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Ein Thermometer, das 34 Grad anzeigt

Die Woche in der Schweiz

Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

Die anhaltende Hitze ist für mehr als nur eine Sommergeschichte gut. So hat sie etwa im Tessin eine jahrhundertealte Prozession wiederbelebt, in der um Regen gebetet wird, die Rückkehr einer Krankheit begünstigt, die man für unter Kontrolle hielt, und immer mehr Schweizerinnen und Schweizer in die Flüsse getrieben. Alles Facetten ein und desselben Phänomens, das den Alltag des Landes nach und nach verändert.

Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre

Ein Fussball-Schiedsrichter, der pfeift und zeigt
Noch keine rote Karte für Gianni Infantino – aber schon mehrere gelbe. Copyright 2022 The Associated Press. All Rights Reserved

Gianni Infantino, der lange Zeit als fest in seiner Führungsposition bei der Fifa verankert galt, durchlebt eine der heikelsten Phasen seines Mandats. Der Walliser steht im Zentrum einer Kontroverse, seit er ein umstrittenes Projekt aufgegeben hat, das vorsah, Teile der kommerziellen Aktivitäten des Verbands für private Investoren zu öffnen.

Seitdem häufen sich die Kritiken. Seine Gegnerschaft wirft dem Schweizer Funktionär vor, die Fifa zu zentralisiert und intransparent zu führen. Diese Woche meldete sich der frühere portugiesische Ballon-d’Or-Gewinner Luis Figo zu Wort und erklärte unter anderem, Infantino sei ein Präsident geworden, der seines Amts «unwürdig» sei. Besonders beunruhigend für den Walliser ist, dass einige Kritiken nun auch von Persönlichkeiten kommen, die bisher als ihm nahestehend galten.

Angesichts des Sturms berief die Fifa ihre Führungskräfte in Marokko zu einem Dringlichkeitstreffen ein. Die Organisation räumte dabei «Fehler» in der Handhabung der Angelegenheit ein, erneuerte jedoch ihre Unterstützung für ihren Präsidenten.

Diese Einheitsdemonstration hat die Zweifel an Infantinos Autorität jedoch nicht zerstreut. Neue Enthüllungen nehmen den Fifa-Präsidenten ins Visier. Laut dem Guardian soll er hinter den Kulissen an einer Partnerschaft mit der umstrittenen Europäischen Super League gearbeitet haben, obwohl er das Projekt öffentlich ablehnte. Die Uefa bestätigte zudem am Donnerstag, ihren Boykott der Fifa-Wettbewerbe aufrechtzuerhalten, da es keine Garantien für den Verzicht auf die Öffnung für privates Kapital gebe.

Ein Duchkopf
Gegen Legionellose hilft eine einfache Massnahme: Vor der Nutzung das Wasser der Dusche kurz laufen lassen. Keystone

Während die Schweiz eine neue Phase starker Hitze durchlebt, macht eine lange Zeit unauffällige Krankheit wieder von sich reden. In Basel hat ein Legionellen-Ausbruch zu 28 Ansteckungen und einem Todesfall geführt.

Dieser Vorfall in Basel fügt sich in einen längerfristigen Trend ein: Seit rund zwanzig Jahren steigt die Zahl der Fälle in der Schweiz. Die Legionärskrankheit wird durch ein Bakterium verursacht, das sich in lauwarmem Wasser entwickelt und in Form feiner Tröpfchen eingeatmet werden kann, besonders über technische oder sanitäre Anlagen.

Fachleute nennen mehrere Gründe für diesen Anstieg. Eine Rolle spielen die Überalterung der Bevölkerung und verbesserte Diagnosemethoden. Auch der Klimawandel gehört zu den untersuchten Faktoren: Hitzige Sommer begünstigen die Vermehrung des Bakteriums und könnten zu seiner Verbreitung beitragen.

Diese Lungenkrankheit ist nach wie vor relativ selten, doch Fachleute weisen darauf hin, dass sich die Risiken verringern lassen. Nach längerer Abwesenheit, etwa nach der Rückkehr aus den Ferien, wird empfohlen, das Wasser einige Minuten lang laufen zu lassen, bevor man duscht. Reisende werden ausserdem gebeten, in Hotels oder Unterkünften, die mehrere Wochen lang leer standen, besonders vorsichtig zu sein.

Ein junger Mann, der in einem Fluss auf dem Rücken schwimmt, er hält einen roten Schwimmsack
Die Hitzewelle macht das Baden in Fliessgewässern beliebter denn je. Keystone / Anthony Anex

Während die Hitze immer mehr Menschen ans Wasser treibt, üben die Schweizerinnen und Schweizer eine Aktivität aus, die ausländische Besucherinnen und Besucher oft erstaunt: Sie baden in Flüssen. In Bern, Basel oder Zürich ist es nichts Ungewöhnliches, Menschen zu sehen, die sich von der Strömung der Aare, des Rheins oder der Limmat treiben lassen – manchmal sogar auf dem Heimweg von der Arbeit.

Diese besondere Beziehung zu Fliessgewässern hat mehrere Gründe. Einerseits hat sich die Wasserqualität in den letzten Jahrzehnten erheblich verbessert, andererseits haben viele Städte ihre Ufer so gestaltet, dass der Zugang zum Baden erleichtert wurde. Nur wenige Länder haben eine solche Kultur des Schwimmens in Fliessgewässern inmitten städtischer Zentren entwickelt.

Diese Schweizer Leidenschaft birgt allerdings auch Risiken. Die Aare taucht aufgrund der Zahl der Unfälle, die sich dort ereignen, in der Statistik regelmässig als der gefährlichste Fluss des Landes auf. Jedes Jahr erinnern die Behörden an die Gefahren durch Strömungen, plötzliche Temperaturwechsel oder übermässiges Vertrauen in die eigenen Schwimmfähigkeiten.

Für viele Schweizerinnen und Schweizer trüben diese Warnungen das Vergnügen jedoch nicht. In einer Zeit, in der Hitzewellen zunehmen, gehört das Flussbaden zu den beliebtesten Sommertraditionen des Landes – und zweifellos auch zu den typischsten schweizerischen Traditionen.

Eine kleine Prozession von Menschen in Warnwesten, eine Frau trägt ein Kreuz
Zwischen ausgedörrten Weinreben bot die Prozession von Mendrisio ein eindrückliches Bild der Auswirkungen der Dürre. RTS / Nicole della Pietra

Die aktuelle Dürrezeit lässt Traditionen wieder aufleben, die man bereits für verschwunden gehalten hatte. So wurde diese Woche in Mendrisio im Tessin eine Prozession mit anschliessender Messe organisiert, um für Regen zu bitten. Die Zeremonie, die am frühen Morgen durch die Weinberge der Region zog, wurde auf Wunsch der Landwirtinnen und Landwirte wieder aufgenommen. Diese sind zunehmend besorgt über den Wassermangel.

Diese Praxis steht in der Tradition der Bittgänge – Prozessionen, die dazu dienten, göttlichen Schutz für Kulturen und Ernten zu erflehen. Einst in der Schweizer Landbevölkerung weit verbreitet, sind sie mit der Verstädterung und der Modernisierung der Landwirtschaft weitgehend verschwunden. Einige Überbleibsel dieser Tradition existieren jedoch noch, namentlich in Orsières im Kanton Wallis, wo Gemeindemitglieder jedes Jahr Felder und Alpweiden durchqueren, um Tiere und Ernten zu segnen.

Diese Traditionen betreffen nicht nur die Kulturen. Im Wallis hat sich kürzlich eine seit mehreren Jahrhunderten organisierte Prozession um eine andere Umweltsorge neu erfunden: den Rückgang der Gletscher. Die Gläubigen verbinden ihre Gebete nun mit einer Reflexion über die Auswirkungen des Klimawandels.

In einem Zeitalter, in dem Klimamodelle und modernste Technologie zur Verfügung stehen, sind diese Praktiken selbstverständlich nicht dazu berufen, konkrete Antworten auf die Umweltherausforderungen zu liefern. Doch ihr Fortbestehen zeigt, dass menschliche Gemeinschaften schon immer versucht haben, Naturphänomenen, die ihre Vorstellungskraft übersteigen, einen kollektiven Sinn zu geben.

Tausende Menschen feiern auf einer Brücke, mittendrin ein riesiger Truck mit tanzenden Menschen drauf
Die Street Parade Zürich zieht traditionell eine beeindruckende Menschenmenge an die Ufer des Sees. Keystone / Alexandra Wey

Die kommende Woche

Heute Samstag wird die 33. Street Parade in Zürich sicherlich wieder für belebte Strassen, Plätze und Brücken sorgen.

Am Wochenende empfängt Saignelégier den Marché-Concours, die bedeutendste Schweizer Veranstaltung rund um das Pferd.

Auf juristischer Ebene beginnt am Montag in Zürich der Berufungsprozess gegen den ehemaligen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz. Dieser Fall hatte den Schweizer Finanzplatz erschüttert und die Debatte über die Unternehmensführung grosser Unternehmen neu entfacht.

Am Dienstag werden die Gegnerinnen und Gegner der Ernährungsinitiative ihre Kampagne im Hinblick auf die Abstimmung vom 27. September starten.

Am Mittwoch wird eine Sonnenfinsternis am Himmel zu sehen sein. Auf der Iberischen Halbinsel wird sie total sein, in der Schweiz wird sie bis zu 90% Bedeckung erreichen. Wie immer ist für ihre Beobachtung eine Spezialbrille erforderlich.

Am Freitag wird schliesslich das Lucerne Festival eröffnet, eines der grossen europäischen Ereignisse der klassischen Musik.

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