In Biel eröffnet im Sommer das zweite Mädchenhaus der Schweiz
Ab diesem Juni finden von physischer, psychischer oder sexueller Gewalt betroffene Mädchen und junge Frauen an einer geschützten Adresse in Biel eine sichere Unterkunft und Betreuung. Es ist schweizweit erst das zweite spezialisierte Angebot dieser Art.
(Keystone-SDA) Die Eröffnung des Mädchenhauses Biel-Bienne sei ein konkreter Beitrag zum Schutz von Frauen und minderjährigen Mädchen vor allen Formen von Gewalt, sagte Manuela Schild, die Geschäftsleiterin des Vereins «Solidarité femmes Biel und Region», am Mittwoch an einer Medienkonferenz in Biel.
Mit von der Partie war auch der Verein «MädchenHousepourFilles», der sich in den letzten 15 Jahren für ein zweisprachiges Mädchenhaus in Biel einsetzte.
Das spezialisierte Angebot bietet ab Juni sechs bis acht Mädchen und jungen Frauen zwischen 14 und 20 Jahren eine sichere Unterkunft und Betreuung. Das zweisprachige Pilotprojekt wird während drei Jahren von «Solidarité femmes Biel und Region» im Auftrag des Kantons Bern geführt. Der Verein ist eine vom Kanton anerkannte Opferhilfestelle.
Vierzig zusätzliche Schutzplätze für Mädchen und junge Frauen werden schätzungsweise schweizweit gebraucht, sagte Schild weiter. Mit dem zweisprachigen Mädchenhaus an der deutsch-französischen Sprachgrenze in Biel erfolge nun eine dringend notwendige Erweiterung des bestehenden Angebots.
Kanton gibt Aufenthaltsdauer vor
Bisher gab es erst in Zürich ein solches Angebot. Es bot sieben Plätze für Mädchen und junge Frauen, die akut von Gewalt bedroht sind. Aus Platzmangel hatte das Mädchenhaus Zürich 2024 aber hundert Jugendliche weiterverweisen müssen.
Anders als es etwa im Mädchenhaus Zürich oder in Frauenhäusern der Fall ist, dürfen sich minderjährige Mädchen künftig nicht drei Monate, sondern maximal drei Wochen in der Schutzunterkunft in Biel aufhalten. Diese Aufenthaltsdauer hat die Berner Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion festgelegt.
Hier liege laut Schild die Herausforderung des Pilotprojekts: Innert 21 Tagen eine geeignete Anschlusslösung für die Mädchen zu finden, sei sowohl rechtlich als auch aus fachlicher und praktischer Sicht unrealistisch.
So bleibe nur wenig Zeit, eine Vertrauensbeziehung aufzubauen und gemeinsam mit den Mädchen eine Zukunftsperspektive zu erarbeiten. Das wiederum, so fürchtet Schild, könnte die Wirksamkeit der Schutzmassnahme gefährden.
Lasse sich innert 21 Tagen keine geeignete Anschlusslösung für die minderjährigen Mädchen finden, könne die Aufenthaltsdauer aber verlängert werden. Jungen Frauen ab 18 Jahren wird das Mädchenhaus Biel-Bienne bis zu drei Monate Schutz bieten.
Die Schweiz hatte sich 2018 mit dem Beitritt zur Istanbul-Konvention gesetzlich verpflichtet, Frauen und minderjährige Mädchen vor Gewalt zu schützen.