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Durchschnittlich 30 Personen pro Tag besuchen Konsumraum in Chur GR

Keystone-SDA

Am 1. April hat in Chur eine Kontakt- und Anlaufstelle mit Konsumraum eröffnet. Eine Zwischenbilanz der Verantwortlichen zeigt: Pro Tag wird darin rund 100 Mal konsumiert. Der Kleinhandel im öffentlichen Raum schrumpft, die Drogenszene noch nicht.

(Keystone-SDA) Der Konsumraum soll das Sicherheitsgefühl für die Bevölkerung und die Situation der Suchtkranken verbessern. Er soll aber auch dazu führen, dass die Sogwirkung auf Suchtkranke aus anderen Kantonen reduziert wird. Denn: Die Drogenszene ist in den vergangenen Jahren stetig angewachsen. Im Churer Stadtpark entstand eine der grössten offenen Drogenszenen der Schweiz. An Spitzentagen zählte die Stadtpolizei Chur in der Vergangenheit über 50 Personen im Stadtpark. Der Kommandant der Stadtpolizei, Andrea Deflorin, erklärte am Mittwoch vor den Medien, dass die Polizei nicht erwartet habe, dass die Szene innert drei Monaten verschwinde. «Wir sind nicht am Ziel, der Stadtpark bleibt ein wichtiger Ort für die Suchtkranken.»

Was sich aber für die Polizei verändert habe: «Wir können die Suchtkranken während der Öffnungszeiten des Konsumraums von 11 bis 19 Uhr dorthin schicken.» Der Drogenkonsum und der Kleinhandel würden im öffentlichen Raum während dieser Zeiten nicht mehr toleriert und es werde stärker durchgegriffen. Bei Verfehlungen würden die Drogen beschlagnahmt, die Person verzeigt und je nach Fall auch weggewiesen. «Unser Ziel ist es, die Grösse der Drogenszene zu stabilisieren und langfristig zu senken», so Deflorin.

Durchschnittlich 30 Personen täglich

Der Konsumraum wird rege genutzt. Durchschnittlich konsumieren pro Tag rund 30 Personen in den Räumlichkeiten in Chur. Je nach Wetter, Repressionsdruck und Verfügbarkeit der Substanzen schwanken die Zahlen stark, wie der Leiter der Überlebenshilfe Graubünden (UHG), Carlo Schneiter, am Mittwoch bei der Bilanzmedienkonferenz ausführte. Über 90 Personen haben sich für die Konsumation registriert. Dieser Wert übertrifft gemäss Schneiter die Erwartungen.

Mit Abstand am häufigsten wird gemäss dem UHG-Leiter der Inhalationsraum für den Konsum von Crack und Base genutzt – also rauchbare Formen von Kokain. Neben dem Kleinhandel und Konsum von Drogen dient die Kontakt- und Anlaufstelle mit Konsumraum den Suchtkranken auch als Rückzugsort, als Ort zur Körperpflege und für Gespräche und Beratungen. Ausserdem können sich die Suchtkranken dort auch verpflegen.

Gemäss der Stadtpolizei haben sich rund um den Konsumraum keine neuen Brennpunkte gebildet. «Die Sicherheitslage im Quartier ist stabil, es kam kaum zu Vorfällen, die einen direkten Bezug zum neuen Angebot haben», erklärte Deflorin. Ausserdem seien im Quartier auch nicht mehr Spritzen als zuvor gefunden worden.

15 Personen abgewiesen

Der Konsumraum ist nur für Personen mit Suchtkrankheit und dem Lebensmittelpunkt in Graubünden zugänglich. Gemäss Schneiter wurde deshalb rund 15 Personen die Registration verweigert. «Dabei handelt es sich teilweise um ausserkantonale Suchtkranke, die bisher in Chur konsumierten und nun ein grösseres Problem haben», führte Deflorin aus. Diese seien früher eher toleriert worden, würden aber verstärkt weggewiesen.

Verbessert hat sich gemäss Deflorin während der Öffnungszeiten des Konsumraums die Situation am Bahnhof und in der Innenstadt, weil sich der Drogen-Kleinhandel, der regelmässig mit Aggressionen verbunden sei, häufiger im Konsumraum abspiele. Ausserdem werde tagsüber weniger in den öffentlichen Toiletten konsumiert. Probleme gebe es aber weiterhin gerade am Morgen, wenn die Suchtkranken für die Drogenbeschaffung um Geld betteln würden.

Und: Die Beschaffungskriminalität ist gemäss Deflorin nicht gesunken. Da habe der Konsumraum keinen Einfluss – damit habe man aber auch nicht gerechnet.

Pilotversuch läuft drei Jahre

Gemäss dem zuständigen Churer SP-Stadtrat Patrik Degiacomi stellt der Konsumraum eine Verbesserung für die suchtkranken Menschen und die Bevölkerung gleichermassen dar. Er sagt aber auch: «Veränderungen brauchen Zeit und verschiedene Herausforderungen bleiben bestehen.»

Der Pilotbetrieb wird während drei Jahren weitergeführt und durch eine externe Evaluation begleitet. Bis zum Sommer 2027 entsteht dazu ein Bericht. Künftig möchte die Stadt im Konsumraum ein Drug-Checking etablieren, «damit mehr Klarheit herrscht, was genau konsumiert wird». Ausserdem sollen die Wohnangebote für Suchtkranke verbessert werden. Und Degiacomi betonte erneut, dass er eine Teilnahme Graubündens an einem Pilotprojekt zur ärztlich kontrollierten Abgabe eines Kokain-Substituts begrüssen würde.

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