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Bundesrätin Ruth Dreifuss warnt vor schleichender Akzeptanz des Antisemitismus

Bundesrätin Ruth Dreifuss hat in einem Interview vor einer schleichenden Akzeptanz des Antisemitismus gewarnt. Die SVP trage grosse Verantwortung, falls tatsächlich jeder dritte SVP-Anhänger antisemitisch eingestellt sei, sagte sie.

Bundesrätin Ruth Dreifuss hat in einem Interview des «Tages-Anzeigers» vor einer schleichenden Akzeptanz des Antisemitismus gewarnt. Die SVP trage grosse Verantwortung, falls tatsächlich jeder dritte SVP-Anhänger antisemitisch eingestellt sei, sagte Dreifuss zu einer entsprechenden Umfrage.

Sie wolle der SVP nicht unterstellen, dass diese Partei die Akzeptanz des Antisemitismus bewusst fördere, sagte Dreifuss in dem am Samstag (178.03.) veröffentlichten Interview. «Wenn diese Umfrage aber die wirklichen Verhältnisse abbildet und tatsächlich ein Drittel der SVP-Wählerschaft antisemitisch denkt, trägt die SVP gegenüber ihren Parteimitgliedern eine grosse Verantwortung», fügte sie hinzu.

Die missverständliche Art, wie beispielsweise Christoph Blocher auf die Kritik des Europarats an den fremdenfeindlichen Tendenzen seiner Partei reagiert habe lasse nur eine Replik zu: Wenn er nicht missverstanden werden möchte, soll er sich klar von solchen Tendenzen distanzieren.

Die Vorsteherin des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI) reagierte im Interview des auf die am vergangenen Mittwoch veröffentlichten Ergebnisse der Umfrage des GfS-Forschungsinstituts, wonach jeder sechste Schweizer und sogar 33 Prozent der SVP-Anhänger sich als Antisemiten bezeichnen.

Die Tatsache, dass gemäss der GfS-Erhebung eine klare Mehrheit der Befragten die Arbeit der unabhängigen Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg unter der Leitung des Historikers Jean-Francois Bergier unterstütze, habe sie dagegen gefreut, sagte Dreifuss.

Der Umfrage misst Bundesrätin Dreifuss insofern eine grosse Bedeutung zu, weil sie die Existenz des Antisemitismus verdeutliche und das grosse Unwissen der Antisemiten über das Judentum und die Lebensweise der Jüdinnen und Juden manifestiere. Die Umfrage zeige aber auch Positives. So hätten sich die junge Generation und die Frauen klar vom Antisemitismus distanziert.

swissinfo und Agenturen

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