Kanton Thurgau misst Vibrationen im Zürcher Boden
Der Kanton Thurgau intensiviert seine Grundlagenforschung zur Nutzung von Geothermie. Dazu ist er im kommenden Winter auch in zehn Zürcher Gemeinden aktiv.
(Keystone-SDA) Der Untergrund, der untersucht werden soll, liegt zwar im Kanton Thurgau. Um ein vollständiges Abbild zu erhalten, seien jedoch auch Messungen jenseits der Kantonsgrenze nötig. Dies gaben der Kanton Thurgau und die Aktiengesellschaft Geothermie Thurgau bekannt.
Im kommenden Winter sind deshalb während vier Monaten Messungen in 50 Gemeinden geplant. Davon liegen drei im Kanton St.Gallen und zehn im Kanton Zürich: Bauma, Elgg, Ellikon an der Thur, Elsau, Hagenbuch, Schlatt, Turbenthal, Wiesendangen, Wila und Zell.
Leicht spürbare Vibrationen
Dort werden Fahrzeuge in der Grösse eines Lastwagens auf bestehenden Strassen und Wegen unterwegs sein und Vibrationen abgeben. Diese dauern wenige Minuten und sind leicht spürbar. Die gesamte Fläche, die mit den Fahrzeugen geprüft wird, ist 430 Quadratkilometer gross.
Die seismischen Wellen des Vibrationsfahrzeuges werden von den verschiedenen Schichten im Untergrund reflektiert, an die Oberfläche zurückgesandt und dort aufgezeichnet. Davon erhoffen sich die Verantwortlichen ein genaues Abbild über den Aufbau der geologischen Schichten bis zu einer Tiefe von 4000 Metern.
Die Ergebnisse sollen öffentlich zugänglich werden und die Grundlage für künftige Planungen von Tiefenbohrungen bieten, beispielsweise für Gemeinden, Landwirtschaftsbetriebe oder Gewerbe und Industrie.
Mit den Untersuchungen sollen die wissenschaftlichen Grundlagen für eine nachhaltige und sichere Energieversorgung geschaffen werden, «unabhängig von Wetter, Jahreszeit und Importen», erklärte Bernd Frieg, Geschäftsführer von Geothermie Thurgau.
Untersucht werde eine Region, in der eine wirtschaftliche Nutzung besonders vielversprechend sei, betonten die Verantwortlichen. Für das Projekt «Thurgauer Energie aus dem Untergrund 2030» wird mit Kosten von rund 50 Millionen Franken gerechnet.
Die Verantwortlichen stützen sich auch auf Daten und Erfahrungen eines bereits abgeschlossenen Geothermie-Projekts in Schlattingen TG, in der Nähe von Stammheim ZH. Dort wird Wasser aus einer Tiefe von rund 1200 Metern zur Beheizung von Gewächshäusern genutzt.
Im aktuellen Messgebiet müsste deutlich tiefer gebohrt werden als in Schlattingen. Dafür wird heisseres Wasser mit rund 110 Grad Celsius erwartet.
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