Historisches Museum Bern blickt auf seine eigene Grönland-Sammlung
Das Historische Museum Bern stellt seine Grönland-Sammlung ins Zentrum einer Schau. Dabei leuchtet das Haus die Perspektiven auf ein koloniales Erbe aus. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts besitzt es Gegenstände, die zwei Schweizer Expeditionen mitgebracht hatten.
(Keystone-SDA) Die Ausstellung richtet ihren Blick auf Grönland in einer Zeit, in der die Region auch im globalen geopolitischen und ökologischen Kontext verstärkt Beachtung findet, schreibt das Haus in einer Mitteilung.
Ausgewählte Objekte der über hundert Jahre alten Grönland-Sammlung beleuchten die Schweizer Faszination für polare Welten und werfen ein Licht auf die Geschichte der Sammlung. «Was erzählt sie tatsächlich über Grönland und was über die Schweiz?», lautet eine der Fragen, der die Ausstellungsmacher nachgehen.
Vertikale Arktis
Die Faszination fürs «ewige Eis» erklärt sich das Museum zum einen mit dem Selbstbild der Schweiz, die sich mit ihren Gletschern als eine Art «vertikale Arktis» verstehe. Gletscherlandschaften seien da wie dort von grosser Bedeutung und das Eis schaffe ein Gefühl der Verbundenheit.
Zum anderen dürften auch die abenteuerlichen Geschichten über Polarexpeditionen, die im frühen 20. Jahrhundert das europäische «Zeitalter der Entdeckungen» abschlossen, das ihre dazu beigetragen haben, kommt das Museum zum Schluss.
Vergleiche mit Urgeschichte
1909 und 1912/13 führten zwei Schweizer Expeditionen nach Grönland. «Die damals gesammelten Gegenstände waren in Museen sehr begehrt», erklärt Kuratorin Mira Shah. Sie dienten nicht nur der Produktion von ethnografischem Wissen, sondern sollten auch zur Erforschung der eigenen europäischen Urgeschichte beitragen.
Artefakte aus polaren Regionen wurden zum Vergleich herangezogen, um das Leben steinzeitlicher Rentierjägerinnen und -jäger in der späten Eiszeit zu rekonstruieren.
Ziel war laut Shah aber auch eine komplette Sammlung, die als repräsentativ verstanden wurde und eine vermeintlich objektive Sicht auf andere Gesellschaften und ihre Lebensweise zu vermitteln beabsichtigte.
Die Ausstellung im Historischen Museum mit dem Titel «Grönland in Sicht! Perspektiven auf ein kolloniales Erbe» startet am 16. September und dauert bis Ende Mai 2026.
Auch das benachbarte Alpine Museum der Schweiz ALPS widmet sich derzeit dem Thema Grönland und legt dabei den Fokus auf aktuelle Stimmen. Für Thomas Pauli-Gabi, Direktor des Bernischen Historischen Museums, zeigt die Kooperation das grosse Potenzial der nachbarschaftlichen Zusammenarbeit im Museumsquartier.
www.bhm.ch; www.alps.museum.ch