Wie die Schweiz Handel treibt – und zum globalen Player wurde
Die Schweiz spielt im Welthandel eine grosse Rolle für ein so kleines Land. Wieso eigentlich?
Die Schweiz hat keine Aussenpolitik – sie hat eine Aussenhandelspolitik, lautet ein altes Bonmot, das bis zum Ersten Weltkrieg Gültigkeit hatte. Politische Allianzen zu schmieden, galt als heikel, aber Geschäfte treiben nicht. Insofern war die Schweiz stets an Freihandel interessiert. Und entsprechend wichtig sind dem Land Handelsabkommen. Es gibt einen breiten politischen Konsens, dass die Behörden proaktiv Abkommen zugunsten ihrer Industrie suchen sollen.
Darum sind wenige Länder in der Weltwirtschaft derart stark eingebunden wie die Schweiz. Das ist kein Zufall, sondern eine strategische Ausrichtung eines kleinen Binnenstaates ohne Rohstoffe, der früh industrialisiert wurde und sich in die globalen Wertschöpfungsketten eingliederte. Oft gelang ihm das im Windschatten der benachbarten Kolonialmächte.
Wichtigste Partnerin in der Gegenwart ist die Europäische Union: Über bilaterale Verträge ist das Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU seit den 1990er-Jahren geregelt worden. Zurzeit befasst sich die Schweizer Politik mit der Zukunft des bilateralen Weges zwischen Bern und Brüssel. Es ist das wichtigste aussenpolitische Geschäft der nächsten Jahre.
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Die Wirtschaftsbeziehungen Schweiz-EU in acht Grafiken
Zeitweise gingen 70% der Schweizer Exporte in die EU. 2025 waren es rund 60%. Das Handelsvolumen mit anderen Partnern ist gewachsen. So sind USA mit rund 18% der zweitwichtigste Absatzmarkt der Schweiz. Die US-amerikanische Zollpolitik seit 2025 hat jedoch zu tiefer Verunsicherung geführt – nicht nur in der Schweiz, sondern global. Entsprechend hat Bern in letzter Zeit rasch viele Handelsabkommen abgeschlossen. Auch solche, die jahrelang blockiert waren.
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Weg von den USA: Die Schweiz arbeitet an neuen Handelsabkommen
Mit China ist die Schweiz als erstes europäisches Land (zeitgleich mit Island) ein Handelsabkommen eingegangen. Als drittgrösster Handelspartner entfallen auf China rund 6% der Schweizer Exporte. Der Anteil ist tiefer, als die Diskussionen um das kürzlich aktualisierte Abkommen vermuten lassen.
Aber die symbolische Kraft dahinter war schon immer wichtig: Die Schweiz spielt mit globalen Playern auf Augenhöhe. Kritiker:innen warnen hingegen, dass die Schweiz damit ein politisches Risiko eingeht, denn die EU und die USA fahren eine Strategie der wirtschaftlichen Entkopplung. Sie tun also genau das Gegenteil von der Schweiz.
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Handel mit China: «Die Schweiz hat keinen Plan B»
Generell versucht die Schweiz sich so gut es geht an die bestehenden Spielregeln zu halten – jene, die von der Welthandelsorganisation (WTO) festgelegt wurden. Die Schweiz ist stark engagiert in der WTO und verfolgt den Ansatz, möglichst in multilateralen Organisationen für ihre Interessen einzustehen. Dort können sich kleinere Staaten verbünden, um ihre Interessen zu schützen. Das ist immer mehr gegenüber den Grossmächten nötig, die diese Spielregeln teilweise ignorieren.
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Werden die WTO-Mitgliedstaaten die Organisation reformieren können?
Überhaupt hat das Kräftemessen der Grossmächte in den letzten Jahren die Weltwirtschaft durcheinandergebracht. Freihandel und Multilateralismus sind zu Opfer geopolitischer Rivalitäten geworden. Die globalen Strukturen sind zwar noch intakt, aber deutlich geschwächt. Die Schweiz versucht darin ihre neue Rolle zu finden.
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Handelspolitik in Zeiten geopolitischer Spannungen – was kann die Schweiz tun?
Allerdings verläuft nicht alles gradlinig: Das System der direkten Demokratie in der Schweiz schafft die Möglichkeit, internationale Verträge an der Urne abzulehnen. Neue Handelsabkommen werden oft mit einem Referendum hinterfragt.
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Wie sehr steht die direkte Demokratie den Schweizer Handelsabkommen im Weg?
Die Wirtschaftsstruktur des Landes, bestehend aus multinationalen Grosskonzernen und einer Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen, gilt als ein Erfolgsrezept: Wirtschaftlich steht die Schweiz weiterhin solide da, zu einem grossen Teil dank der globalen Vernetzung ihrer Industrie.
Doch für einzelne Unternehmen kann sich der raue Wind in der Weltpolitik zu einem regelrechten Sturm entwickeln. Die Navigation durch die geoökonomischen Spannungen wird für die Wirtschaft wichtiger.
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Kuba: Der Schweizer Handel erstickt an der Angst vor den US-Sanktionen
Das gilt auch für die wichtigste Exportindustrie der Schweiz: die Pharmabranche. Deren Bedeutung für Wohlstand und Beschäftigung hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Die Schweizer Pharmabranche kommt aber unter Druck von der Konkurrenz in den USA – und zunehmend von jener in China und Indien.
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Big Pharma: Der Motor der Schweizer Wirtschaft steht unter Druck
Im digitalen Zeitalter entkoppelt sich der Handel zunehmend von physischen Waren. Die Schweiz spielt dank einem innovativen IT-Sektor vorne mit, der stark von der Start-up-Kultur rund um die Eidgenössischen Technischen Hochschulen in Zürich und Lausanne profitiert. Und das wird von den Schweizer Behörden beim Aussenhandel berücksichtigt: So gehört die Schweiz zu jenen Ländern, die schon früh auf Abkommen zum digitalen Handel setzte.
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Digitaler Handel: Die Schweiz setzt auf bilaterale Abkommen
Zurzeit als zentrale Fragen in der Schweizer Handelspolitik gelten der Umgang mit protektionistischen Massnahmen wie Zöllen und die Angst vor einer globalen Rezession. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Strategien scheint jedoch stabil, denn es gibt kaum laute politische Forderungen nach einer grundlegenden Richtungsänderung.
Die Schweiz ist mit ihrem momentanen Kurs wirtschaftlich gut gefahren. Und sie wird es weiterhin tun. Es sei denn, sie muss aus geopolitischen Gründen allenfalls eine Kehrtwende einleiten.
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