regierungsrat legte darauf einen Bericht mit mehreren Varianten vor.

Bei der von Reinhard ins Spiel gebrachten Freiwilligkeit ging er aber nicht ins Detail. Das Parlament wies den Bericht deshalb im vergangenen März zurück und verlangte Ergänzungen, die nun vorliegen.

Kirchgemeinden unter Druck

Insgesamt verfügten die Kirchgemeinden derzeit über eine solide finanzielle Basis, schreibt der Regierungsrat. Allerdings wachse der Druck langfristig durch sinkende Mitgliederzahlen und kurzfristig durch Mindereinnahmen infolge der Steuergesetzrevision 2027.

Würden rund 40 Millionen Franken an Kirchensteuern von Unternehmen wegbrechen, müssten die Landeskirchen Leistungen streichen, die der gesamten Gesellschaft zugute kommen. Dabei geht es beispielsweise um Altersbetreuung und Jugendarbeit.

Regierung für Freigrenze

Der Regierungsrat favorisiert deshalb weiterhin ein anderes Modell: Er empfiehlt die Einführung einer Freigrenze für Gewinne unter 700’000 Franken. In diesem Fall müssten 97 Prozent der bernischen Unternehmen keine Kirchensteuern mehr bezahlen.

Die finanziellen Verluste für die Kirchgemeinden beliefen sich bei diesem Modell auf etwa neun Millionen Franken pro Jahr, was laut Bericht insgesamt tragbar wäre.

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