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Ein alter «Kaffee-Schweizer»

Bruno Angst, der Kaffeehändler. (swissinfo) swissinfo.ch

Bruno Angst aus Frauenfeld im Kanton Thurgau lebt seit fast einem halben Jahrhundert in Brasilien, wo er als ein grosser Kaffeekenner gilt.

Er ist heute in den Siebzigern und geniesst das Leben, ohne gross Heimweh nach der Schweiz zu haben.

Ruhig verfolgt Bruno Angst auf seinen vielen PC-Bildschirmen die Höhen und Tiefen der Tageskurse des Kaffees auf den Weltmärkten. Nichts, aber auch gar nichts, darf er übersehen.

Er kann sich aber noch gut an die rudimentären Methoden zur Zeit seiner Ankunft hier in Santos erinnern.

Das Terrain erkunden

In den 50er-Jahren gab es noch kein Telex. Es dauerte manchmal zwei oder drei Stunden, bis eine Telefonverbindung mit São Paulo zustande kam, das gut hundert Kilometer von hier entfernt liegt.

Heute ist alles anders. Aber Bruno Angst lässt sich vom Wirbel der neuen Technologien nicht aus der Ruhe bringen. Man muss vor allem das Terrain kennen.

Um Erfolg zu haben, muss man die Besonderheit jeder Produktionsregion, die Qualität der Bohnen der grossen Cooperativen und der Familienbetriebe sowie die Eigenschaften jeder Ernte kennen.

30 Jahre arbeitete Angst bei Volkart, einer Schweizer Firma die Nahrungsmittel vermarktet. Dann stellte er seine Kenntnisse in den Dienst der Comexim, einem Familienunternehmen in Santos.

Zwar ist er nun pensioniert, doch bietet er noch Beratungen an. «Ich bringe ein wenig von meinem Wissen ein», sagt er. «Aber heute nehme ich keine Arbeit mehr nach Hause.»

Für ihn ist die Analyse des Kaffeemarktes ein Kinderspiel geworden. «Es ist lustig», meint er. «Vor allem, wenn man mit dem Geld der anderen spielt.»

Die Atmosphäre von Santos

Nach einem Aufenthalt in London und New York sollte der damals 23-Jährige eigentlich nur ein Jahr in Brasilien bleiben.

Eigentlich hätte er dann seine Karriere in Belgisch-Kongo (heute Demokratische Republik Kongo) weiterführen sollen. Aber die Atmosphäre in Santos gefiel ihm so gut, dass er gleich dort blieb.

Bruno Angst gilt nicht als «Gringo». Ganz im Gegenteil, er wird von den Spezialisten als einer der grossen Kaffeekenner anerkannt.

«Hier werden Ausländer gut aufgenommen», erklärt er. «Sicher weil die meisten hier selber aus Einwandererfamilien stammen.»

Der Schweizer, Vizepräsident der Handelskammer von Santos, organisiert alle zwei Jahre ein internationales Kaffeeseminar.

«Das ist ein wenig, als ob ein Amerikaner Präsident einer Käseorganisation in der Schweiz wäre», schmunzelt er.

Trotz seiner Bekanntheit hat Angst keinen Hang zum gesellschaftlichen Leben, das für die Schönen und Reichen in den Städten der Provinz oft der liebste Zeitvertreib ist.

Viel lieber geht er morgens am Meer spazieren oder verbringt die Zeit mit alten Freunden am Strand.

swissinfo, Thierry Ogier, Sao Paulo
(Übersetzung: Charlotte Egger)

600’000 Schweizerinnen und Schweizer leben im Ausland.

Seit 1990 hat die Zahl der Menschen in der Fünften Schweiz um 150’000 Personen zugenommen.

Im Jahre 2002 lebten in Brasilien 13’000 Schweizerinnen und Schweizer.

1932: Bruno Angst wird im thurgauischen Frauenfeld geboren.
1950: Er tritt seine erste Stelle in der Exportabteilung von Volkart an.
1955: Am 21. Dezember kommt er in Santos an.
1960: Er wird Leiter der dortigen Niederlassung.
1969: Er lehnt eine Beförderung in der Schweiz ab und beschliesst, in Brasilien zu bleiben, wo seine fünf Kinder geboren werden.
1987: Er tritt offiziell in den Ruhestand.
1992: Er wird Vizepräsident der Handelskammer von Santos.
1998: Er wird vom Kaffee-Unternehmen Comexim in Santos als offizieller Kontrolleur und Berater angeworben.

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