Gewalt in St. Galler Privatschule: Schulleitung zurückgetreten

Das Institut Sonnenberg im St. Gallischen Vilters. Keystone

Einen Tag nach Bekanntwerden der Prügelvorwürfe sind die beiden Leiter der Privatschule Sonnenberg in Vilters, Bruno Wistawel und Louis Hüppi, zurückgetreten. Die Schule räumte inzwischen ein, dass es in letzter Zeit zu "Vorfällen" gekommen sei.

Dieser Inhalt wurde am 05. August 2000 - 15:57 publiziert

Zum neuen Schulleiter haben Lehrerschaft und Direktion des Instituts Sonnenberg an einer Krisensitzung vom Samstag (05.08.) den bisherigen Lehrer Hans-Peter Koller ernannt. Koller erklärte auf Anfrage, dass die beiden zurückgetretenen Schulleiter die stattgefundenen Übergriffe bereuen würden.

Der Rücktritt der Schulleitung ist laut Koller notwendig, um vom Erziehungsdepartement (ED) wieder eine Bewilligung für den Schulbetrieb zu erhalten. Nach den Sommerferien möchte Koller die Privatschule wieder eröffnen. In einem Gespräch mit einem Vertreter des ED habe er diesbezüglich positive Signale erhalten.

Der ehemalige Schulleiter Louis Hüppi bleibt Besitzer der Privatschule, übernimmt aber keine aktive Funktion mehr. Der neue Schulleiter ist 39-jährig und arbeitet seit 12 Jahren als Lehrer.

Ein Lehrer wegen Schlägen suspendiert

Ein Lehrer der Schule ist bereits vor dem Sommerferien suspendiert worden. Ein Sprecher der Privatschule bestätigte am Samstag einen Bericht des "St. Galler Tagblatt", wonach der Erzieher einem Schüler die Nase blutig geschlagen habe. Er habe seinen Fehler eingesehen und habe sich in psychologische Betreuung begeben.

Noch am Vortag hatte der jetzt zurückgetretene Schulleiter Louis Hüppi erklärt, dass er aus den Medien von den Vorwürfen erfahren habe und diesen zuerst nachgehen wolle. Zudem hatte er sich beklagt, nicht vom Erziehungsdepartement über die Anschuldigungen informiert worden zu sein.

Die Privatschule Sonnenberg ist vom St. Galler Erziehungsdepartement geschlossen worden, nachdem bekannt wurde, dass Lehrer gegenüber Schüler mehrfach Gewalt angewendet hatten. Eltern von betroffenen Schülern hatten bei der Polizei Anzeige erstattet.

Privatschulen in den Schlagzeilen

Schweizer Privatschulen sind in den letzten Jahren des öftern in die Schlagzeilen geraten. In einem Nobelinternat in Villars (VD) wurden im März dieses Jahres drei Schülerinnen in der Nacht von einem Unbekannten sexuell belästigt.

Ebenfalls diesen Frühling wurde bekannt, dass sich ein Musiklehrer des Lyceum Alpinum in Zuoz (GR) sexuell an einem Zwölfjährigen vergangen hatte. Der Lehrer und der Rektor der Schule, der von den Übergriffen gewusst hatte, wurden entlassen.

Verschiedentlich sind in letzter Zeit private Schulgründungen wegen ihrer Nähe zum VPM und zu Scientology ins Gerade gekommen. In Littau (LU), Zürich, Lausanne und Rudolfstetten (AG) kam es zwischen Schulleitung und den jeweiligen Erziehungsdepartementen zu juristischen Auseinandersetzungen.

Im August 1998 war eine Basler Privatschule ins Gerede gekommen, weil sie den rechtskräftig verurteilten Holocaust-Leugner Jürgen Graf als Lehrer beschäftigt hatte. Graf wurde darauf entlassen.

Auch im Tessin machten Privatschulen von sich reden. Der ehemalige Vizedirektor einer katholischen Privatschule in Breganzona wurde angeklagt, sexuelle Handlungen mit einem Studenten gehabt zu haben. In einer anderen Tessiner Privatschule erpressten drei Mitschüler während Monaten von ihren Kollegen hohe Geldsummen.

swissinfo und Agenturen

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