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Dokumentarische Delikatessen

Ein Rock-Film des bekannten bosnischen Regisseurs Emir Kusturica wird das Festival eröffnen. Keystone

Das sympathischste Schweizer Filmfestival heisst "Vision du Réel". Das 32. Internationale Dokumentarfilmfestival beginnt am Montag (23.04.) in Nyon. Gezeigt wird, dass dem Dokumentarfilm-Schaffen keine Grenzen gesetzt sind.

Vorne Wasser, hinten Berg, Lac Leman und die Weinberge, zwischendrin Nyon, Kleinstädtchen samt Château, mediterranem Flair und einem Dokumentarfilm-Festival, das jedes Jahr mehr Cinéphile anzieht. Petrus-strategisch richtig im Frühling platziert, lassen sich in Nyon Filme sowie persönliche Kontakte und kulinarische Gelüste mühelos unter einen Hut bringen.

Neuanfang

Ende der sechziger Jahre gegründet, drängte sich 1995 eine Neuausrichtung der Filmtage am Genfersee auf. Das Festival alt und glanzlos geworden brauchte dringend eine Kur, einen neuen Namen, einen neuen Regisseur. Die richtige Einstellung, Enthusiasmus und Visionen fanden sich in der Person von Jean Perret. Der ehemalige Kulturjournalist des Westschweizer Radio Espace2, jetzt vollamtlich als Direktor des Festivals amtend, hat die «Vision du réel» mit sicherer Hand ins 21. Jahrhundert geführt.

Nyon ist heute eine inhaltliche und zahlenmässige Erfolgsgeschichte und wichtiger Treffpunkt der Schweizer Filmszene. International arrivierte Filmer treffen auf den Nachwuchs, Film-Journalistinnen analysieren, rezensieren, kritisieren, das Publikum nimmt an den täglichen Diskussionsrunden mit Autoren, Regisseuren, Darstellern, Frauen und Männern, Jungen und Alten teil.

Anfang – Mitte – Ende

Eröffnet wird das diesjährige Festival mit einem Leckerbissen. Emir Kusturica, zeigt die Tournée seiner Gruppe «No Smoking». Die Balkan-Rocker, vor 20 Jahren mit dem Rock’n’Roll im Herzen unterwegs, geben in diesem nostalgisch schrägschönen Film den Takt an.

Der Schlussabend gehört Johan van der Keuken. Der kürzlich verstorbene holländische Cineast wird mit einer Hommage geehrt. Das Willelm Breuker Kollektief spielt live zu den Bildern von van der Keuken. Ohr und Auge in Jazz und Bild vereint.

Dazwischen warten dokumentarische Delikatessen auf ihre Bewertung. Aus über 1’500 Filmen aus der ganzen Welt sind rund 100 Filme offiziell selektioniert worden. 27 davon nehmen am Internationalen Wettbewerb teil.

Geographisch sind alle Kontinente, insgesamt 31 Länder vertreten. Südafrika, Taiwan, USA, Australien und natürlich die Schweiz sind Stichworte dazu.
«Der Drang nach Wissen und Innovation – in Zeiten drastischer Veränderungen in ökologischen, sozialen oder kulturellen Bereichen», war laut Pressecommuniqué Ausschlaggebend für die Wahl der Themen und deren visuelle Umsetzung. Einen besonderen Schwerpunkt bildet Südafrika, mit fünf Filmen, wovon zwei im Wettbewerb laufen.

Weiter im Programm: Das Wiedersehen mit eindrücklichen helvetischen Zeitzeugen aus den 60er und 70er Jahren von Alain Tanner, Richard Dindo, Fredi Murer, Rolf Lyssy und anderen. Interessant zu sehen, ob die «Alten» schon kräftig Patina angesetzt haben oder ob ihr aufmüpfiger Biss noch immer scharf ist.

Das Dokumentarfilm-Schaffen, längst dem «reinen» Abbilden entwachsen, zeigt in Nyon einmal mehr, das dieses Genre weder Tabus noch ästhetische Grenzen kennt. Ob Essais, Fernsehproduktionen, Experimentalfilm – der Dokumentarfilm und mit ihm seine Autorinnen und Filmer brauchen den Vergleich mit den millionenteuren Hollywood-Fiktionen keineswegs zu scheuen. Ganz im Gegenteil: Der Dokumentarfilm lebt!

Brigitta Javurek

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