Kirchen machen Politik
Die beiden grossen Landeskirchen haben erstmals gemeinsam Position zur sozialen und wirtschaftlichen Zukunft der Schweiz bezogen: Sie forderten am Dienstag (03.07.) in Bern materielle Entlastung für Familien, eine einfachere Einbürgerungs-Praxis für Ausländer und eine gerechtere Steuerpolitik.
Das «Wort der Kirchen» soll unter dem Motto «Miteinander in die Zukunft» Anregungen zur Gestaltung einer lebenswerten und menschlichen Zukunft geben und die Sicht der Kirchen auf wichtige Fragen der Gesellschaft darlegen. Es stellt Hoffnung und Ermutigung zur gemeinsam verantworteten Freiheit in den Vordergrund, wie Bischof Amedée Grab, Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz, und Pfarrer Thomas Wipf, Präsident des Rats des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds, bekannt gaben.
Für mehr soziale Gerechtigkeit
In verschiedenen Bereichen wie Familie, Migration, Arbeit, Umgang mit Umwelt und Geld, Politik im Dienste des Gemeinwohls und Verhältnis der Schweiz zur Welt wurden klare Forderungen gestellt. So verlangen die Kirchen eine materielle Entlastung der Familien mit beispielsweise höheren Kinderzulagen. Ausländern der zweiten und dritten Generation sollen einfacher eingebürgert werden, und die demokratischen Rechte, insbesondere auf der Gemeinde-Ebene, sollen nicht ausschliesslich an die Schweizer Staatsbürgerschaft gekoppelt bleiben.
Weiter fordern die Kirchen eine Abtrennung von Erwerbsarbeit und materieller Existenzsicherung. Der Wert der Nichterwerbsarbeit für die Gesellschaft solle stärker zur Geltung gebracht werden. Finanz-Transaktionen und spekulative Kapital-Verschiebungen sollen stärker besteuert, die Einkommens-Unterschiede nicht beliebig gross werden.
Aussenpolitisch stellen sich die Kirchen hinter den Beitritt der Schweiz zur UNO. Das «Wort der Kirchen» soll am kommenden 1. September an einem festlichen Schlussakt in Bern massgebenden Vertretern von Politik, Wirtschaft und Sozialpartnern übergeben werden.
swissinfo und Agenturen
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